Logo

Deckeldose mit Rubinglasbesatz

Ident. Nr.: K 1179

ObjID: obj:885088

Details (Expert)

Beteiligte
Zuschreibung unsicher: Zechliner Glashütte (1737–1890),
Glashütte
Datierung
Ausführung: 1750-1800
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 4,2 x 8 x 6 cm

Objektbeschreibung

Rechteckiges, niedriges Kästchen aus Silber mit einem Scharnierdeckel, den Boden, die vier Seiten und die Deckeloberseite bedecken rechteckige Rubinglasplatten. Während die Platte auf dem Deckel plangeschliffen sowie poliert ist, sind die Seitenwandungen und die Bodenplatte mit einem symmetrischen Dekor aus pyramidalen, flachen Buckeln strukturiert, an den sogenannten Brilliant- bzw. Steinelschliff erinnernd. Allerdings dürfte es sich angesichts der weichen Übergänge dabei um den Abdruck einer entsprechend gestalteten reliefierten Form handeln. Die Silberrahmung dieser Platten ist mit einem alternierenden Dekor aus Parallellinien ziseliert. Innen ist das Silber vergoldet und mit Platten aus farblosem Glas belegt, die auf der Rückseite ebenfalls mit dem Steinelschliff-Abdruck dekoriert sind. Diese Dose stammt aus der Königlichen Kunstkammer, Berlin. Ihre Herkunft ist nicht dokumentiert, aufgrund der Verwendung von Rubinglas ist Böhmen wahrscheinlich, die Zechliner Hütte könnte ebenso verantwortlich zeichnen. [Verena Wasmuth]
MAKR

Letzte Aktualisierung: 13.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Terrine in Form eines Kohlkopfs

Terrine in Form eines Kohlkopfs

"Die in Gelb, Manganviolett und Grün bemalte Fayenceterrine lässt erst auf den zweiten Blick erkennen, dass sie als solche wirklich verwendbar ist: Sie besteht aus zwei Teilen, einem Korpus und einem Deckel. In größtmöglichem Naturalismus wurde ein Weißkohlkopf nachgebildet. Die einzelnen Blätter und Adern sind plastisch geformt. Den Deckelknauf bildet eine Frucht, wohl eine Eichel. Terrinen in Kohlkopfform oder auch als Wildschweinköpfe gestaltet, Pastetendosen in Form von Rebhühnern, Fasanen oder Kaninchen und Butterdosen in Melonenform finden sich auf den gedeckten Tafeln der Barock- und Rokokozeit in großer Vielfalt. Immer sind sie detailreich modelliert und täuschend echt bemalt. Da das exklusive Porzellan im 18. Jahrhundert noch den fürstlichen Auftraggebern vorbehalten war, stellte Fayence eine beliebte Alternative für weitere Kreise der Aristokratie und des betuchten Bürgertums dar.In ganz Europa orientierte man sich bei der gedeckten Tafel am französischen Vorbild, dem 'service à la française'. In Versailles sah das höfische Zeremoniell seit Ludwig XIV. eine Trennung zwischen der Tafel der Hauptgerichte aus symmetrisch angeordneten Terrinen und Platten und der figürlich gestalteten Desserttafel vor. Zum 'premier service' gehörten Ragouts, Pasteten und die 'Pot à oille', ein Eintopf aus in der Brühe gegartem Fleisch und Gemüse. Auch die Kohlkopfterrinen fanden hier ihre Aufstellung. Zugleich spiegelt sich in den illusionistisch gestalteten, tierförmigen Gefäßen die aufs Mittelalter zurückgehende Tradition der Schaugerichte wider.Die 1763 gegründete schlesische Fayencemanufaktur in Proskau nahm sich in der Anfangszeit Modelle der Straßburger Fayencemanufaktur zum Vorbild, zu deren charakteristischen Produkten auch Kohlkopfterrinen zählten." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 139)Marke: P (Unterseite, in Mangan aufgemalt)ClKa

Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."