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Maultiere Verso: Felsbrocken und Bäume

Ident. Nr.: A IV 255

ObjID: obj:958414

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Josef Hegenbarth (1884 - 1962),
Künstler*in
Datierung
um 1940
Weitere Titel
Sammlungstitel: Maultiere Verso: Felsbrocken und Bäume
Übersetzung: Mules Verso: Boulder and Trees
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Johanna Hegenbarth, Dresden,
1970
Material / Technik
Öl auf Hartfaser
Abmessungen
Höhe x Breite: 33,5 x 41 cm
Erwerbung
1970 Ankauf von der Witwe des Künstlers, Johanna Hegenbarth, Dresden

Objektbeschreibung

1937 wurden auch Arbeiten Hegenbarths aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt, von ihrer Einbindung in die Schandausstellungen „Entartete Kunst“ blieb er verschont. Um weiteren Restriktionen zu entgehen, konzentrierte sich Hegenbarth fortan ganz auf Tierdarstellungen, ohne die bildnerische Konfrontation mit den menschlichen Betrachtern. Als Maler von Tieren, wenngleich er diese so überscharf charakterisierte wie vordem Personen, blieb er relativ unbehelligt und konnte weiterhin an Ausstellungen teilnehmen. Für die Wiedergabe der intensiv beobachteten Tiere hatte Hegenbarth eine eigene Technik entwickelt und perfektionierte sie fortwährend: Die eher trockene, oft krümelige Farbpaste ist pastos aufgetragen, mit hartem, abgenutztem Pinsel verrieben und erst auf dem Bild zu einer schrundigen, vielfarbigen Oberfläche vermischt. Oft verwendete der Künstler eingeritzte Linien, zur Anlage des Motivs auf dem Untergrund oder, deutlicher sichtbar, am Arbeitsende zur Betonung von Details, der Barthaare etwa. Zwei dieser eindrücklichen Studien konnte die Nationalgalerie (Ost) 1970 von Johanna Hegenbarth, der Witwe des Künstlers, erwerben: Eines der „Maultiere“ (A IV 255) stellte Hegenbarth ruhig grasend auf gelber Erdkruste mit sparsamem Grün dar, vor einem verhangenen dunkelblauen Himmel. Bildbestimmend ist hier der charakteristische Kontur. Die Rückseite zeigt eine Studie mit Felsbrocken und Gebüsch. Dem „Jungen Schakal“ (A IV 254) dagegen, offensichtlich in seinem Käfig beobachtet, sehen wir bei scheinbarer Verspieltheit eine lauernde Aggressivität an. Farblich verbindet sich das gefangene Tier mit dem Hintergrund, nur der Kopf mit dem geöffneten Maul hebt sich ab. Auf der Rückseite dieser Studie sieht man eine wartende Menschenmenge vor einer Schaubude. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson