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Der Regensburger Dombaumeister Matthäus Roritzer

Ident. Nr.: KdZ 5008

ObjID: obj:951725

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Hans Holbein (der Ältere) (ca. 1460 - ca. 1524),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1490 - 1495
Systematik/Art
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Augsburg (Deutschland),
Stadt
Provenienz
August Grahl (1791-1868),
316147
Adolf von Beckerath (1834-1915),
bis 1902
Abmessungen
Höhe x Breite: 12,4 x 9,4 cm
Erwerbung
1902 mit der Sammlung Adolf von Beckerath, Berlin, erworben

Objektbeschreibung

Das Porträt des Regensburger Dombaumeisters Matthäus Roritzer gehört zu den frühesten erhaltenen Silberstiftbildnissen Hans Holbeins des Älteren. Es zeigt ein Mitglied einer der großen Baumeisterdynastien des 15. Jahrhunderts, die vor allem mit dem Bau des Regensburger Doms verbunden war. Matthäus Roritzer wirkte von 1462 bis 1466, zunächst als Steinmetz, bald aber schon als Parlier an St. Lorenz in Nürnberg. 1468 war als Mitarbeiter Hans Böblingers in Eßlingen, 1472 empfahl ihn sein Vater Conrad Roritzer dem Rat von Eger als Entwerfer und Konstrukteur der Kirche St. Nikolai. Im Jahr darauf wurde er Meistersteinmetz am Eichstätter Dom und technischer Berater beim Bau der Münchner Frauenkirche. 1476 in Regensburger Bürgerschaft aufgenommen, bekleidete er von 1478 bis 1492, möglicherweise aber bis 1495, das Amt des Dombaumeisters. In diesem Jahr übernahm sein jüngerer Bruder Wolfgang in das Amt des Regensburger „Thummeisters“. Matthäus war vermutlich gestorben.
Parallel zu seinen Aufgaben als Baumeister betätigte sich Matthäus Roritzer als Autor und Drucker bzw. Verleger. 1486 edierte er sein „Büchlein von der Fialen Gerechtigkeit“, den ersten deutschsprachigen Architekturtraktat. Bald darauf folgte die „Geometria deutsch“, eine Anleitung zur Konstruktion und Berechnung geometrischer Formen, die noch Albrecht Dürer hilfreich war.

Es wurde vermutet, die Zeichnung sei nach einem unbekannten Bildnis des Baumeisters angefertigt worden. Gleichwohl vermittelt der unprätentiöse Charakter des markanten Antlitzes des ernsten Mannes mit schmalem Mund und kräftigem Kinn, hochgezogenen Brauen, in Falten gelegter Stirn unter der Mütze und fest fixierendem Blick eher den Eindruck einer unmittelbaren Momentaufnahme. Es fällt auf, daß es dem Zeichner zunächst nicht gelang, das rechte Auge aus der Gesichtskontur zu lösen. Er hinterlegte den Umriß deshalb mit einer kräftigen Bogenlinie, die wiederum das Auge stark hervortreten läßt. Wir dürfen annehmen, daß ein so sicherer Zeichner und Porträtist, wie Hans Holbein d. Ä., bei einer Nachzeichnung eines zweidimensionalen Vorbilds solche klärenden Nachbesserungen kaum nötig gehabt hätte. Auch Holbeins spätere Werkentwicklung spricht eher dafür, daß er bereits die frühen Bildniszeichnungen mit dem Silberstift „nach dem Leben“ angefertigt hat.

Später wurde das Konterfei mit nassen Zeichenmitteln überarbeitet. Die Haare erhielten einen flächigen Fond aus gräulich-weißer Deckfarbe und wurden dann, wie auch die Kleidungskonturen, markanter aber nicht sehr subtil durchgezeichnet, die Pupillen mit Tusche markiert. Die Forschungsmeinungen über den Autor dieser Überarbeitungen gehen weit auseinander. Hans Holbein selbst, aber auch seine Söhne Hans und Ambrosius sind ebenso vorgeschlagen worden, wie anonyme andere Werkstattmitglieder des Meisters. Wahrscheinlicher ist jedoch, daß ein späterer Besitzer, wohl bereits im 16. Jahrhundert, die irritierenden Akzentuierungen an den zartlinigen Silberstiftzeichnungen vorgenommen hat.

Text: Michael Roth in: Kunstsinn der Gründerzeit. Meisterzeichnungen der Sammlung Adolf von Beckerath. Kupferstichkabinett Staatliche Museen zu Berlin 30.11.2002 - 23.3.2003. Berlin 2002, S. 96f., Kat. 33 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 09.10.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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