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Koppchen mit Schnittdekor

Ident. Nr.: O-1957,22

ObjID: obj:894900

Details (Expert)

Beteiligte
Zuschreibung unsicher: Potsdamer Glashütte (1674–1736),
Glashütte
Datierung
Ausführung: um 1700
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 5,1 x 6,5 cm
Wandungsstärke: 0,35 cm

Objektbeschreibung

Henkellose Tasse aus dickwandigem Rubinglas, vermutlich Goldrubinglas, mit vergleichsweise breiter Standfläche, Abrissnarbe am etwas eingedrückten Boden. Die konvex ansteigende und zum Rand hin leicht ausschwingende Wandung ist in Tiefschnitt mit einer umlaufenden Landschaftsszene dekoriert, darauf erkennbar ist ein Wanderer mit Stock und Hut, ein Schlagbaum sowie eine Burg auf einem Felsen, Mündungsrand verwärmt. Die fortgeschrittene Glaskrankheit macht die Oberfläche spröde und die Schlieren in der Glasmasse sichtbar. Repräsentatives Service kam mit der Mode des Teetrinkens in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf. Jedoch sind nur wenige Koppchen und Unterschalen aus Rubinglas mit Schnittdekor überliefert, davon einige mit Blütenmarke am Boden oder einer Montierung (Kerssenbrock-Krosigk, Rubinglas, 2001, Kat. 378–391; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Abb. 25, S. 78). Häufiger sind Exemplare ohne Dekor. Die Potsdamer Glasmanufaktur stellte derartige Stücke in der Zeit um 1700 her, wie auch eine süddeutsche Hütte (vgl. Poser, Koppchen, 2006; Kerssenbrock-Krosigk, Rubinglas, 2001, S. 117f. und 242f.; Klesse/Saldern, 500 Jahre Glaskunst, 1978, Kat. 103, S. 165). Zugehörig ist ein Pendant (Inv.-Nr. O-1957,23). [Verena Wasmuth]
MAKR

Letzte Aktualisierung: 13.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Les Iris ("Toutes les âmes sont prêtes...")

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"Je nach Lichteinfall entwickelt die Vase ganz unterschiedliche Farbwirkungen, die von glühendem Orange-Rot über tiefdunkles Violett bis hin zu bernsteinfarbenen Brauntönen reichen. Iris- bzw. Schwertlilienpflanzen überziehen in asymmetrischer, lockerer Reihung die gesamte Wandung. In einem aufwändigen Verfahren wurden verschiedene Farbglasschichten in warmem Zustand überfangen und nach dem Erkalten des Glases partienweise, in unterschiedlicher Stärke, ausgeschliffen, so dass die jeweils darunterliegende Farbschicht durchscheint. Erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist die feine Gravur auf der Vasenschulter, die sich umlaufend zwischen Blätter und Blüten verteilt. Sie gibt ein Zitat des belgischen Dichters Maurice Maeterlinck (1862–1949) wieder, einem prominenten Vertreter des Symbolismus: „Toutes les âmes sont prêtes, il faut cependant [que] l’une d’elles commence, pourquoi ne pas oser, être l’une qui commence“. Die genaue Botschaft bleibt rätselhaft und der Empfänglichkeit der Betrachter überlassen. Ist unsere Seele die eine bereite Seele, die es wagt zu beginnen?Schöpfer der Vase war Émile Gallé (1846–1904). Mit seinen „vases parlants“, den sprechenden Vasen, verstand er es virtuos, Naturmotive in der Materialsprache des Glases auszudrücken und symbolisch zu überhöhen. Inspirieren ließ er sich dabei von sino-japanischen Vorbildern, darunter chinesischen Glasvasen, von denen sich Beispiele im Berliner Kunstgewerbemuseum befanden. 1885 war Gallé eigens nach Berlin gekommen, um zwei Wochen lang die damals gerade neu erworbenen chinesischen Gläser aus der Sammlung des preußischen Diplomaten Max von Brandt im Kunstgewerbemuseum zu studieren." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 180f.)ClKa