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Fernsehfamilie

Ident. Nr.: A IV 301

ObjID: obj:958393

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Sighard Gille (1941 ),
Künstler*in
Datierung
1972
Weitere Titel
Sammlungstitel: Fernsehfamilie
Übersetzung: Television Family
Material / Technik
Öl auf Hartfaser
Abmessungen
Höhe x Breite: 52 x 70 cm
Erwerbung
1974 Ankauf vom Künstler, Leipzig

Objektbeschreibung

Gille studierte von 1965 bis 1970 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei den prominenten Malern Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer. Danach arbeitete er freischaffend als Maler in Leipzig und etablierte sich als einer der führenden Künstler*innen der jüngeren Generation in der DDR. Die „Fernsehfamilie“ fand früh den Weg in die Nationalgalerie (Ost); sie hing 1974 als Leihgabe, als Direktor Willi Geismeier beim Besitzer, den Staatlichen Museen zu Berlin, um die Genehmigung zum Ankauf bat: „Das Gemälde befindet sich seit einigen Monaten leihweise in unserer Ausstellung und hat sich dort als qualitätvoll bewährt. Als Arbeit eines jüngeren Künstlers hält es unsere Sammlung der Gegenwartskunst auf dem laufenden.“ (Geismeier an die Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin, 19.4.1974, SMB-ZA, II A/NG 0260). Hier sitzen die Eltern mit ihrem Kind eng beieinander unmittelbar vor der „Flimmerkiste“. Wir sehen sie von vorn und können nur rätseln, was gerade läuft, während der Fernseher bläuliches Licht auf Gesichter und Kleidung wirft. Alle drei starren gebannt auf den Bildschirm. Ihr Fokus ist genauso eng wie der unsere im Blick auf die Dargestellten, denn sie füllen fast die gesamte Bildfläche aus. Hinten eine gestreifte Tapete, links die Locken der Mutter, unten rechts der bunte Schlips des Vaters – alles außer dem Fernseher ist nebensächlich. Es ist ein humorvoller Blick auf das moderne Leben und eine leichte Kritik am „Glotzen“. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson