Logo

Leipziger Hauptbahnhof (Bahnhofshalle)

Ident. Nr.: A IV 620

ObjID: obj:958652

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wolfram Ebersbach (1943 -),
Künstler*in
Datierung
1987
Weitere Titel
Sammlungstitel: Leipziger Hauptbahnhof (Bahnhofshalle)
Übersetzung: Leipzig Central Station (Station Building)
Abmessungen
Höhe x Breite: 80 x 60 cm
Erwerbung
1989 Ankauf vom Künstler, Leipzig

Objektbeschreibung

Raum und Licht sind die bestimmenden Größen in Ebersbachs Malerei. Die Motive für die zahlreichen Stadtbilder fand er seit den 1980er-Jahren in seinem Wohn- und Schaffensort Leipzig. Mit Unterführungen, Tunneln, Höfen, Bahnhofshallen und Passagen führt Ebersbach ins Innere der Stadt, an Orte der alltäglichen Wege wie auch der Begegnung, des Wartens oder genießerischen Flanierens. Niemals nimmt er etwa Bauornamentik oder Schaufensterauslagen in seine Gemälde auf. In lockerem Gestus konstruiert Ebersbach die Räume formal vereinfacht und farblich verhalten aus breiten schwarzen Pinselstrichen. Durch Fenster und Zugänge fällt bläulich-weißes Licht in das kühle Halbdunkel. Die faszinierende, mitunter unheimliche Räumlichkeit formt sich aus der perspektivischen Anlage, den tektonischen Achsen und kräftigen Hell-Dunkel-Kontrasten dieser Bilder. Der städtische Raum wird zur Ausdrucksform einer inneren Verfasstheit. Damit hebt sich Ebersbachs Schaffen deutlich von der seit Mitte der 1960er-Jahre für ihre allegorischen Weltdeutungen bekannten Malerei der sogenannten Leipziger Schule ab. Gingen die ihr zugeordneten Maler stets von der menschlichen Figur aus, tritt diese bei Ebersbach nur schemenhaft in Erscheinung. Wo sie in Bewegung ist, verschwimmt sie in der Unschärfe einer Langzeitbelichtung. Eine leise Melancholie und ein Anflug von urbanem Unbehagen durchziehen diese Orte. | Sophie Thorak

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson