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Geißelung Christi

Ident. Nr.: F 354

ObjID: obj:883040

Details (Expert)

Datierung
1543
Geografische Bezüge
Abmessungen
Durchmesser: 34,7 cm

Objektbeschreibung

Christus steht, umringt von vier mit Ruten und Geißeln auf ihn einschlagenden Schergen, an die Säule eines Altans gefesselt in der Bildachse. Die durch den nach oben gebundenen linken Arm verursachte Krümmung seines Körpers wird durch den hinter ihm stehenden Büttel schmerzhaft verstärkt, der seinen Kopf am Bart noch weiter nach rechts zieht. So ist sein Leib ohnmächtig den Gerichtsdienern preisgegeben, die ihn mit gestelzten Schritten in einem grausamen Tanz umkreisen, während ihre Knuten auf ihn niederprasseln. Der Bildraum ist durch Säulen und Bögen in Vorder- und Hintergrund gegliedert und durch Treppenstufen in Haupt- und Nebenbühne aufgeteilt. Die kleinere links zeigte – auf der verlorenen Scherbe – mit der Vorführung Christi vor Pilatus das der Geißelung vorangehende Ereignis. Rechts im Hintergrund sind zwei Männer zu sehen, die von einem rundbogigen Fenster aus der Peinigung des Erlösers beiwohnen.
Vorlage für die Szene war ein Holzschnitt aus der sog. Großen runden Passion des Jakob Cornelisz van Oostsanen. Mit 23,5 cm Durchmesser entspricht der Holzschnitt genau dem inneren Bildfeld, so dass davon ausgegangen werden kann, dass das Original hinter das Glas gelegt
und kopiert wurde. Die Blätter der Großen Runden Passion des Jakob Cormnelisz van Oostsanen dienten nicht nur anderen Malern als Muster,
sondern wurden auch in verschiedene Medien, u. a. Stickereien und Hinterglasbilder, übertragen. Besonders beliebt waren offenbar die danach ausgeführten Glasmalereien, von denen es – nach den erhaltenen Scheiben zu schließen – mehrere Serien gegeben haben muss. Allein von der Geißelung sind drei weitere Varianten bekannt, insgesamt 36 von den übrigen Szenen der Passion. Es scheinen aber nicht nur Serien, sondern mitunter auch Einzelstücke in Auftrag gegeben worden zu sein, die, wie die Beischrift der Berliner Scheibe deutlich macht, dem Gedächtnis bestimmter Personen gewidmet waren.
Auf dem Schriftband im Rand erscheint umlaufend in spätgotischer Minuskel die Inschrift kyrstgen • Weytz • got • behuyt • yn • fur • vyl • leytz • Anno • d(omi)ni • 1543 •. In der unteren Mitte eingefügt ein Wappenschild mit einer unbekannten Hausmarke. CVMA 98779

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Herkules ist an seinen Attributen, der lorbeerblattumrankten Keule und dem Löwenfell, zu identifizieren. Er wendet den Kopf nach links und nimmt so gewissermaßen Kontakt auf zu seiner weiblichen Pendantfigur, "Venus im Muschelwagen". Im Bestand des Kunstgewerbemuseums sind beide Figuren, in jeweils unterschiedlichen Größen, als weiß glasierte (Herkules, Inv. Nr. DM 8) bzw. staffierte Versionen (Venus, Inv. Nr. O-1990,94) vorhanden.Bei der hier besprochenen Herkulesfigur handelt es sich um ein nur schrühgebranntes Exemplar, das vermutlich wegen der Brandrisse, v.a. am Sockel unterhalb des rechten Fußes, nicht in den Glasurbrand gegeben wurde. Abgesehen vom Scherben ist auch der geringe Größenunterschied zur glasierten Version von nur einem Zentimeter ein Indiz dafür, dass es sich nicht um das Tonmodell handelt, das bei einer Schwindung des Porzellans von 16-22 % größer sein müsste. An der detaillierten, fast überzeichneten Oberflächenmodellierung ist zu erkennen, dass der Entwerfer, Wilhelm Christian Meyer (1726-1786), die Verschleifung der Details durch die Glasur einkalkulierte. Wilhelm Christian war ambitionierter Bildhauer und Schüler seines Bruders Friedrich Elias Meyer (1723/24 - 1785). Letzterer war Modellmeister bei der KPM und holte seinen jüngeren Bruder 1766 an die Berliner Porzellanmanufaktur.Weiterführende Informationen sind zu finden in: Dorothee Heim, Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin (=Bestandskatalog XXVI. des Kunstgewerbemuseums SMB), Berlin, Regensburg 2016, S. 307-309, Kat.Nr. 41; Claudia Kanowski, in: C.Kanowski / L. Lambacher: Tönerne Welten. Figürliche Keramik aus sechs Jahrhunderten. Eine Bestandsaufnahme im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, Sonderdruck aus: Keramos (2015/I), Heft 227, S. 24-27, Abb. S. 26.ClKa