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Häuser am Kanal

Ident. Nr.: A IV 292

ObjID: obj:958510

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Schmidt-Rottluff (1884 - 1976),
Künstler*in
Datierung
1912
Weitere Titel
Sammlungstitel: Häuser am Kanal
Übersetzung: Houses by the Canal
Provenienz
Kurt Schmidt, Chemnitz,
381719
Hildegard Schmidt, Karl-Marx-Stadt,
1974
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 74 x 102 cm
Erwerbung
1974 Ankauf von der Schwägerin des Künstlers, Hildegard Schmidt, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)

Objektbeschreibung

Die Darstellung zeigt nach der Erinnerung Schmidt-Rottluffs (Gerhard Wietek, Schmidt-Rottluff. Oldenburger Jahre 1907–1912, Mainz 1995, S. 546) einen Wasserlauf in Oldenburg, der damaligen Residenzstadt des Großherzogtums Oldenburg. Der Maler kam von 1907 bis 1912 auf dem Weg zu seinen Sommerquartieren in und bei Dangast durch die Stadt, und während dieser Jahre waren zahlreiche kleine Ausstellungen von ihm dort zu sehen. Durch das Fehlen organischer Naturformen (Bäume, Büsche) dominieren in „Häuser am Kanal“ die geometrischen Kuben der Gebäude. Sie wirken blockhaft, sind aber zugleich seltsam gegeneinander verschoben. Die Spiegelung der vielfarbigen, am Ufer stehenden Gebäude im Wasser des Kanals verstärkt den Eindruck kristalliner Kantigkeit. Einflüsse des französischen Kubismus, insbesondere des neu entdeckten und bewunderten Werkes von Pablo Picasso, scheinen hier wirksam gewesen zu sein. Schmidt-Rottluff stellte das Bild 1922 in der Berliner Galerie Ferdinand Möller aus. Paul Westheim betonte in seiner Rezension in der „Frankfurter Zeitung“ die durch die Spiegelung entstandene liegende Kreuzform in Gelb, die der Maler herausgearbeitet habe (Expressionisten. Die Avantgarde in Deutschland 1905–1920, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin [Ost], 1986, S. 261). Carl Einstein, der in jenem Jahr mit der Niederschrift eines Buches zur Kunst des 20. Jahrhunderts begann, wird diese Ausstellung in Berlin ebenfalls gesehen haben. In dem 1926 erstmals erschienenen Werk liest man über Schmidt-Rottluffs Malerei: „[M]an monumentet etwas klötzern, doch streng und ehrlich“ (Carl Einstein, Die Kunst des 20. Jahrhunderts, Leipzig 1988, S. 230). | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson