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Federmesser, angeblich aus dem Besitz von Johannes Calvin

Ident. Nr.: K 4931

ObjID: obj:906514

Details (Expert)

Datierung
1584
Abmessungen
Länge x Breite x Tiefe: 19,7 x 2,2 x 1,9 cm

Objektbeschreibung

Aus der Berliner Kunstkammer der Hohenzollern stammt ein zum Schneiden der Gänsekiele verwendetes Federmesser, das angeblich vom Reformator Johannes Calvin (1509–1564) benutzt worden sein soll. Sein Griff wird durch eine lang gewandete stehende Frauenfigur aus Elfenbein gebildet, die eine Tafel mit den Buchstaben „α“ und „ω“ hält und deren linkes Bein demonstrativ unverhüllt ist. Auf der zugehörigen, heute nicht mehr vorhandenen Scheide war die „erste Scene der Apokalypse“, die Aussendung der Sieben Sendschreiben (Offb 1,4–3,22), dargestellt, ein Thema also, das sehr gut als Bildschmuck für das Schreibinstrument eines Theologen geeignet erscheint. Die angeblich ebenfalls auf der verlorenen Scheide befindliche Datierung 1584 steht freilich im Widerspruch zur Überlieferung des vermeintlichen Gebrauchs des Federmessers durch den bereits 1564 in Genf verstorbenen Calvin. Unabhängig von der Authentizität der Herkunft aus dem Besitz des Reformators ist es durchaus bezeichnend, dass eine solche Memorabilie ausgerechnet in der Kunstkammer der seit 1613 reformierten brandenburgischen Hohenzollern überliefert wurde, wo sie erstmals im Inventar von 1688 nachweisbar ist.
Lothar Lambacher

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa