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Knabenbildnis

Ident. Nr.: A IV 135

ObjID: obj:958710

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Kurt Günther (1893 - 1955),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1928
Weitere Titel
Sammlungstitel: Knabenbildnis
Übersetzung: Portrait of a Boy
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Maria Günther, Gera,
11.12.1967
Material / Technik
Tempera auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 48 x 37 cm
Erwerbung
1967 Ankauf von der Witwe des Künstlers, Maria Günther, Gera

Objektbeschreibung

Mitte der 1920er-Jahre rückten Porträts und Frauenbildnisse ins Zentrum des nicht sehr umfangreichen Œuvre von Günther (insgesamt circa 800 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen sind bislang nachweisbar, der Rest ist verschollen oder wurde zerstört). Ähnlich wie die Bildnisse von Otto Dix stehen Günthers Porträts im Zeichen eines seinerzeit neuen, nichts beschönigenden Realismus, den der Kunstkritiker Franz Roh als „den bislang einzig wichtigen Beitrag Thüringens zur Malerei des neuen Verismus“ verstanden hat (Franz Roh, Der Maler Kurt Günther, Berlin 1928, S. 14). Dargestellt ist der 1921 geborene Rolf Schoder, Sohn des Bauhausarchitekten Thilo Schoder, mit dem Günther befreundet war. Das Porträt bezieht seine Spannung aus der sachlich-kühlen Distanz zwischen dem Maler und seinem Modell. Mit größter Detailtreue hat Günther den Knaben wiedergegeben, ohne ihn psychisch zu entblößen. Der ungerührte Blick des Jungen signalisiert ebenso Ablehnung wie die verschränkten Arme. Allein, vor blaugrauem Hintergrund, verweigert das Kind den Betrachter:innen jede Möglichkeit emotionaler Anteilnahme. Ein weiteres, weniger abweisendes Bildnis des Jungen, um 1927 gleichfalls in Tempera gemalt, befindet sich in der Kunstgalerie Gera. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson