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"Paradeisgartl"

Ident. Nr.: W-1986,3

ObjID: obj:899392

Details (Expert)

Beteiligte
Entwurf: Dagobert Peche (1887 - 1923)
Bestellung: Wiener Werkstätten (1903 - 1932)
Ausführung: Tapetenschmidt
Datierung
1914
Abmessungen
Länge x Breite: 250 x 50,5 cm
Höhe x Breite: Rapport 60 x 47,5 cm

Objektbeschreibung

Die Wiener Werkstätten waren 1903 als Gemeinschaft von Künstlern und Handwerkern unter der künstlerischen Leitung von Josef Hoffmann und Kolomann Moser gegründet worden. Ihr erklärtes Ziel war es, alle Lebensbereiche unter der Prämisse von Eleganz, Sachlichkeit und Angemessenheit der Mittel künstlerisch zu durchdringen. Die Gestaltungsweise war anfangs vom geometrisierenden Stil Josef Hoffmanns und Koloman Mosers beherrscht. Doch die Formensprache änderte sich nicht zuletzt durch die Arbeiten Dagobert Peches (1887-1923), der ab 1911 für die Wiener Werkstätte entwarf. Seine phantasievoll-phantastischen Zierformen leiteten den entscheidender Wandel weg vom zweckbestimmten Design ein.

Erste Schritte in die neue Richtung waren bereits ab 1910 bei der Stoffproduktion der Wiener Werkstätten unter Eduard Wimmer-Wisgrill ablesbar, deren Dessins später ebenso auf Tapete übertragen wurden. 1913 stellte die Werkstätten in der umfangreichen „Ausstellung der Tapeten- und Linkrusta-Industrie“ im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie ihre erste Tapetenkollektion vor, zu der unter anderem Dagobert Peche seine Entwürfe präsentierte. Ein Jahr später erregte Peche besondere Aufmerksamkeit mit seinem Repräsentationsraum im von Josef Hoffmann entworfenen österreichischen Haus bei der „Deutsche Werkbundausstellung“ im Köln. Die überhohen Wände und der Plafond waren mit der Tapete Paradeisgartl ausgeschlagen. Die Tapete mit dem locker verteilten kleinen Blütenformen, die wie mit der Hand gestempelt wirken, stand im Gegensatz zu der dichtgemusterten Auslegeware des Fußbodens. Bei der Ausstellung wurde auch das Innenraumkonzept der Wiener Werkstätten deutlich, starkmustrigen Tapeten mit passenden Textilien zu kombinieren. Ohne Anlehnung an überlieferte Stile hatte Peche eine eigene, bizarr stilisierte Welt geschaffen, die sich durch seinen frühen Tod 1923 ein jähes Ende fand. STh

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Rote Kasel mit den Wappen des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

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Die Kasel im Zuschnitt des 18. Jahrhunderts mit rundem Halsausschnitt und Schlitz ist aus rotem, broschiertem Seidendamast gefertigt und mit nicht zusammengehörigen Besätzen, einem Stab auf der Vorderseite und einem Kreuz auf der Rückseite, geschmückt. Im Zuge der Anpassung an die Form des 18. Jahrhunderts ist die Kasel gekürzt und ringsum mit einer schmalen gelben Seidenborte eingefasst worden. Eine etwas breitere, ähnliche Borte dient als Einfassung von Kreuz und Stab. Zwei unter den Kreuzarmen applizierte runde Wappenschilde weisen die Kasel als eine Stiftung Albrechts von Brandenburg aus. Die Wappen: In einem Kranz aus ineinander geschlungenen Ranken sind rechts die Wappen von Brandenburg (roter Adler), Stettin (roter Greif) und Zollern( Schwarz/Silber geviert) vereint. Die linke Wappenkombination verweist auf die geistlichen Herrschaften des Erzbischofs: Mainz (sechsspeichiges Rad), Magdeburg (Rot/Silber quergeteilt) und Halberstadt (Rot/Silber längsgespalten). Ein Samtbehang im Domschatz von Halberstadt zeigt ebenfalls runde, von Ranken gerahmte Wappen, allerdings steht hier bei den Wappen der geistlichen Herrschaften jenes von Halberstadft an erster Stelle. Dies belegt, dass dieser Behang eine Stiftung Albrechts an Halberstadt war. In Berlin hingegen besetzt das Mainzer Rad die erste Stelle, wodurch die Stiftung für Mainz gesichert ist. Albrecht von Brandenburg war seit 1513 Erzbischof von Magdeburg sowie Administrator des Bistums von Halberstadt und ab 1514 Erzbischof und Kurfürst von Mainz. 1518 erfolgte die Erhebung Albrechts zum Kardinal. Ab diesem Zeitpunkt wurden seine Wappen mit dem Kardinalshut versehen. Dieser fehlt auf unserer Kasel. So dürfen wir annehmen, dass die Stiftung der Kasel zwischen 1514 und 1518 erfolgt. Das Gewebe:Das Muster des prunkvollen Seidengewebes zeigt siebenfach geschweifte Rosetten, darin Granatapfelmotive in einem Blatt- und Blütenkranz. Jede Rosette ist mit Blüten besetzt und wird von einer dreifachen Granatapfelblüte bekrönt. Kielbögen aus abgetreppten Ranken stellen die Verbindung zur darüber angeordneten Rosette her. Zwischen den Kielbögen sitzen Varianten der Granatapfelmotive. Alte Knicke, Brüche und die gestückelte Vorderseite belegen, dass der Damast in Zweitverwendung verarbeitet wurde.Kaselkreuz:Das in der Länge beschnittene Kaselkreuz auf der Rückseite zeigt vor goldfarbenem Grund Christus am Kreuz mit den Trauernden Maria, Johannes Evangelista und darunter Maria Magdalena, die den Kreuzstamm umarmt. Über dem Kruzifixus schwebt in einem Wolkenband segnend Gottvater mit einer Weltkugel, in den Kreuzbalken die Apostel Petrus und Paulus mit ihren Attributen. Der bis nach unten durchgeführte Stamm verbindet die Kreuzigungsszene mit der Darstellung der trauernden Maria Magdalena. Kaselkreuze mit nahezu identischer Ikonographie, doch unterschiedlicher stilistischer und materieller Ausführung sind zahlreich erhalten und bezeugen die weite Verbreitung dieses Typus vom Mittelrhein bis nach Mittel- und Süddeutschland. Kaselstab:Der Stab zeigt in Spiralsonnenrahmen zwei untereinander angeordnete männliche Heilige. Ihre hochrechteckige Form lässt vermuten, dass es sich um ehemalige Besätze eines Chormantels handelt, die durch die Spiralsonnen zur passenden Breite ergänzt wurden. Die Figuren wurden direkt auf den Leinengrund gestickt, ihr schlechter Erhaltungszustand erlaubt keine Zuordnung. Ein schmales rotes Seidenbändchen trennt die Darstellungen. Beide Heilige stehen auf Rasenstücken sowie drei ovalen, grünen Blättern, die die Standfläche hervorheben. Ähnliche goldgerahmte Spitzblätter vor ehemals rotem Fond umgeben den unteren Heiligen, während der obere Heilige von Ranken mit fünfblättrigen Rosenblüten hinter fangen wird.Provenienz:Die Kasel wurde vor 1888 auf Anordnung des Kronprinzen Friedrich III aus der katholischen Kirche zu Weinolsheim, Rheinhessen für das Hohenzollernmuseum in Berlin erworben. Ehemals zugehörig waren: Stola, Manipel, Velum und Bursa. Einzig das Velum ist heute noch erhalten, alle anderen Teile müssen als Kriegsverlust gewertet werden. CWVeröffentlicht in: Kreuzwege. Die Hohenzollern und die Konfessionen 1517-1740. Ausstellungskatalog Berlin 2017. Hrsg: Mathis Leibetseder.