Logo

Kleine Büste eines Toten

Ident. Nr.: K 1611

ObjID: obj:882862

Details (Expert)

Beteiligte
Entwurf: Johann Christoph Ludwig von Lücke (um 1703 - 1780),
Bildhauer*in
Datierung
Ausführung: 1732
Abmessungen
Höhe: 17 cm (mit Sockel)
Höhe: 11,5 cm (ohne Sockel)
Breite: 10 cm (max.)

Objektbeschreibung

Eintrag Inventarbuch: "Büste eines Todten-Kopfs zur Hälfte mit abgezogener Haut, im geöffneten Mund statt der Zunge eine Kröte. Imago mortis et vitae." // Die Büste wurde als Bestandteil der Kunstkammer 1875 ins Berliner Kunstgewerbemuseum überführt. Erworben worden war sie 1852 aus der Privatsammlung eines Herrn "Director Schorn".
Auf der Rückseite der Büste befindet sich eine Ritzsignatur: "CLücke 1732." // In ihrer anatomisch detaillierten und drastischen Darstellungsweise reflektiert die Büste die Vanitas- und Memento-Mori-Vorstellungen des Barockzeitalters. In feinster Modellierung werden der halb verweste Schädel, die Augenhöhle bzw. das verwesende Auge sowie der geöffnete Mund mit den faulenden Zähnen gezeigt. Statt der Zunge ist eine Kröte zu erkennen - eine Anspielung auf den Tod, den jeder Mensch "wie eine Kröte" schlucken muss. In der älteren Literatur wird eine weitere Version in Elfenbein erwähnt (Gerhard Dettmann, in: Thieme-Becker 1929, S. 446), die sich ehemals im Kunstgewerbemuseum (Schloßmuseum) Berlin befunden haben soll. Vermutlich handelt es sich jedoch um eine Verwechslung und die besprochene Steinzeugbüste ist gemeint. Vgl. dazu: Regina Deckers. The Representation of the Corpse in Baroque Sculpture, in: The Journal of Baroque Studies. International Institute for Baroque Studies. University of Malta, 2/Nr. 1 (2017), S. 77-94). // ClKa (Claudia Kanowski)

Letzte Aktualisierung: 16.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."

Les Iris ("Toutes les âmes sont prêtes...")

Les Iris ("Toutes les âmes sont prêtes...")

"Je nach Lichteinfall entwickelt die Vase ganz unterschiedliche Farbwirkungen, die von glühendem Orange-Rot über tiefdunkles Violett bis hin zu bernsteinfarbenen Brauntönen reichen. Iris- bzw. Schwertlilienpflanzen überziehen in asymmetrischer, lockerer Reihung die gesamte Wandung. In einem aufwändigen Verfahren wurden verschiedene Farbglasschichten in warmem Zustand überfangen und nach dem Erkalten des Glases partienweise, in unterschiedlicher Stärke, ausgeschliffen, so dass die jeweils darunterliegende Farbschicht durchscheint. Erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist die feine Gravur auf der Vasenschulter, die sich umlaufend zwischen Blätter und Blüten verteilt. Sie gibt ein Zitat des belgischen Dichters Maurice Maeterlinck (1862–1949) wieder, einem prominenten Vertreter des Symbolismus: „Toutes les âmes sont prêtes, il faut cependant [que] l’une d’elles commence, pourquoi ne pas oser, être l’une qui commence“. Die genaue Botschaft bleibt rätselhaft und der Empfänglichkeit der Betrachter überlassen. Ist unsere Seele die eine bereite Seele, die es wagt zu beginnen?Schöpfer der Vase war Émile Gallé (1846–1904). Mit seinen „vases parlants“, den sprechenden Vasen, verstand er es virtuos, Naturmotive in der Materialsprache des Glases auszudrücken und symbolisch zu überhöhen. Inspirieren ließ er sich dabei von sino-japanischen Vorbildern, darunter chinesischen Glasvasen, von denen sich Beispiele im Berliner Kunstgewerbemuseum befanden. 1885 war Gallé eigens nach Berlin gekommen, um zwei Wochen lang die damals gerade neu erworbenen chinesischen Gläser aus der Sammlung des preußischen Diplomaten Max von Brandt im Kunstgewerbemuseum zu studieren." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 180f.)ClKa