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Deckelpokal mit Flusslandschaft

Ident. Nr.: 1913,74 a,b

ObjID: obj:886774

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Potsdamer Glashütte (1674–1736),
Glashütte
Datierung
Ausführung: 1680-1700
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe: 29,4 cm
Höhe: 20,3 cm (Pokal)
Höhe: 10,2 cm (Deckel)
Durchmesser: 11,3 cm (Fuß)
Durchmesser: 10,5 cm (Mündung)
Wandstärke: 0,4 cm

Objektbeschreibung

Trichterpokal mit zugehörigem Deckel aus farblosem, sehr reinem Glas, Abriss am Boden, auf der Oberseite des flach ansteigenden Tellerfußes mit verwärmtem Rand ein feingeschnittener Kranz aus Blattranken um einen versenkten Rundbogenfries. Der horizontal stark profilierte Schaft ist aus einem massiven Baluster mit stehenden Oliven zwischen zwei Ringscheiben aufgebaut. Am Ansatz der trichterförmigen Kuppa wiederholt sich der geschälte Olivendekor, die Wandung zeigt umlaufend eine mattgeschnittene sowie diamantgerissene Darstellung einer sonnenbeschienenen Flusslandschaft mit Bäumen, Häusern, Anglern und einem Boot. Den Rand der Mündung sowie des Deckels ziert die für den Potsdamer Glasschnitt charakteristische geblänkte Kugelborte. Der gewölbte Deckel ist mit einem auskragenden Auflagerand versehen, seine Wandung mit einer weiteren friesartigen Szene dekoriert, Wanderer in einer hügeligen Landschaft mit Wegkreuz. Der massive Deckelknauf über einer Trommelscheibe greift erneut den sechsfachen Olivenschliff von Schaft und Kuppaansatz auf. Zahlreiche Trichterpokale des ausgehenden 17. Jahrhunderts aus Potsdamer Produktion sind überliefert, jedoch besitzen sie in der Regel keinen Deckel und die Qualität ihrer Veredelung ist deutlich einfacher. Zudem weist dieser Deckelpokal eine weitere Besonderheit auf: Sowohl der diamantgerissene Dekor als auch der auskragende Deckelrand sind ungewöhnlich für Gläser aus Potsdam. In der brandenburgisch-preußischen Hofmanufaktur waren zahlreiche Immigranten tätig und auch unter den Glasschneidern gab es viele Zugezogene, deren Herkunftsort nicht immer dokumentiert ist. Unterschiedlichste Einflüsse aus anderen Glasmacherregionen haben sich dort vereint. Die Flusslandschaft auf diesem Deckelpokal erinnert beispielsweise an überlieferte Beispiele aus Nürnberg, wie auch die zarte Ranke am Fuß. Der geschälte Olivenschliff war in Böhmen verbreitet, der Diamantriss typisch für niederländische Gläser der Barockzeit. Robert Schmidt bildete diesen Pokal 1914 in seinem Standardwerk zur gleichnamigen Ausstellung "Brandenburgische Gläser" ab. [Verena Wasmuth]
MAKR

Letzte Aktualisierung: 22.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

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Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."

Les Iris ("Toutes les âmes sont prêtes...")

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"Je nach Lichteinfall entwickelt die Vase ganz unterschiedliche Farbwirkungen, die von glühendem Orange-Rot über tiefdunkles Violett bis hin zu bernsteinfarbenen Brauntönen reichen. Iris- bzw. Schwertlilienpflanzen überziehen in asymmetrischer, lockerer Reihung die gesamte Wandung. In einem aufwändigen Verfahren wurden verschiedene Farbglasschichten in warmem Zustand überfangen und nach dem Erkalten des Glases partienweise, in unterschiedlicher Stärke, ausgeschliffen, so dass die jeweils darunterliegende Farbschicht durchscheint. Erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist die feine Gravur auf der Vasenschulter, die sich umlaufend zwischen Blätter und Blüten verteilt. Sie gibt ein Zitat des belgischen Dichters Maurice Maeterlinck (1862–1949) wieder, einem prominenten Vertreter des Symbolismus: „Toutes les âmes sont prêtes, il faut cependant [que] l’une d’elles commence, pourquoi ne pas oser, être l’une qui commence“. Die genaue Botschaft bleibt rätselhaft und der Empfänglichkeit der Betrachter überlassen. Ist unsere Seele die eine bereite Seele, die es wagt zu beginnen?Schöpfer der Vase war Émile Gallé (1846–1904). Mit seinen „vases parlants“, den sprechenden Vasen, verstand er es virtuos, Naturmotive in der Materialsprache des Glases auszudrücken und symbolisch zu überhöhen. Inspirieren ließ er sich dabei von sino-japanischen Vorbildern, darunter chinesischen Glasvasen, von denen sich Beispiele im Berliner Kunstgewerbemuseum befanden. 1885 war Gallé eigens nach Berlin gekommen, um zwei Wochen lang die damals gerade neu erworbenen chinesischen Gläser aus der Sammlung des preußischen Diplomaten Max von Brandt im Kunstgewerbemuseum zu studieren." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 180f.)ClKa