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Brotteller mit Motto "Waste not Want not" und Dekorbändern

Ident. Nr.: 1995,35

ObjID: obj:906770

Details (Expert)

Beteiligte
Entwurf: Augustus Northmore Welby Pugin (1812-1852),
Designer*in
Ausführung: Minton & Co (1793/96-1968),
Hersteller*in
Datierung
Ausführung: um 1849
Geografische Bezüge
Entstehungsort: Stoke-on-Trent

Objektbeschreibung

Runder Teller, Spiegel in der Mitte mit verschiedenen, in einen Kreis geschlossenen Dekorbändern verziert, von deren äußerem Rand acht radial abstehende Kornähren ausgehen. Der Spiegelrand ist mit einem weiteren Dekorrand abgesetzt. Auf dem Tellerrand ist ein erhabener, umlaufender Schriftzug in gotisierenden Lettern "Waste not Wand not" aufgebracht, dazwischen befinden sich Rosetten. Der Dekor besteht aus drei Keramikfarben: Blau, Beige, Dunkelrot // Augustus Welby Northmore Pugin war Architekt und Gestalter. Er zählt zu den führenden Vertretern der Neogotik in Großbritannien. Ihm ging es um die Wiederbelebung und Neuinterpretation mittelalterlicher Vorbilder. Im Rahmen von Aufträgen für die Ergänzung historischer Fußböden war es in den 1840er-Jahren zur Zusammenarbeit mit der keramischen Manufaktur Minton & Co. in Stoke-on-Trent gekommen. Minton war auf Baukeramik spezialisiert und hatte die mittelalterliche Technik der Einlegearbeit bei Fliesen wieder aufgegriffen ("inlaid / encaustic tiles"). Dabei werden mehrere, verschiedenfarbige Keramikmassen ineinandergefügt. Pugin lieferte Entwürfe für Fliesen, aber auch für diesen Teller, der sich großer Beliebtheit erfreute. Er wurde in drei Farben (wie hier), aber auch in sechs Farben ausgeführt und war erstmals 1849 auf der "Exhibition of British Manufacturers" ausgestellt. Auf der Londoner Weltausstellung 1851 war er in einer weiteren Variante in Majolika zu sehen, ausgestellt in Pugins neumittelalterlichem "Medieval Court". // Das Sprichwort „Waste not, want not“ findet seinen Ursprung im England des 16. Jahrhunderts und ruft moralisierend dazu auf, schonend mit Ressourcen umzugehen. Auf der Fahne eines bürgerlichen Brottellers angebracht, mahnt die Inschrift im Speziellen vor übermäßigem Konsum von Lebensmitteln, um Mangel zu vermeiden und nimmt damit konkret Bezug auf die sog. Hungry Forties in den 1840er Jahren, in denen in England u.a. durch Getreidemissernten starke Nahrungsmittelknappheit herrschte. Weitere Exemplare des Tellers befinden sich im Londoner Victoria & Albert Museum und im New Yorker Metropolitan Museum. // Lit.: Katalog Kunstgewerbemuseum Berlin (Barbara Mundt): Architekten als Designer. Beispiele aus Berlin, Berlin 1998, S. 18, Kat. Nr. 11 // C.Kanowski/A.-K. Illmann

Letzte Aktualisierung: 06.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa