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Passion

Ident. Nr.: B III 205

ObjID: obj:958400

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wieland Förster (1930 ),
Künstler*in
Datierung
1966
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 96 x 40 x 30 cm
Erwerbung
1981 Ankauf vom Künstler, Berlin (Ost)

Objektbeschreibung

„Martyrium“ (B III 151) und „Passion“ (B III 205) gehören zu einer Werkgruppe Försters, die um das Thema Leid und Schmerz kreist. Sie beziehen sich auf Krieg und Gewalt. Zahlreiche weitere Plastiken, Zeichnungen und Gemälde Försters zeigen ebenfalls Opfer von Gewalt oder Figuren in der Haltung von Gekreuzigten, dies mehr als Zeichen für Schmerz denn als religiöses Thema. Die männliche Figur der „Passion“ hält die Arme nicht wie am Kreuz, sondern der linke Arm hängt leblos herunter, der rechte fehlt, und der Kopf ist stark nach hinten geneigt. Es ist der Moment nach dem Ableben, da der Schmerz endgültig vorbei ist. Dieses Werk widmete Förster den ermordeten Mitgefangenen im Speziallager Bautzen, wo er von Dezember 1946 bis Januar 1950 interniert war. Das „Martyrium“ dagegen setzt sich aus mehreren Körper zusammen. Die Skulptur ähnelt in ihrer Form dem „Großen Martyrium – Den Opfern des Faschismus gewidmet“ (1977–1979; WVZ Mlekusch 191), mit dem er „die mechanisierte, massenhafte Ermordung des ohnehin entindividualisierten, numerierten [sic] Menschen“ erlebbar machen wollte: „Ich bemühte mich, die wichtigsten Formen so einzusetzen, daß das vereinzelte Nebeneinander der Leiber durch formale Verzahnung aufgehoben und zur austauschbaren Masse wurde, ganz im Sinne des gemeinsamen Schicksals.“ (Wieland Förster. Im Atelier abgefragt, hrsg. von der Skulpturensammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, München/Berlin 2005, S. 98) 1966 lehnte eine Jury der Akademie der Künste (Ost) „Martyrium“ für eine Ausstellung ab, „Passion“ dagegen wurde 1967 dort präsentiert und teils positiv, von offizieller Seite eher negativ rezipiert (Wieland Förster, „… weil aus dem Zweifel das Wachstum entsteht“. Aus den Tagebüchern von 1958 bis 1974, Archiv-Blätter 24, hrsg. von Eva Förster, Berlin 2018, S. 59, 61). | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz

Bauer, Weihwasser nehmend

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Den Türrahmen fast vollständig ausfüllend, mit schweren Pantinen und großem Hut bekleidet, tritt ein Bauer auf dem in dunklen, erdigen Farben gehaltenen Gemälde von Egger-Lienz über die Schwelle einer einfachen Holzstube. Dabei taucht er seine Hand in ein Weihwasserbecken neben der Tür, ein durchaus übliches Ritual der Reinigung in katholischen Privathaushalten zur Entstehungszeit des Bildes. Ebenso wie dieses Spätwerk des Künstlers ist das gesamte Œuvre des Malers, der an der Münchner Akademie der bildenden Künste studiert hatte, von einer religiös gefärbten, realistischen und gleichsam idealisierenden Darstellung der bäuerlichen Alltagswelt geprägt. Die Formensprache ist dabei auf das Wesentliche reduziert. 1909 schrieb der damals im österreichischen Exil lebende Leo Trotzki anlässlich einer Ausstellung der Wiener Secession über Egger-Lienz’ Arbeiten: „Bei Egger gibt es nichts Überflüssiges. Er hält sich keinen Augenblick bei Einzelheiten auf. Die Farben sind ohne Nuancen, die Schatten der Gestalten nur schematisch angedeutet“ (Leo Trotzki, Die Wiener Secession, in: ders., Literatur und Revolution, Essen 1994, S. 478). Der Künstler selbst sagte über sich: „Ich male keine Bauern, sondern ‚Formen‘, so scheint es mir“ (Brief an O. Kunz, 12.5.1924, zit. nach Wilfried Kirschl, Albin Egger-Lienz, Wien 1977, S. 436). Wahrgenommen wird Egger-Lienz’ Werk dennoch vor allem durch das dominierende Sujet des Bauern und einfachen Mannes, das letztlich auch die konservative, teils nationalistische Rezeption seiner Arbeit bestimmt hat. | Maike Steinkamp