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Torso

Ident. Nr.: NG 50/81

ObjID: obj:959704

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Renée Sintenis (1888 - 1965),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1914
Provenienz
im Besitz der Künstlerin,
1965
Nachlass/Vermächtnis: Magdalena Goldmann, Berlin,
1965–1981
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 26,5 x 8 x 5,5 cm (inkl. Sockel)
Erwerbung
1981 Vermächtnis Magdalena Goldmann, Berlin (West), aus dem Nachlass Renée Sintenis

Objektbeschreibung

Zu Beginn ihrer Karriere widmete sich Sintenis auch der traditionellen Form des Torsos. Ebenso wie ihre frühen weiblichen Figuren und Tänzerinnen mag dies dem Ausprobieren klassischer Sujets in der Bildhauerei geschuldet gewesen sein. Als eine Besonderheit zeichnen sich schon hier die kleinen Formate ihrer Plastiken ab, die sie, abgesehen von ihren Porträtköpfen und einigen Vergrößerungen, zeit ihres Lebens beibehalten sollte. So misst ihr 1914 entstandener „Torso“ nur 22,6 Zentimeter (NG 50/81; B III 94). Anders als bei ihrer „Tänzerin“ aus demselben Jahr (NG 54/81) weist der aus Kopf und Rumpf mit kurzen, gerade abgeschnitten Arm- und Beinstümpfen ausgestattete Torso schon die für ihre Figuren charakteristische Längung und die stilisierten Gesichtszüge auf. In dem zwei Jahre später gefertigten „Kleinen Torso“ (NG 49/81) verzichtete sie auf den Kopf und konzentrierte sich allein auf den Rumpf; Halsansatz, Arm- und Beinstümpfe wirken dabei wie abgebrochen. Dieses Unfertige spiegelt sich auch in der unruhigen Oberflächenbeschaffenheit wider, die Sintenis in späteren Arbeiten immer wieder nutzen sollte, um spezifischen Gemüts- oder Bewegungszuständen Ausdruck zu verleihen. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Arbeiter und Brücken

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Das wie ein zartes Aquarell wirkende Blatt zeigt ein Paar in einer industrialisierten Umgebung. Prägnant hervorgehoben ist rechts unten das Brustbild einer Person im Profil. Der Schirm einer Ballonmütze verdeckt die Augen. Die roten Lippen und der rot-gelb gestreifte schulterfreie Badeanzug stehen in wirkungsvollem Komplementärkontrast zu dem in Grün gehaltenen, markant gefurchten Kopf. Halb verdeckt dahinter die Begleitung, eine Kappe auf dem Kopf und Ringe um den Hals. Die beiden Köpfe werden überwölbt von einem kugelförmigen Gasbehälter mit aufgesetzter Erschließungsschiene. Hinter den beiden verläuft ein Mäuerchen mit Strommasten und Leitungen; die Brücke der Hochbahn ist zu sehen, eine Fabrik mit Schornstein sowie der Turm einer Seilbahn, an der Transportmulden emporschweben. Die zahlreichen Diagonalen und Verstrebungen verleihen der Komposition einen dynamischen Zug, wie er auch in den Stadt- und Industriemotiven Oskar Nerlingers (vgl. zum Beispiel dessen „Stadtbahn von Berlin“, A IV 21) begegnet. Wer die Gegenüberstellung von Freizeit- und Arbeitswelt gemalt hat und sich hinter der Signatur „fritz 32“ verbirgt, ist aber bislang nicht bekannt. Es dürfte sich um einen Künstler handeln, der wie etwa Fritz Schulze in Dresden oder Fritz Nolde in Leipzig zu einer der Ortsgruppen der 1928 gegründeten Assoziation revolutionärer bildender Künstler Deutschlands (ASSO) gehörte, die bei ihrem Verbot 1933 etwa 800 Mitglieder zählte. | Dieter Scholz

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Zwischen 1931 und 1934 nahm Lehmann an Ausstellungen der Berliner Secession und des Deutschen Künstlerbundes teil, was dazu geführt haben mag, dass das vorliegende Werk seinen Weg in die Nationalgalerie fand. Und so ist es auch wahrscheinlich, dass dieses selbst im gleichen Zeitraum entstanden war. Die alte Frau mit strengem Haarknoten und nahezu faltenlosem Gewand sitzt starr und ernst auf einem Hocker. Damit bezeugt die Statuette den Weg Lehmanns (vgl. sein „Liebespaar“, B II 15) zu einer zunehmend abstrakten Figürlichkeit und einer Vereinfachung der Form, charakterisiert durch eine sich scharf abgrenzende Umrisslinie und einen Blick für die innere Dynamik des Motivs. Als Lehmanns Werk durch die Nationalsozialisten geschmäht wurde und er schließlich seine Plastiken aus der Galerie Buchholz entfernen musste, verließ der Bildhauer Berlin. Da er die Möglichkeit erhielt, in der seit 1931 geschlossenen Kunstakademie in Kassel ein Atelier einzurichten, kehrte er dorthin zurück. Dass Lehmann von 1940 bis 1945 als Soldat diente, hat ihn vielleicht dazu veranlasst, sich noch stärker dem Ausdruck der Menschlichkeit zu widmen: Er schuf nun zumeist heitere, schlichte, aber mit einer selbstverständlichen Würde versehene Figuren. Ab 1948 war er als Professor an der Technischen Hochschule in Hannover tätig und fertigte in den 1950er- und 1960er-Jahren zahlreiche Plastiken und Reliefs, die bis heute das Bild der niedersächsischen Landeshauptstadt prägen. | Johanna Yeats

Weltfestspiele 1951: Die ersten Gäste

Weltfestspiele 1951: Die ersten Gäste

Die Weltfestspiele, die im August 1951 in Ost-Berlin stattfanden, waren Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen zwischen SED-Funktionären und bundesdeutschen Behörden; Letzere sahen in der Teilnahme westdeutscher Bürger eine Gefahr für die Demokratie. Frankensteins Bild zeigt eine Szene vom Aufbau und dem Eintreffen der ersten Gäste: Junge Leute auf Leitern und einem Gerüst bringen eine große Friedenstaube an einem Bauwerk an, davor stehen Menschen, deren Kleidung, Hautfarbe und Gesichtszüge auf Herkünfte aus der ganzen Welt verweisen sollen. Das Bild war auf der Ausstellung „Künstler schaffen für den Frieden“ (Ost-Berlin, 1.12.1951–31.1.1952) zu sehen und markierte einen Wendepunkt für den Maler: Der West-Berliner Ring bildender Künstler schloss Frankenstein daraufhin aus, 1952 bewarb er sich erfolgreich um ein Meisterschüler-Studium in Ost-Berlin und zog schließlich in den Ostteil der Stadt. Im selben Jahr bekräftigte er: „Heute sehe ich die Aufgabe darin, an der Entwicklung einer realistischen Kunst mitzuarbeiten. […] Mein Beitrag zur Ausstellung ‚Künstler schaffen für den Frieden‘ bezeichnet zugleich den Beginn meiner neuen Arbeit. […] Im Zusammenhang mit meiner künstlerischen Tätigkeit halte ich auch die gesellschaftliche Arbeit für wichtig und befruchtend.” (AdK-O MS 29, Bl. 4f.) Frankenstein war sehr erfolgreich in der DDR, doch das Gemälde „Weltfestspiele 1951: Die ersten Gäste“ gehörte nicht zu den Höhepunkten seines Schaffens. Es wurde 1963 vom Ministerium für Kultur in der Nationalgalerie (Ost) eingelagert (SMB-ZA, I/NG 1353, Bl. 159–161) und nie wieder ausgestellt. | Emily Joyce Evans

Hofinneres bei Bacharach

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Der gebürtige Berliner Spindler, der lange in Meinigen tätig war, starb Mitte der 1930er-Jahre. Sein Werk ist unbekannt; es scheint sich vor allem um Alltags- oder Landschaftsszenen zu handeln sowie um Stadtansichten wie in dem Gemälde „Hofinneres bei Bacharach“. Nach seinem Tod bot seine Witwe Martha der Nationalgalerie zunächst eine Zeichnung an und wurde von Direktor Paul Ortwin Rave an das Märkische Museum verwiesen (SMB-ZA, I/NG 1012; daraus auch die folgenden Zitate). Kurz darauf wollte sie der Nationalgalerie ein Gemälde ihres Mannes schenken, was man aber mit der Erklärung ablehnte, dass es „nach den Bestimmungen der National-Galerie nicht möglich [sei], dass Schenkungen (oder Vermächtnisse) der eigenen Werke von Künstlern angenommen werden dürfen, wenn diese nicht bereits vorher in der National-Galerie vertreten waren“. Anscheinend sprach Frau Spindler daraufhin mit dem Bürgermeister von Meiningen, Wilhelm Zierdt, welcher der Nationalgalerie im Dezember 1937 eine Schenkung im Namen der Stadt anbot. Die Nationalgalerie lenkte ein und wählte eines von drei eingesandten Bildern aus. Offiziell in den Bestand aufgenommen wurde das Werk aber nie. Rave notierte, das „Bild ist so miserabel, dass es möglichst nicht inventarisiert werden soll“. In der Tat lässt sich das Gemälde „Hofinneres bei Bacharach“ wohl am ehesten als „Heimatkunst“ bezeichnen, die sich an der Malerei des 19. Jahrhunderts orientierte. | Emily Joyce Evans

Zerreißt den Gestellungsbefehl

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1951 zeigte Ebel „Zerreißt den Gestellungsbefehl“ auf der Ost-Berliner Ausstellung „Künstler schaffen für den Frieden“. In dem Bild sitzt ein junger Mann umgeben von Familienmitgliedern angespannt am Tisch. An der Wand hängen Schwarz-Weiß-Porträts von Männern in Uniformen des Ersten und Zweiten Weltkriegs – vermutlich Gefallene. Die Figuren im Bild scheinen einander zu trösten, sie reden und gestikulieren. Der Titel, wohl an die (männlichen) Betrachter gerichtet, appelliert an Mut und Ungehorsam. Denkt man an den Ausstellungtitel, so erscheint das Bild als prosaische Umsetzung der Ausstellungsthematik, geht es hier doch um die individuelle Kriegsdienstverweigerung als direkten pazifistischen Akt. Das Bild suggeriert, dass die großen politischen Ziele von Frieden und Freiheit auch von jedem Einzelnen durchgesetzt werden können. Die Lebensgeschichte der Malerin Toni Ebel ist ungewöhnlich. Sie wurde als Arno Ebel geboren, änderte 1929 ihren Vornamen und gehörte zu den weltweit ersten Personen, die eine geschlechtsangleichende Operation vornehmen ließen. Sie überlebte den Nationalsozialismus in Brünn und Prag, zog nach Kriegsende zurück in ihre Geburtsstadt Berlin, wo sie 1947 SED-Mitglied wurde. Bereits seit 1930 verdiente sie ihr Geld mit Malerei. In der DDR wurde über ihre Operation an Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft nicht gesprochen; möglicherweise war diese nicht bekannt. Sie erhielt als sozialistische Künstlerin Anerkennung. | Emily Joyce Evans

Fahnenträger

Fahnenträger

Am 10. Januar 1927 schrieb Edmund Forster, seit April 1925 Leiter der Universitäts-Nervenklinik in Greifswald, an den befreundeten Max Liebermann: „Nach Beratungen mit mir hat Lattner Entwürfe für die Möbel und die Bemalung der Wände gemacht. Ich habe die schlechten Reproduktionen durch 12 Aquarelle und ein Ölbild ersetzt. Zwei bisher ganz vernachlässigte Veranden konnten so zu sehr schönen Räumen (ohne große Kosten) umgestaltet werden“ (Max Liebermann, Briefe, Band 8: 1927–1935, Baden-Baden 2019, S. 23). Forster plante, in Berlin einen Vortrag über die Neugestaltung seiner Klinik zu halten, und wollte Liebermann als Akademiepräsidenten darauf aufmerksam machen. In den Jahren bis 1932 erwarb Forster von Lattner aus dem nahen Anklam noch weitere Aquarelle und vier Gemälde. Im Herbst 1933 nahm sich Edmund Forster das Leben (vgl. „Schlafende“, A IV 201). 1937 erklärte der Universitätszeichenmeister Wilhelm Kästner fast all diese Werke Lattners zur „entarteten Kunst“, nachdem sie schon jahrelang in einem Bodenraum der Klinik abgestellt gewesen waren. Im Auftrag des preußischen Kultusministeriums wurden 20 der Bilder Anfang 1939 der Nationalgalerie zur Aufbewahrung überwiesen (Universitätsarchiv Greifswald, Kurator Nr. 450, Bl. 338–342). Das in dem Brief an Liebermann erwähnte, heute im oberen Teil schwer brandgeschädigte Gemälde zeigt einen Mann in kämpferischer Haltung, der die Stange der hinter ihm wehenden Fahne mit beiden Händen gleich einer Waffe hält. Lattner hatte sein malerisches Werk mit expressiven Darstellungen einzelner Personen begonnen, Titel entsprechender Bilder lauten: Siegfried, Elia, Judas. | Angelika Wesenberg

Helmuth von Glasenapp

Helmuth von Glasenapp

Belesen und gebildet, am Schreibtisch sitzend neben Büchern – so hat Kurreck den Religionswissenschaftler und Indologen Helmuth von Glasenapp (1891–1959) porträtiert. Seit 1928 lehrte Glasenapp an der Albertus-Universität in Königsberg, an der er bis Kriegsende blieb. Das Porträt entstand 1930, womöglich als Auftragswerk der Universität. Kurreck selbst hatte sein Studium an der Kunstakademie in Königsberg begonnen und setzte es in Düsseldorf fort. Es folgten Weiterbildungen in Paris an der Académie Colarossi und in Rom an der Villa Strohl-Fern, in der bis 1913 auch Rom-Stipendiaten der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin unterkamen. Durch seine Kopie von Tizians Gemälde „Himmlische und irdische Liebe“ (1514; Galleria Borghese, Rom) gelangte Kurreck in Italien zu Bekanntschaft. Zunächst Bildnis- und Landschaftsmaler etablierte er sich später in München als Dekorationsmaler und Raumgestalter. Er leitete hier eine Werkstatt für Mosaikkunst und fertigte selbst Glasmosaike. Das Glasenapp-Gemälde wurde vermutlich – ebenso wie anderer preußischer Staatsbesitz – nach 1945 in die sowjetische Besatzungszone verbracht, nachdem Königsberg (ab 1946 Kaliningrad) sowie der gesamte nördliche Teil Ostpreußens nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs an die Sowjetunion gefallen waren. Glasenapp selbst trat 1946 eine Professur an der Universität Tübingen an. Sein Porträt gelangte in die Tresorverwaltung des Ministeriums der Finanzen der DDR und wurde 1959 von der Nationalgalerie übernommen. | Johanna Yeats