Flöte mit Brustbild Friedrich Wilhelms I.
Ident. Nr.: 1935,40
ObjID: obj:898131
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- Ausführung: 1730-1735
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Glas in Hilfsmodel geblasen, geformt, geschliffen, geschnitten
- Abmessungen
- Höhe: 28 cmDurchmesser: 9,2 cm (Fuß)Durchmesser: 6,4 cm (Mündung)Wandstärke: 0,2 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/898131
Objektbeschreibung
Zarte Flöte aus farblosem Glas, kleiner Abriss, breiter. leicht
ansteigender Fuß, angesetzt ein massiver Balusterschaft zwischen
Ringscheiben und eine sich konisch weitende, sehr hohe Kuppa. Deren
Wandung ist mit dem geschnittenen Profilbildnis von König Friedrich
Wilhelm I. in einem bekrönten Medaillon dekoriert, gerahmt von reichem
Rollwerk mit Netzwerkdekor, dahinter Kriegstrophäen, der Mündungsrand
ist verwärmt.
Die Darstellung des sogenannten "Soldatenkönigs" geht auf eine Münze des
Berliner Medailleurs Friedrich Marl von 1715 zurück (vgl.
Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 55, S. 121f.; Baumgärtner,
Porträtgläser, 1981, S. 17, 23). Stereotypische Merkmale seiner frühen
Regierungsjahre wie der lange Perückenzopf, das eingedrehte
Schulterstück der Rüstung und Ansätze eines Doppelkinns sind deutlich
erkennbar.
Bei diesem Flötenglas handelt es sich um jenes, welches Robert Schmidt
1914 in seinem Standardwerk "Brandenburgische Gläser" abbildet und das
sich damals im Besitz von Prinz Friedrich Heinrich von Preußen
(1874–1940) befand. Einige was größere Exemplare mit sehr ähnlichem
Dekor – zudem vergoldet – verwahren die Kunstsammlungen Weimar und die
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Wasmuth,
Flötengläser 2022, Abb. 4, S. 502; Hörning, Gläser, 1978, Kat. 100). Die
Gruppe dürfte in der Werkstatt ein und desselben Glasschneiders
zwischen 1730 und 1735 nach sächsischen Vorbildern entstanden sein.
Sicherlich wurde aus ihnen stiller (Rot-)Wein und kein Champagner
getrunken, der erst in den 1750er Jahren in größeren Mengen nach Preußen
importiert wurde. Für moussierenden Wein verwendete man in Preußen noch
bis ins Ende des 18. Jahrhunderts Pokale oder Kelche mit einer
ausgestellten Kuppa. [Verena Wasmuth]
MAKR
Letzte Aktualisierung: 22.06.2026
Kontakt
Einrichtung:
Kunstgewerbemuseum
E-Mail:
kgm@smb.spk-berlin.de