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Meine Eltern von der LPG

Ident. Nr.: A IV 24

ObjID: obj:958725

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Willi Sitte (1921 - 2013),
Künstler*in
Datierung
1962
Weitere Titel
Sammlungstitel: Meine Eltern von der LPG
Übersetzung: My Parents from the Agricultural Production Cooperative
Abmessungen
Höhe x Breite: 127 x 164 cm
Erwerbung
1963 Ankauf vom Künstler, Halle/Saale, aus der V. Deutschen Kunstausstellung Dresden aus Mitteln des Kulturfonds der DDR

Objektbeschreibung

Viele Maler, die den Ruf von Halle an der Saale als vitales Zentrum für moderne Kunst nach 1945 mitbegründet hatten, hatten die DDR Anfang der 1950er-Jahre aufgrund der Formalismusdebatte verlassen, einer Kampagne, die expressive oder abstrakte Formensprache als bürgerlich dekadent ablehnte. Trotz seiner bewussten Nähe zur Vorkriegsmoderne blieben Abmahnungen durch die Partei für Sitte weitgehend folgenlos. Allerdings zeigte er seine von ihm selbst so bezeichneten „künstlerischen Experimente“, zu denen auch der „Raub der Sabinerinnen“ (A IV 333) gehörte, in dieser Zeit nicht. Sittes Bildnis seiner Eltern von 1962 folgt in Thema und Formensprache dagegen durchaus den politischen Vorgaben des Sozialistischen Realismus, wobei er sich gleichzeitig der Bildsprache der Neuen Sachlichkeit bediente. In dem Gemälde sitzt das betagte Paar, Josef und Elisabeth Sitte, Schulter an Schulter auf einem altmodischen Sofa. Hinter ihnen hängt eine gerahmte Fotografie der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) „Peter Scholz“ in Oberorschel, deren Vorsitzender Sittes Bruder Ernst war, wie unter dem Foto zu lesen ist. Ebenso wie der Korb mit Eiern und der Notizblock, auf dem das Paar die Verkäufe dokumentierte, verweist das Foto auf die Arbeit der Eltern. Mit dem Bildnis verortete Sitte sich und seine Familie im sozialistischen Staat. Gleichzeitig schuf er ein Gesellschaftsporträt. Die Darstellung des neubäuerlichen Eheglücks war eines der meistdiskutierten Werke auf der 5. „Deutschen Kunstausstellung“ (Dresden, 1962/1963); wegen seiner „modernistischen Schmierereien“ wurde es verurteilt, für das Sujet aber gleichzeitig offiziell gelobt. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson