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Fußbecher mit Darstellungen aus der Schöpfungsgeschichte

Ident. Nr.: 1935,51

ObjID: obj:887102

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Venezianische Glaswerkstatt,
Werkstatt
Datierung
um 1490
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Venedig
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 18,6 x 8,8 cm

Objektbeschreibung

Die leicht konische Kuppa aus tiefblauem Kobaltglas ist mit fünf Szenen aus der biblischen Schöpfungsgeschichte bemalt: In einer Küstenlandschaft ist die Erschaffung der Eva aus der Rippe Adams (Gen 2,21–23) dargestellt, daneben erscheinen in einem Rundrahmen Adam und Eva am Baum der Erkenntnis (Gen 3,1–7), gefolgt von der Szene der Vertreibung aus dem Paradies (Gen 3,23–24), die unter einem spitzbogigen Himmelsgewölbe spielt. Das nächste Rundbild zeigt Adam und Eva bekleidet und mit Grabstock und Spinnrocken in den Händen, den Werkzeugen ihres mühevollen irdischen Schaffens (Gen 3,16–19). Zwischen den beiden erscheinen ihre Söhne Kain und Abel. Den Abschluss des Zyklus bildet die Szene der Ermordung Abels durch seinen Bruder Kain (Gen 4,1–8) unmittelbar über der Darstellung der Erschaffung der Eva. Die bildräumliche Vereinigung von Schöpfungsakt und Brudermord verdichtet die Kernaussage der Bildfolge auf besonders eindringliche Weise.
Holzschnitte in zwei illustrierten Bibeln, die 1490 in Venedig und 1493 in Monteferrato erschienen sind, zeigen diese beiden Szenen in ganz ähnlicher Komposition und gleicher Figurensprache. Sie geben einen Hinweis auf die Entstehungszeit des kostbaren Fußbechers. Emailmaler benutzten häufig zeitgenössische druckgrafische Vorlagen für ihre Darstellungen. Die zwischen 1440 und 1520 in Venedig besonders florierende Kunst der Emailmalerei auf Glas zeigt, dass farblose Klarheit und kunstvolle Dünnwandigkeit damals noch nicht als die einzig erstrebenswerten Qualitäten des Materials galten. Vielmehr wirkte offenbar die aus dem Mittelalter stammende Vorstellung von farbigem Glas als Edelsteinersatz fort. Es ist bezeichnend, dass für die Ausführung der Malereien nicht etwa die Glashersteller, sondern spezialisierte Emailmaler verantwortlich waren. LL

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Fußschale mit eingeschmolzenen Glaskröseln

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Flache Schale aus Glas, das zwischen zwei farblosen Schichten eine Schicht opakblauer, opakroter und milchblauer Glaskrösel einschließt, der angeschmolzene Hohlfuß aus farblosem Glas, dessen Fußrand ist breit nach unten umgeschlagen, kräftiger Abriss, die Schalenfahne ist abgeflacht und der Mündungsrand verwärmt. Lediglich am Rand sind noch vereinzelt Reste einer ehemals vorhandenen Vergoldung erkennbar. Die Fußschale ist ein seltenes Beispiel der frühen Luxusglasproduktion in Brandenburg. Das Grüne Gewölbe in Dresden verwahrt einen Pokal aus der gleichen Glasmasse mit einer eingeschmolzenen Schicht aus farbigen Kröseln (Inv. Nr. IV 206; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 7, 8; Taf. 1.1+3). Er ist mit der Jahreszahl 1602 versehen und ermöglicht so eine präzise Datierung auch der Schale. Robert Schmidt erwähnt in seinem Standardwerk "Brandenburgische Gläser" von 1914: "Solche marmorierte Schalen haben sich nun in mehreren Exemplaren erhalten, und zwar ein unbemaltes im Berliner Kunstgewerbemuseum, und zwei bemalte, ebenda (Tafel 1 Mitte) und im Fürstlich Hohenzollernschen Museum zu Sigmaringen." Letztere gelangte später in die Sammlung des Museums für Kunsthandwerk in Frankfurt a. M. (Ohm, Europäisches und außereuropäisches Glas, 1989, Kat. 342, S. 152). Ein weiteres Pendant soll sich – so Schmidt – in der Sammlung Minutoli befunden haben und aus der Berliner Schlosskellerei stammen (ebenda, S. 8). Tatsächlich ist diese identisch mit der hier beschriebenen Schale. Das Kunstgewerbemuseum bekam sie 1873 überwiesen, nachdem sie das Königliche Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten 1869 erworben hatte. Schmidt bildete die bemalte Berliner Schale ab (Inv.-Nr. 1893,65; Kriegsverlust; ebenda 1914, S. 7, 8; Taf. 1.2). Im Zentrum trug sie das brandenburgische Wappen mit preußischem Herzschild "in Gold und kalten Lackfarben", so der Begleittext. Gut erkennbar auf der Schwarz-Weiß-Abbildung ist der Randfries aus "Ovalfeldern mit goldenen Blüten auf abwechselnd rotem und grünem Grund". Da die hier beschriebene Schale eine abweichende Anordnung der Krösel aufweist, muss sie die von Schmidt als "unbemaltes" Exemplar bezeichnete sein. Da die zarten Spuren der Vergoldung am Schalenrand lediglich bei genauem Hinsehen erkennbar sind, hat er sie übersehen. Bereits der Inventareintrag der Minutoli-Schale erwähnt keine Veredelung – deren Verlust datiert demnach bereits vor 1869. Das Verfahren der eingeschmolzenen Krösel, das zu der attraktiven Marmorierung führt, wurde von Muraneser Glashütten entwickelt. Ebenfalls die Schalenform ist mit und ohne Kaltbemalung und Vergoldung seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts für venezianische Gläser dokumentiert (Theuerkauff-Liederwald, Venezianisches Glas, 1994, Kat. 42–45, 52, 62). Verantwortlich für diese raffinierten Techniken in Grimnitz waren Glasmacher aus dem böhmischen Kreibitz unter der Leitung von Martin Friedrich (Mock, Glashütten Grimnitz, 2021; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 1–8). Ein Verzeichnis der Glashütte vom 5. Juni 1602 listet unter zahlreichen anderen exklusiven Waren "27 gemarmoliertte schalenn" (Schmidt, S. 5). [Manuela Krüger/Verena Wasmuth]MAKR