Logo

Faltschale mit dem Gedenkbild zum 200. Jahrestag der Confessio Augustana: Kurfürst Johannes I. von Sachsen und Martin Luther

Ident. Nr.: K 1577

ObjID: obj:883481

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Nürnberger Fayencemanufaktur (1712-1840),
Hersteller*in
Ausführung: Georg Friedrich Grebner,
Fayencemaler
Datierung
1730
Abmessungen
Durchmesser: 35 cm
Höhe: 5 cm

Objektbeschreibung

Runde Schale mit gewelltem Rand, gemalter Dekor in In- und Aufglasurfarben (Blau, Mangan, Gelb, Grün und Schwarz). Im Spiegel ein gerahmtes Medaillon, darin zwei Standfiguren an einem Altar: links Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (1585-1656, Kurfürst 1611) und rechts Martin Luther. Der Kurfürst trägt einen hermelinbesetzten Mantel und eine Krone und hält mit der Rechten das Kurschwert nach oben. Mit der Linken weist er auf die Bibel, die aufgeschlagen auf der linken Seite des Altars liegt und mit der Aufschrift "BIBLIA SACRA" versehen ist. Daneben liegt ein zweites aufgeschlagenes Buch mit der Aufschrift "CONFESSIO AUGUSTANA". Martin Luther trägt einen langen schwarzen Rock und hält in der Rechten eine brennende Kerze über den Altar. Links neben der Kerze ist zu lesen "Johannes Herzog zu Sachsen, Churfürst", rechts: "D.M. Lutherus Der H. Doctor und Professor zu Wittenberg". Oberhalb der Szene steht die Inschrift "Betrachte das Gemähl und schaue was das Jahr, Dir für ein Jubel=Bild in solchem stellt dar. Gott las dein Wort so lang uns reine führen bis in der Seeligkeit wir Ewig Jubiliren. Anno 1730: d. 25. Junÿ". Die Ornamentik des übrigen Spiegelgrundes und des Steigbordes weist mit dem gelben Beschlagwerk Reminiszenzen an die Renaissance auf. Alternierend eingefügt sind jeweils ein Blütenkorb und ein grünes Blattwerkgebilde mit Blüten.
Rückseitig ist die Schale in Mangan signiert: G.F. (Gre)bner. 1730 - (d.) 2. January à (Nürn)berg

Der Dekor verweist auf die zweite Säkularfeier der Confessio Augustana im Jahr 1730. Anlässlich dieses Jubiläums fertigte die Nürnberger Fayencemanufaktur Schalen und Walzenkrüge mit ähnlichen Dekoren. Unmittelbare Vergleichsstücke zu der Schale, ebenfalls signiert von dem damals für die Manufaktur tätigen Fayencemaler Georg Friedrich Grebner († nach 1744), befinden sich in Sèvres, in Liberec (Reichenberg), in New York (Metropolitan Museum) und im Münchener Kunsthandel Peter Vogt. Auf der Rückseite sind unterschiedlich Entstehungsdaten angegeben (2. Januar 1530 / 14. Januar 1530). Silvia Glaser vermutet in ihrem Bestandskataolg von 2017, dass es sich um Bestellungen bei der Manufaktur gehandelt hat. Die Walzenkrüge (Hamburg, Würzburg, Schloss Höchstädt und Londoner Kunsthandel 1989) sind nicht alle von Grebner signiert, jedoch alle mit dem 23. Juni 1730 datiert. Neben Grebner hat auch sein Malerkollege Philipp Conrad Schwab im Jubiläumsjahr Schalen mit dem Reformationsmotiv dekoriert. Das Motiv basiert auf Kupferstichvorlagen und wurde auch in Medaillenform verbreitet.

Lit.: Kat. Berlin 1976 (Kunstgewerbemuseum), Fayencen, S, 76, Nr. 71; Kat. Berlin (Geheimes Staatsarchiv PK / KGM) 2017: Kreuzwege, S. 250-253 (Lothar Lambacher / Mathis Leibetseder); Silvia Glaser: Nürnberger Fayencen, Bestandskatalog GNM Nürnberg 2017, S. 121-124, Abb. 36, und S.166, Abb. 26 (Vgl.)

ClKa

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Rote Kasel mit den Wappen des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

Rote Kasel mit den Wappen des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

Die Kasel im Zuschnitt des 18. Jahrhunderts mit rundem Halsausschnitt und Schlitz ist aus rotem, broschiertem Seidendamast gefertigt und mit nicht zusammengehörigen Besätzen, einem Stab auf der Vorderseite und einem Kreuz auf der Rückseite, geschmückt. Im Zuge der Anpassung an die Form des 18. Jahrhunderts ist die Kasel gekürzt und ringsum mit einer schmalen gelben Seidenborte eingefasst worden. Eine etwas breitere, ähnliche Borte dient als Einfassung von Kreuz und Stab. Zwei unter den Kreuzarmen applizierte runde Wappenschilde weisen die Kasel als eine Stiftung Albrechts von Brandenburg aus. Die Wappen: In einem Kranz aus ineinander geschlungenen Ranken sind rechts die Wappen von Brandenburg (roter Adler), Stettin (roter Greif) und Zollern( Schwarz/Silber geviert) vereint. Die linke Wappenkombination verweist auf die geistlichen Herrschaften des Erzbischofs: Mainz (sechsspeichiges Rad), Magdeburg (Rot/Silber quergeteilt) und Halberstadt (Rot/Silber längsgespalten). Ein Samtbehang im Domschatz von Halberstadt zeigt ebenfalls runde, von Ranken gerahmte Wappen, allerdings steht hier bei den Wappen der geistlichen Herrschaften jenes von Halberstadft an erster Stelle. Dies belegt, dass dieser Behang eine Stiftung Albrechts an Halberstadt war. In Berlin hingegen besetzt das Mainzer Rad die erste Stelle, wodurch die Stiftung für Mainz gesichert ist. Albrecht von Brandenburg war seit 1513 Erzbischof von Magdeburg sowie Administrator des Bistums von Halberstadt und ab 1514 Erzbischof und Kurfürst von Mainz. 1518 erfolgte die Erhebung Albrechts zum Kardinal. Ab diesem Zeitpunkt wurden seine Wappen mit dem Kardinalshut versehen. Dieser fehlt auf unserer Kasel. So dürfen wir annehmen, dass die Stiftung der Kasel zwischen 1514 und 1518 erfolgt. Das Gewebe:Das Muster des prunkvollen Seidengewebes zeigt siebenfach geschweifte Rosetten, darin Granatapfelmotive in einem Blatt- und Blütenkranz. Jede Rosette ist mit Blüten besetzt und wird von einer dreifachen Granatapfelblüte bekrönt. Kielbögen aus abgetreppten Ranken stellen die Verbindung zur darüber angeordneten Rosette her. Zwischen den Kielbögen sitzen Varianten der Granatapfelmotive. Alte Knicke, Brüche und die gestückelte Vorderseite belegen, dass der Damast in Zweitverwendung verarbeitet wurde.Kaselkreuz:Das in der Länge beschnittene Kaselkreuz auf der Rückseite zeigt vor goldfarbenem Grund Christus am Kreuz mit den Trauernden Maria, Johannes Evangelista und darunter Maria Magdalena, die den Kreuzstamm umarmt. Über dem Kruzifixus schwebt in einem Wolkenband segnend Gottvater mit einer Weltkugel, in den Kreuzbalken die Apostel Petrus und Paulus mit ihren Attributen. Der bis nach unten durchgeführte Stamm verbindet die Kreuzigungsszene mit der Darstellung der trauernden Maria Magdalena. Kaselkreuze mit nahezu identischer Ikonographie, doch unterschiedlicher stilistischer und materieller Ausführung sind zahlreich erhalten und bezeugen die weite Verbreitung dieses Typus vom Mittelrhein bis nach Mittel- und Süddeutschland. Kaselstab:Der Stab zeigt in Spiralsonnenrahmen zwei untereinander angeordnete männliche Heilige. Ihre hochrechteckige Form lässt vermuten, dass es sich um ehemalige Besätze eines Chormantels handelt, die durch die Spiralsonnen zur passenden Breite ergänzt wurden. Die Figuren wurden direkt auf den Leinengrund gestickt, ihr schlechter Erhaltungszustand erlaubt keine Zuordnung. Ein schmales rotes Seidenbändchen trennt die Darstellungen. Beide Heilige stehen auf Rasenstücken sowie drei ovalen, grünen Blättern, die die Standfläche hervorheben. Ähnliche goldgerahmte Spitzblätter vor ehemals rotem Fond umgeben den unteren Heiligen, während der obere Heilige von Ranken mit fünfblättrigen Rosenblüten hinter fangen wird.Provenienz:Die Kasel wurde vor 1888 auf Anordnung des Kronprinzen Friedrich III aus der katholischen Kirche zu Weinolsheim, Rheinhessen für das Hohenzollernmuseum in Berlin erworben. Ehemals zugehörig waren: Stola, Manipel, Velum und Bursa. Einzig das Velum ist heute noch erhalten, alle anderen Teile müssen als Kriegsverlust gewertet werden. CWVeröffentlicht in: Kreuzwege. Die Hohenzollern und die Konfessionen 1517-1740. Ausstellungskatalog Berlin 2017. Hrsg: Mathis Leibetseder.