Logo

17 Uhr Schneeschmelze

Ident. Nr.: NG 2/82

ObjID: obj:959386

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Ingeborg Lüscher (1936 -),
Künstler*in
Datierung
um 1968-1982
Abmessungen
Höhe x Breite: 120 x 95,7 cm
Erwerbung
1982 Schenkung Ingeborg Kretzschmar, Berlin (West)

Objektbeschreibung

Die Werke der 1936 in Sachsen geborenen Künstlerin sind zwischen Malerei, Skulptur und Fotografie angesiedelt und behandeln sowohl autobiografische, emanzipatorische, ökologische wie auch politische Themen Fragestellungen. Diese beleuchtet sie auf immer neue Art und in neuen Techniken, wobei sie stets auf der Suche nach Gegensätzen ist. Zur bildenden Kunst kam die zunächst als Schauspielerin in West-Berlin tätige Lüscher 1967, als sie bei Dreharbeiten in Prag die politische Aufbruchsstimmung des Prager Frühlings miterlebte. Noch im selben Jahr zog sie ins Tessin und nahm autodidaktisch ihre künstlerische Arbeit auf. Sie kam in Kontakt mit Künstler*innen aus dem Umfeld des Nouveau Réalisme. Diese Nähe sieht man Lüschers Arbeiten aus dieser Zeit an, auch ihrer materialreichen Collage „17 Uhr Schneeschmelze“. Hier experimentierte sie mit Fundstücken, vor allem mit Holz und Styropor. Ebenfalls aus gefundenen Alltagsdingen besteht ihre Serie „Zigarettenbilder“ bzw. „Verstummelungen“ (1969–1972), in der sie Tausende von gesammelten Zigarettenstummeln verarbeitete und damit obsessiv die Dialektik von gelebtem Leben und Lebenszeit zu visualisieren suchte. Sammeln und Ordnen ist, wie auch in der vorliegenden Collage, bis Mitte der 1980er-Jahre immer wieder ein Leitmotiv. Das vielfach konzeptuelle Werk kreist um Themen wie Zufall, Eros, Liebe, Kindheit, Träume, Weissagung und Tod, manche davon finden sich auch in „17 Uhr Schneeschmelze“ wieder. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson