Logo

Raub der Sabinerinnen

Ident. Nr.: A IV 333

ObjID: obj:959298

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Willi Sitte (1921 - 2013),
Künstler*in
Datierung
1953
Weitere Titel
Sammlungstitel: Raub der Sabinerinnen
Übersetzung: Rape of the Sabine Women
Material / Technik
Öl auf Hartfaser
Abmessungen
Höhe x Breite: 126,5 x 165 cm
Erwerbung
1976 Ankauf vom Künstler, Halle/Saale

Objektbeschreibung

Sitte hatte sich 1947 in Halle/Saale niedergelassen, wo er sich im Umfeld der Kunsthochschule Burg Giebichenstein bewegte. 1936 bis 1939 hatte er an der Kunstschule des nordböhmischen Gewerbemuseums in Reichenberg eine Ausbildung zum Textilmusterzeichner absolviert und war 1940 an die Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei in Kronenburg in der Eifel empfohlen worden. Dort blieb er nur ein Jahr, dann wurde er zum Kriegsdienst einberufen. In Halle gehörte Sitte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den Künstler*innen, die sich ganz bewusst an der zwischen 1933 und 1945 als „entartet“ diffamierten Moderne orientierten. Vor allem der Expressionismus und die Kunst Pablo Picassos beeindruckten ihn nachhaltig. Den Einfluss Picassos, dessen Formensprache Anfang der 1950er-Jahre in der DDR höchst umstritten war, kann man unschwer an dem 1953 entstandenen Gemälde „Raub der Sabinerinnen“ erkennen. Sitte stellt darin den antiken Stoff in einer dynamischen Kampfszene dar, in der die Frauen sich, teils mit Dolchen bewaffnet, aktiv gegen ihre Entführung durch die Römer wehren und den durch diesen Übergriff angezettelten Krieg letztlich beenden konnten. Sittes mythologisches Gemälde kann als Reaktion auf die Krisen und Kriege der damaligen Zeit gelesen werden. Der beginnende Kalte Krieg, die Teilung Deutschlands sowie der Koreakrieg schürten die Angst vor neuen Eskalationen. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson