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Pilota 4

Ident. Nr.: B 659

ObjID: obj:958788

1963 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Piero Dorazio (1927 - 2005),
Künstler*in
Datierung
1963
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 33,2 x 24,4 cm
Erwerbung
1963 Ankauf von der Galerie Springer, Berlin, durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Dorazios Frühwerk entstand in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Seine künstlerischen Bezugspunkte waren zunächst die großen Maler der europäischen Moderne wie etwa Gino Severini, Georges Braque oder Piet Mondrian. Seine Reisen führten den Römer in zahlreiche westeuropäische Länder und die USA. Aus der Beschäftigung mit Farbe und Form gingen Bilder hervor, die im Wesentlichen aus Farbstreifen bestehen und sich den dominanten Strömungen des Abstrakten Expressionismus oder Informel jener Zeit entgegenstellen. In „Annunzio diagonale“ ziehen schwarze Linien über einen dunkelblauen Hintergrund. Sie ergeben ein dichtes Geflecht und erzeugen einen vielschichtigen Effekt. Indem sich die schwarzen Linien in den Vordergrund zu schieben scheinen und das Blau dadurch als Hintergrund wirkt, erhält das Gemälde eine überraschende Tiefe. In „Pilota 4“ dagegen ist die Struktur gröber, die Streifen sind dadurch leichter einzeln mit dem Auge nachzuvollziehen, ohne den Eindruck eines textilen Gewebes zu schwächen. Waagerechte und diagonale Streifen lassen kaum Zwischenräume frei; am Rand kontrastiert die feinere, naturfarbene Leinwandstruktur mit den starken Farbtönen der Malerei, die etwas Unfertiges, Skizzenhaftes hat. Bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass die Streifen übereinandergelagert sind und es der dünne Farbauftrag ermöglicht, dass alle Schichten sichtbar bleiben. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson