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Landkartenverkäufer

Ident. Nr.: Streit.40

ObjID: obj:871955

Credit: Leihgabe der Streitschen Stiftung

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Unbekannt,
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1800 / vor 1830
Systematik/Art
Weitere Titel
Landkartenverkäufer
Übersetzung: Map Seller
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Deutschland,
Land
Material / Technik
Weichholz
Abmessungen
Bildmaß: 34 x 26,5 cm
Erwerbung
Seit 1964 Leihgabe der Streitschen Stiftung, Berlin

Objektbeschreibung

Der Landkartenverkäufer trägt seine Ware auf dem Rücken und zudem als einen Ballen unter dem Arm, in dem die Papiere zusammengeschnürt und so vor Wetterunbilden geschützt sind. Er steht auf der kahlen Erde im Bildvordergrund und schaut mit seitwärts geneigtem Kopf – gestützt auf einen Wanderstab – geradeaus. Dabei zeigt er als Hauptfigur des Bildes keinerlei Interesse an dem im Bedeutungsmaßstab stark verkleinert dargestellten potentiellen Käufer, der eine von dem Landkartenverkäufer in der Hand gehaltene Landkarte interessiert und gestikulierend betrachtet. Das auf der Landkarte Dargestellte kann nicht eindeutig identifiziert werden. Die Karte ist farbig gestaltet, blaue Gewässer sind erkennbar. Der Druck farbiger Landkarten war um 1800 allerdings nicht möglich. Die Holzschnitte oder Kupferstiche wurden nachträglich nach den Wünschen des Käufers von Hand koloriert. Ein Vertrieb der teuren kolorierten Landkarten durch einen Hausierer, der seine Waren unter freiem Himmel anbietet und von Ort zu Ort zieht, ist deshalb unwahrscheinlich und in diesem Bild ästhetisch-künstlerischen Anforderungen geschuldet. Eine zweite verkleinerte, männliche Figur im Hintergrund eilt im Laufschritt herbei, um die Ware des Hausierers in Augenschein zu nehmen. Der Hausierer, dessen Wangen gerötet sind, trägt eine mit Pelz verbrämte rote Kopfbedeckung, um sich im Freien zu schützen. Zusammen mit dem kleinen weißen Halstuch setzt sie einen wirkungsvollen Kontrast zur dunkelblauen Kleidung des Mannes, der von einem zartblauen, weiten Himmel hinterfangen wird.  
Landkartenverkäufer gehörten im 18. Jahrhundert zum Straßenbild. Sie wurden auch als Meissner Porzellanfiguren von Peter Reinicke (1715 Danzig – 1768 Meißen) in der Serie der Pariser Ausrufer („Cris de Paris“) 1744 ausgeführt und präsentieren dort als ebenfalls schwerbepackte Standfiguren kolorierte Karten. Im 19. Jahrhundert dürfte diese Art des Kolportage-Handels, des direkten Vertriebs unter freiem Himmel, trotz der zumeist prekären Situation der Verkäufer auch schon in sozialromantischer Weise wahrgenommen und künstlerisch dargestellt worden sein, gerade weil nun Landkartenhausierer nach und nach vom stationären Handel abgelöst wurden. Der im Schulkontext vor 1945 zeitweilig verwandte Bildtitel „Fahrender Scholar“ ist unzutreffend, da es sich eindeutig um einen älteren Hausierer, einen Verkäufer von Landkarten handelt.
Das Sujet des Landkartenverkäufers spiegelt die Interessen des einstigen Eigentümers des Gemäldes, Heinrich Dithloff Hellmuth von Regemann (2.2.1772 Falkenhagen bei Pritzwalk – 15.6.1830 Berlin). Ob das Bild auf dessen Veranlassung entstand, ob er es im Handel erwarb oder geschenkt bekam, ist ungeklärt. Aufgrund der Malerei ist aber klar, dass es einige Jahrzehnte vor seinem Tod 1830 entstanden ist. Von Regemann vermachte das kleinformatige Bild als Teil einer Schenkung von Gemälden, Büchern und Karten testamentarisch seiner einstigen Bildungsanstalt, dem Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Nach seiner Schulzeit war er zunächst als Offizier tätig, wurde dann aber aufgrund einer Krankheit preußischer Beamter, ab 1798 zuerst in Stettin, später unter anderem in Königsberg. Zuletzt lebte er als Regierungsrat a. D. in Berlin. Mithin konnte er sich über Jahrzehnte seiner Sammelleidenschaft widmen. Sein Interesse an Geographie und Landkarten weckte wohl schon zur Schulzeit in Berlin der Klosterdirektor Anton Friedrich Büsching (1742–1793). Dieser war als Geograph, vor allem durch seine „Erdbeschreibung“ und seine „Wöchentlichen Nachrichten von neuen Landcharten…“, über den deutschsprachigen Raum hinaus bekannt.
Die von ihm selbst im Testament errichtete „von Regemann-Stiftung“ wurde pragmatisch der Verwaltung der schon am Gymnasium aktiven und mit einem fähigen „Directorium“ versehenen Streitschen Stiftung anvertraut, die auf den Klosteraner Sigismund Streit (Ident. Nr. Streit.1) zurückgeht. Nach der Errichtung seines Testamentes ab 1826 verstärkte von Regemann seine Kartensammelbemühungen im Hinblick auf die Schenkung für seine alte Schule. Die Kunstwerke seiner Sammlung erhielten im 19. Jahrhundert Sammlungsnummern, die mit „v R.“ verbunden waren und die auf einem Provenienzschildchen mittig oben auf dem Rahmen der Werke angebracht worden ist (hier ehemals „54 v R.“). 
Von Regemanns dem Grauen Kloster gestiftete, kleinformatige Bilder sind mit ihren holländischen Szenen, Landschafts- und Genredarstellungen typisch für ein auf den Schmuck von Wohnungen gerichtetes Kunstinteresse (vgl. Ident. Nr. Streit.34 und Streit.39). Es handelt sich weder um großformatige noch wertvolle Kunstwerke. Einige Bilder wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Zu den testamentarisch dem Grauen Kloster vermachten Stücken zählten auch Büsten und naturwissenschaftliche Instrumente, über deren Art oder Verbleib nichts bekannt ist. Seine Kupferstichsammlung wurde auf seinen Wunsch zugunsten seiner Stiftung am Grauen Kloster, die auch Schülerstipendien vergab, veräußert. Zu den Regemannschen Bildern gehört auch eine andere geographieaffine Darstellung, die einen Mann mit Globus zeigt (Sammlungen des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster). 
Als Ergänzung seiner Stiftung am Grauen Kloster übergab seine Haushälterin dem Grauen Kloster 1846 ein Porträt, das von Regemann in seinen Dreißigern zeigt. Aufgrund dieses Porträts ist klar, dass der Maler des Landkartenverkäufers diesem nicht das Gesicht des Landkartenfreundes von Regemann verliehen hat. 
Die Kriegszerstörung des Grauen Klosters in Berlin-Mitte im Zweiten Weltkrieg, die Nachkriegswirren und die Teilung der Stadt zogen die Überführung der meisten Gemälde aus dem Grauen Kloster nach Berlin (West) nach sich. Seit 1964 befindet sich das Gemälde als Leihgabe der Streitschen Stiftung in der Gemäldegalerie. | Susanne Knackmuß.


Literatur: 

Gemäldegalerie Berlin. Gesamtverzeichnis der Gemälde, hrsg. v. den Staatlichen Museen zu Berlin, Berlin 1996, S. 40, 199, Abb. 417, S. 631


Inventarnummer der Streitschen Stiftung: Nr. 0179

Letzte Aktualisierung: 22.10.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Stillleben mit toten Vögeln

Stillleben mit toten Vögeln

Auf einer vom Bildrand angeschnittenen Tischplatte sind mehrere tote Vögel arrangiert: Ein Rebhuhn liegt kopfüber auf einem Holzeimer mit Bügel im Hintergrund, die Krallen nach links ausgestreckt. Bei dem auf einen Zweig gespießten Vogel in der Mitte handelt es sich vermutlich um eine Drosselart. Es war üblich, Drosseln mit leimbestrichenen Zweigen zu fangen. Links vorne liegt ein großer Buntspecht, rechts daneben ein Wiedehopf. Als Autor des kleinen ovalen Gemäldes vermutete man früher den Leidener Maler und Zeichner Philips Angel, den Verfasser des bedeutenden Traktats „Het Lof der Schilderkonst“ („Lob der Malerei“). Tatsächlich stammt das Berliner Bild jedoch von der Hand seines Großcousins, des gleichnamigen Middelburger Stilllebenspezialisten und Radierers.| Britta BodeSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. unten: P Angel 1650_______________________________________________________________________________________________________________________________________On a table, cut into by the edge of the painting, several dead birds are arranged in different poses. A partridge lies upside-down on a wooden basket with a hanger in the background, claws stretched out to the left. Corresponding with the capturing technique of the time, the thrush is skewered up with a glue covered twig. In the front, left, lies a woodpecker, right next to it a Eurasian hoopoe. This hand-palm sized oval has been formerly attributed as one of the lesser known works of Leidener painter and draughtsman Philips Angel. Angel was the author of the important treatise „Het Lof der Schilderkonst“ („Praise to art”). The Berlin painting, however, has been attributed to his great-cousin, a Middelburg still-life specialist and etcher by the same name.| Britta Bode

Ruhe auf der Flucht nach Ägypten

Ruhe auf der Flucht nach Ägypten

An einem rasenbedeckten Hang ruht die Heilige Familie. Maria sitzt am Rain eines rechts vorbeiführenden Weges, das Kind in ihrem Schoß. Dahinter steht Joseph, den Hut in der Hand, und stützt sich auf seinen Stab. Drei prächtig gekleidete Engel in der Mitte singen und flöten. Einer der fünf nackten Engelputten hört ihnen zu, ein anderer schläft, den Kopf auf einem bemoosten Klotz hinten bei der Quelle. Dort schöpft ein anderer Wasser in eine seitlich geöffnete Pilgerflasche. Ein Engel bringt dem Christkind blühende und fruchttragende Erdbeerstauden, ein anderer einen flatternden Vogel, einen Papagei. Vielerlei Pflanzen, darunter Himmelsschlüssel, Distel, Akelei und Erdrauch, geben dem Ort den Anschein eines blühenden Gartens. Die Szene wird nach hinten abgeschlossen durch den aufsteigenden Hang links, auf dem um die frische Fichte herum grüne und dürre Bäume stehen, durch die altersgraue Tanne in der Mitte und durch die Birke rechts im Bild. Im Hintergrund erblickt man Berge und Gebirgszüge. Die Darstellung des Geschehens ist ungewöhnlich und mit zahlreichen legendären und symbolischen Anspielungen durchflochten. Der blühende Garten im Vordergrund, von der Bergwelt hinten abgeschlossen, ist als ein Platz der Freude und des Geborgenseins zu verstehen. Mehrere Pflanzen findet man da, die auf Maria und Christus oder auf mit ihnen verbundene Ereignisse anspielen. Die Erdbeere gilt als eine Frucht des Paradieses. Die Akelei wie auch der Himmelsschlüssel sind Pflanzen, die sinnbildhaft auf Maria und Christus und auf die Passion hindeuten. Auch die Distel, als eine dornentragende Pflanze, erinnert an die Dornenkrone und das Leiden Christi. So mischt sich in das Bild der Freude auch der Hinweis auf die kommende Leidenszeit. Die Quelle, die aus dem Hang sprudelt, entsprang nach der Legende auf ein Wort des Christuskindes, um die ermüdeten Reisenden zu erquicken. Sie verwandelte zugleich den wüsten Platz in einen Garten. Auch die musizierenden und spielenden Engel gehören in diesen Zusammenhang. Durch die symbolische Ausdeutung der Umgebung und die Erscheinung der Engel wächst dem Ort die Qualität eines Paradiesgartens zu. Der Ort der Ruhe auf der Flucht ist zugleich ein Ort himmlischer Freuden. Graphische Vorlagen Dürers wie die Heilige Familie mit den Hasen von 1496/97 haben anscheinend die Bildgestalt Cranachs mit bestimmt. Einige Motive der Darstellung sind dort vorgebildet. Cranach hat später, 1509, die Komposition in Holzschnitten noch einmal verarbeitet. Eine ziemlich getreue Kopie des Gemäldes wird in Wien verwahrt. Ihre Existenz deutet darauf hin, daß unser Gemälde von Cranach noch vor seiner Abreise aus Wien gemalt wurde. Das Gemälde ist das erste von Cranach signierte und datierte Werk. Die Rekonstruktion und Sicherung der Malerei Cranachs vor seiner Wittenberger Zeit wäre ohne die Kenntnis dieses Bildes kaum möglich gewesen. Lange Zeit war es nur durch Beschreibungen, aber kaum durch Anschauung bekannt. 1892 wurde es auf einer Ausstellung in München erstmals gezeigt. Dieses Ereignis bestimmte die Forschung über Cranachs Frühzeit wesentlich mit. Das Gemälde ist eines der frischesten und künstlerisch bedeutendsten Werke Cranachs überhaupt. Wilhelm H. Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: am unteren Rand: Monogramm LC (auf einem Zettel) und Datum 1504___________________________________________________________________________________________The Holy Family is resting on a grassy slope. Mary sits on the edge of a path on the right, the child in her lap. Joseph stands behind her holding his hat in his hand and leaning on his staff. Three sumptuously dressed angels stand in the middle singing and playing flutes. One of the five naked angel cherubs is listening to them, another is asleep resting its head on the mossy hill behind, near the spring. There, a third cherub is drawing water into a pilgrim’s flask with an opening at the side. An angel brings the Christ child strawberry plants in flower and in fruit; another brings a bird flapping its wings, a parrot. The many varieties of plants, among them cowslips, thistles, columbine and fumitory, give the place the appearance of a flowering garden. The scene is enclosed from behind by the hillside rising on the left on which both green and dead trees stand around the young spruce, by the aging grey fir tree in the middle and by the birch on the right. Mountains can be seen in the background.The depiction of the scene is unusual because of the numerous legendary and symbolic allusions that are woven in. The flowering garden in the foreground, enclosed by the mountains in the background, can be interpreted as a place of joy and as a sanctuary. Several of the plants are allusions to Mary and Christ or to events connected with them. The strawberry is considered to be a fruit of paradise, while the columbine and the cowslip stand for Mary and Christ and refer to the Passion. The thistle, too, as a thorny plant recalls the crown of thorns and the suffering of Christ. Thus, the joyous scene is marred by allusions to the suffering to come. According to legend, the spring began bubbling out of the hillside at the Christ child’s bidding in order to quench the thirst of weary travellers. At the same time, it transformed the barren place into a garden to which the playing and music-making angels also belong. The symbolic interpretation of the surroundings and the appearance of the angels lends the place the quality of a garden of paradise. The resting place during the flight is simultaneously a scene of heavenly joy.Dürer’s graphic models for the painting, such as the Holy Family with the Rabbits from 1496/97, apparently also had an influence on Cranach’s composition. Some of the motifs are already present there. Later, in 1509, Cranach reworked the composition in woodcuts. A copy of the painting that is highly faithful to the original is preserved in Vienna. Its existence suggests that the Cranach in question here was painted before the artist left Vienna.This is the first work to be signed and dated by Cranach. Without knowledge of this painting, it would have been well-nigh impossible to reconstruct and reliably attribute Cranach’s pre-Wittenberg oeuvre. For a long time, it was known only through descriptions but without actually having been seen. It was shown for the first time at an exhibition in Munich in 1892. This event played a major role in subsequent research into Cranach’s early period. The painting is one of the freshest and artistically most significant works that Cranach ever produced. Wilhelm H. Köhler | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Friedrich der Große vor der Schlacht bei Torgau

Friedrich der Große vor der Schlacht bei Torgau

Im Jahre 1741 trat Rode in die Werkstatt des preußischen Hofmalers Pesne ein. Hier konnte er seine künstlerischen Fähigkeiten optimal erschließen. Sicher auch auf dessen Anregung hin begab sich Rode um 1749 auf eine mehrjährige Studienreise nach Paris. Anfang der fünfziger Jahre weilte er gemeinsam mit dem Maler Adolf Friedrich Harper in Rom und Venedig. Hier hatten es ihm die glühenden Farben der Bilder von Tizian und Tintoretto angetan. Seit etwa 1753 lebte Rode wieder in Berlin. Die Erfahrungen der Studienreisen prägten sein künstlerisches Selbstverständnis. Mit nur unwesentlichen Modifikationen behielt er seinen Stil bis zum Lebensende bei. Seit 1770 wurde Rode in den Unterlagen der Berliner Kunstakademie als »Historien-Mahler« geführt. Mehrfach hatte er bereits erfolgreich für Friedrich den Großen gearbeitet. Dieser muss Rodes Stücke sehr geschätzt haben. So überrascht es nicht, dass er den Maler 1783 umgehend auf die vakante Akademiepräsidentenstelle berief. Mit der Reorganisation der Akademie unter ihrem Präsidenten Rode und dessen Stellvertreter Daniel Nikolaus Chodowiecki im Jahre 1786 ist auch dem neuen allgemeinen Interesse an vaterländischer Geschichte und ihrer Bewahrung in Artefakten entsprochen worden. Fortan unterstützte die Akademie zeitgemäße Kunst durch die Formulierung geeigneter Prämierungsgrundsätze. Sie sollte gewissermaßen »aus der uns allen sehr interessanten Brandenburgischen Geschichte« schöpfen, wie Chodowiecki im Mai 1786 in einem Vortrag äußerte. Einen Höhepunkt bedeuteten die von Christoph Friedrich Nicolai zwischen 1788 und 1792 veröffentlichten sechs Hefte: Anekdoten von König Friedrich II. von Preußen und von einigen Personen, die um ihn waren. Es handelt sich hierbei um eine geprüfte frühe Quellenliteratur. Diese Veröffentlichungen haben auch Rodes Ereignisbilder zur vaterländischen Geschichte maßgeblich bestimmt. Er war der erste Maler in Brandenburg-Preußen, der sich bemühte, Historiographie frei von barockem Pathos in weltliche Ereignisbilder umzusetzen. Damit hatte der Künstler sich weitgehend vom klassischen Historienbild gelöst, wo die Taten exponierter Personen in mythologische oder religiöse Handlungen eingebettet wurden.Ein Zeugnis dieser neuen Reflexionsweise ist unser Gemälde, für dessen thematische Rahmenhandlung ein Hauptgefecht des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) gewählt wurde. Nachdenklich lehnt der König an einer Eiche, die als Kompositionsachse dient. Er behütet den Schlaf seines treuen Dieners, des Husarengenerals Hans Joachim von Zieten. Eine Soldatenfrau, glücklich über das in der Nähe befindliche Feuer, stellt einen Topf mit Kartoffeln in den provisorischen Herd, ohne die Herrschaften zu bemerken. Eifrig facht sie die Glut an, so dass Asche in des Königs Gesicht geblasen wird. Dieser aber lässt sie gnädig gewähren, während er sich mit seinem Mantel schützt. Die Figuren sind in ein gedachtes ungleichschenkliges Dreieck gespannt, wodurch eine geradezu klassische Statuarik entsteht. Eine schöne Landschaft umschließt die Gruppe. Sie ist das Resultat von Rodes vielfältigen Naturstudien im Harz, im märkischen Oderland sowie in Schlesien. Das Licht des Lagerfeuers hebt die Akteure der Haupthandlung hervor. Damit hatte sich Rode die Möglichkeit eröffnet, die Glut eines gedämpften Kolorits zu verwenden, wie er es während seiner venezianischen Studienzeit kennen- und schätzengelernt haben dürfte. Eine flüchtige Zeichnung zur Vorbereitung der Komposition von Rodes Hand wird im Berliner Kupferstichkabinett aufbewahrt. Das Gemälde wurde auf der Berliner Akademieausstellung des Jahres 1793 gezeigt. Es gehört zu einer locker gefügten Fridericiana, die zwischen 1786, respektive 1791, und 1795 entstand. Von den ursprünglich strenggenommen – acht Bildern sind nur vier erhalten. Erstaunlicherweise ist zu Lebzeiten des Malers keines von ihnen verkauft worden. Offenbar entsprachen die hier geschilderten Charaktereigenschaften des verblichenen Königs – Bescheidenheit, Furchtlosigkeit und Witz – sowie die Verwendung zeitgenössischer Kostüme nicht den Vorstellungen des Publikums, dem das zeitlos Erhabene vorzuschweben schien.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts unten am Stein: B. Rode / 1791._____________________________________________________________An anecdote relates that the king leant thoughtfully against an oak. He is watching over the sleep of his faithful servant, the Hussar General Zieten. A soldier’s wife is placing a pot of potatoes on the provisional hearth, without noticing the gentlemen. She is fanning the ashes so enthusiastically that ash is being blown in the king’s face. However, he graciously allows her to continue, while he protects himself with his cloak. The glow of the campfire highlights the protagonists. The painting was shown at the 1793 Berlin Academy exhibition (picture no. 2). It belongs to the so-called Fridericiana, a loose set of paintings by Rode created between 1786 and 1795, that were subsequently declared to be a series and depict important events of the biography of Frederick the Great (1712–1786). The Fridericiana ideologically follows the Brandenburgiana, a series of paintings by Rode created between 1757 and 1763 depicting events from Brandenburg-Prussian history.