Logo

Arbeiter am Tisch

Ident. Nr.: A IV 250

ObjID: obj:959119

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Lothar Zitzmann (1924 - 1977),
Künstler*in
Datierung
1966/1967
Weitere Titel
Sammlungstitel: Arbeiter am Tisch
Übersetzung: Workers at a Table
Abmessungen
Höhe x Breite: 80 x 99 cm
Erwerbung
1970 Ankauf vom Künstler, Jena

Objektbeschreibung

Zitzmann deckte ein breites künstlerisches Spektrum ab: Er malte Akte, Stillleben, Landschaften, Porträts und Gruppen, und eine seiner letzten Arbeiten, „Weltjugendlied“, war ein Wandgemälde im Palast der Republik in Ost-Berlin. Eine Zeitung nannte ihn einen „der eigenwilligsten Maler der DDR“ (Der Morgen, 14.2.1989) und bezog sich damit auf sein Werk wie auf seine Karriere. 1949, noch als freischaffender Künstler, hatte es Zitzmann an der Hallenser Kunsthochschule Burg Giebichenstein vom Dozenten bis zum Direktor der eigens für ihn eingerichteten Sektion für Gestaltung gebracht – und das mit einem Stil, der der normativen Formsprache des Sozialistischen Realismus vollkommen zuwiderlief. Seine Kunst konzentriert sich auf das Wesentliche. Das Bild zeigt drei Arbeiter*innen am Tisch, ob bei der Pause oder im Dienstgespräch, das bleibt eines der Geheimnisse von Zitzmanns stark reduziertem Setting. Das Gemälde steht in der Tradition der Brigadebilder, löst die Aufgabe aber völlig anders als zum Beispiel Horst Strempel („Plandiskussion“, A IV 87) oder Willy Neubert („Neuererdiskussion“, A IV 237). Zitzmann verzichtete auf schmückende Details oder eine Story, der Werktitel lässt offen, was hier geschieht. Eindeutiger ist die kubische Formsprache, die an Pablo Picassos wuchtige Figurenästhetik seines Neoklassizismus und an Fernand Léger erinnert: In sich ruhende Körper, vordergründig aufgehobene Individualität, ein Schattenspiel, bei dem unklar ist, von wo das Licht kommt. Die körnige Beschaffenheit ist exemplarisch für Zitzmanns Arbeiten der 1960er-Jahre. Geometrie spielt eine zentrale Rolle für die Szenerie, mit der er eine „Aussage über Realität“ anstrebte: „Ich möchte Einfachheit des Ausdrucks, eine Form ohne Verzierungen, einen lapidaren Realismus“ (zitiert nach Der Morgen, 14.2.1989). | Sven Haase

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson