Logo

Erster Frühlingstag

Ident. Nr.: A IV 188

ObjID: obj:958711

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wilhelm Heise (1892 - 1965),
Künstler*in
Datierung
1927
Weitere Titel
Sammlungstitel: Erster Frühlingstag
Übersetzung: First Spring Day
Material / Technik
Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 45 x 34,8 cm
Erwerbung
1935 Leihgabe des Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung (Leihgabenbuch Nr. 40). 1968 nachinventarisiert

Objektbeschreibung

Seine künstlerische Ausbildung erhielt Heise in Weimar und Kassel. Im Anschluss erlernte er die Buchgestaltung in Leipzig und Berlin. In diesem Bereich reüssierte er ab 1918 mit expressionistischen Illustrationen etwa zum „Don Quichote“ oder „Fräulein von Scuderi“. Zwischen 1924 und 1936 – in seiner produktivsten Zeit – entstanden viele Grafiken, darunter die Serie „Nächtliche Blumenstücke“, und mehr als fünfzig Gemälde. Seit Ende der 1920er-Jahre war Heise Mitglied der Münchner Secession. Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte er sich federführend an der Neukonzeption und dem Wiederaufbau der Städelschule in Frankfurt am Main, an der er seit 1943 allgemeines Zeichnen und freie Grafik unterrichtete. Zudem stand er ihr in den Nachkriegsjahren bis 1950 als Direktor vor. „Erster Frühlingstag“ zeigt das Grundstück bei dem Dorf Leoni am Starnberger See, auf dem Heise von 1926 bis 1928 lebte. Ursprünglich als Querformat angelegt, weitete sich in der rechten Bildhälfte der Blick auf den See. Diese recht konventionelle Bildfindung stellte den Künstler offenbar nicht zufrieden. Spätestens 1930 beschnitt er die Tafel auf beiden Seiten und schuf so mit dem vorliegenden Teil eine für ihn typische, einen Horror Vacui offenbarende Komposition. Die detailliert ausgearbeiteten Gras- und Pflanzenbüschel bezeugen Heises Obsession vom Vegetabilen, die auch seine bemerkenswerten grafischen Arbeiten auszeichnen. | Katharina Wippermann

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson