Logo

Tragende (Pietà von Ravensbrück)

Ident. Nr.: B I 718

ObjID: obj:959502

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Will Lammert (1892 - 1957),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1957 (Guss um 1959)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Tragende (Pietà von Ravensbrück)
Übersetzung: Carrying (Pietà of Ravensbrück)
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 139 x 47 x 55 cm
Erwerbung
1959 Ankauf von der Witwe des Künstlers, Berlin (Ost), aus Mitteln des Kulturfonds der DDR

Objektbeschreibung

Die Figur einer Frau, die ihre zusammengebrochene Kameradin trägt, steht auf einem trapezförmigen Pylon hoch über dem Schwedter See in der nationalen Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Im Zuge der Umgestaltung des Frauen-Konzentrationslagers zu einer Gedenkstätte wurde die Skulptur von den Architekten als Mittelpunkt bestimmt. Mit einer kleinen Halbinsel schufen sie eine Öffnung zum See, sodass die „Tragende“ hoffnungsvoll in Richtung der Stadt Fürstenberg am anderen Ufer blickt und durch ihre Höhe ein regelrechtes Pendant zum dortigen Kirchturm bildet. Bei der Version aus der Nationalgalerie handelt es sich um die letzte Fassung von Lammerts Hand. Die Endfassung im Maßstab 1:3 wurde posthum unter Leitung seines Schülers Fritz Cremer 1959 vollendet, mit einer Höhe von 430 Zentimetern auf dem 7 Meter hohen Sockel. Lammerts Entwurf sah außerdem eine Gruppe von Frauen verschiedener Nationalitäten vor, die am Boden platziert werden sollte, diese wurde jedoch nicht umgesetzt. Zwei Figuren aus diesem Teil des Entwurfs gehören ebenfalls zur Sammlung der Nationalgalerie (vgl. B III 141, B III 142). Lammert hielt sich bei der vorliegenden Arbeit gestisch zurück und ließ das Motiv des Tragens, der Solidarität und des Überlebenswillens für sich sprechen. Die Haltung der tragenden Frau ist aufrecht und nicht ohne Stolz, dennoch ohne übertriebenes Pathos. Er wandelte das Motiv der Pietà als passive, sitzende Trauernde um in eine aktive, schreitende und schwere Last bewältigende Überlebenskämpferin. | Anja Pawel

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Badende

Badende

Die Statue scheint 1909 für einen mehrfigurigen Brunnen konzipiert worden zu sein, was den Titel „Badende“ erklärt. Um 1910 wurde jedoch nur eine einzelne Bronzefigur hergestellt, die an der Fassade eines 1910/1911 errichteten Miets- und Geschäftshauses in der Hardenbergstraße 1 in Berlin-Charlottenburg ihre Aufstellung fand. Der Eigentümer dieses „Haus am Knie“ genannten Gebäudes und damit auch der Figur war der Architekt und Immobilienunternehmer Arthur Vogdt. Die Fassade hatte der junge Bruno Taut entworfen. Die Statue stand auf einem hohen Sockel am Eingang des Hauses; ihre auffallende Drehung war auf diesen Standort abgestimmt. Wegen eines Schreibens des Bildhauers Richard Scheibe wurde die Figur früher auf 1904/1905 datiert; das trifft jedoch genauso wenig zu wie die Datierung um 1906 (Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914, Ausst.-Kat. Skulpturengalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin, 1990, Nr. 124). Die Angabe „um 1910“ dagegen entspricht der Bauzeit des Hauses. Damals schuf Kolbe auch eine große Frauenstatue nach dem Modell der späteren Bildhauerin Renée Sintenis (Georg Kolbe, 1877–1947, Ausst.-Kat. Georg Kolbe Museum, Berlin, 1997, Abb. S. 27). Wegen der Proportionen, der aufgerichteten Haltung und des herben Gesichts dürfte die „Badende“ nach demselben Modell entstanden sein. Im Zweiten Weltkrieg wurde das „Haus am Knie“ zerstört. Die Statue gelangte in den Besitz von Kurt Reutti, der zahlreiche Kunstwerke aus Berliner Kriegsruinen rettete. 1957 war die Bronze eine der ersten Erwerbungen für die Nationalgalerie (West). | Ursel Berger

Mädchen aus Xanten

Mädchen aus Xanten

Der Düsseldorfer Bildhauer Zimmermann schuf Plastiken für den öffentlichen Raum und für Kirchen. Er hatte an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Alexander Zschokke studiert; kurzzeitig lebte er in Berlin (1932/1933) und Kassel (1936). Während der NS-Zeit war er beruflich erfolgreich. Das „Mädchen aus Xanten“ schuf er wohl im Auftrag der Xantener Dombauhütte. Es existierte eine Fassung aus Ton, deren Verbleib unbekannt ist. Die Bronze befand sich bereits 1937, im Jahr ihrer Entstehung, im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin. Damit changierte die Wahrnehmung der Figur: zwischen der Lesart in einem religiösen Zusammenhang und der als ideologisch geprägte, politisch sanktionierte Darstellung, die offenbar geeignet erschien, ein nationalsozialistisches weibliches Ideal zu repräsentieren. Das „Mädchen“, das eher nach einer herangereiften jungen Frau aussieht, steht solide in Lebensgröße da, die Form ist einfach und glatt. Unter der eng anliegenden Kleidung zeichnen sich die weiblichen Konturen deutlich ab, ohne Erotik auszustrahlen; die Gestalt ist kräftig, aber nicht muskulös, der Kopf mit einem Tuch bedeckt. Das Werk war wohl nie in Berlin öffentlich ausgestellt; nach 1945 geriet es, höchstwahrscheinlich aufgrund seines Besitzes durch eine NS-belastete Institution, in völlige Vergessenheit. In den 1970er-Jahren wurde es im Keller des Pergamonmuseums in einer Holzkiste gefunden und 1980 der Nationalgalerie (Ost) übergeben. | Emily Joyce Evans