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Schleppdampfer II

Ident. Nr.: A IV 248

ObjID: obj:958969

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hermann Glöckner (1889 - 1987),
Künstler*in
Datierung
1928-1930
Weitere Titel
Sammlungstitel: Schleppdampfer II
Übersetzung: Steam Tugboat
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1970
Abmessungen
Höhe x Breite: 51 x 70,5 cm
Erwerbung
1970 Ankauf vom Künstler

Objektbeschreibung

Glöckners Werke der späten 1920er- und der 1930er-Jahre changieren zwischen Realismus und Abstraktion. Der Künstler selbst merkte an, dass die gegenstandsfreien Konstruktionen jener Zeit aus der Analyse seiner realistischen Bilder erwachsen seien. In diesen hatte er Maßverhältnisse erkannt: horizontale und vertikale Achsen, die die Flächen in Hälften, Viertel oder Achtel unterteilten, welche durch Bildelemente akzentuiert waren (vgl. Hermann Glöckner, Meine Arbeit ist mein Leben, in: John Erpenbeck, Hermann Glöckner. Ein Patriarch der Moderne, Berlin [Ost] 1983, S. 56). Aus dieser Erkenntnis heraus entstanden zwischen 1927 und 1930 mehrere Dampfervariationen, in denen Glöckner die einzelnen Bildelemente geometrisch aufgespalten hat. So arrangierte er in „Schleppdampfer II“ – dem letzten seiner Dampferbilder – das Schiff in einer abstrakten Flusslandschaft, die sich aus unterschiedlich gefärbten weiß-bräunlichen Querstreifen zusammensetzt. Das Schiff selbst ist in rote, schwarze und graue Rechtecke und Kreise zerlegt. In eine Dreiecksform wühlt das Dampferrad das Wasser auf, was die Dynamik der Komposition unterstützt. Glöckner orientierte sich bei der zeichenhaften Konzentration auf die wesentliche Form, auf die abstrakte Vereinfachung alltäglicher Objekte an mathematischen und ästhetischen Formen. Dabei führen seine Konstruktionen nicht die Ideen anderer Konstruktivisten wie Wassily Kandinsky, El Lissitzky, Piet Mondrian oder László Moholy-Nagy fort, vielmehr fand Glöckner für sich einen ganz eigenen Weg. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson