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Weißer Jüngling

Ident. Nr.: A III 251

ObjID: obj:959956

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Oskar Schlemmer (1888 - 1943),
Künstler*in
Datierung
1930
Weitere Titel
Sammlungstitel: Weißer Jüngling
Übersetzung: White Youth
Provenienz
Kauf: Kunstsammlungen der Stadt (Schloßmuseum), Breslau,
1932–27.9.1937
Beschlagnahmung: Deutsches Reich / Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Berlin,
27.9.1937 - 1943/44
Güstrow, Kunsthändler Bernhard A. Böhmer,
1943/44 - 3.5.1945
Nachlass Böhmer, Güstrow,
3.5.1945
Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung, Berlin/SBZ,
21.3.1947
Verwahrung: Museum der Stadt, Rostock,
21.3.1947 - 7.1949
Ehem. Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie,
7.1949 - 1951
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 60 x 45,5 cm
Erwerbung
1949 der Nationalgalerie aus dem Nachlass des Kunsthändlers Bernhard Böhmer übergeben. 1951 Schenkung des Magistrats von Groß-Berlin (Ost)

Objektbeschreibung

Mit dem „Weißen Jüngling“ hat Schlemmer eine idealtypische Einzelfigur geschaffen, einen „Umrissmenschen“ (Peter-Klaus Schuster, Die Nationalgalerie, Berlin 2001, S. 193), basierend auf linear-geometrischen Grundformen wie Zylinder, Kegel, Kubus. Schlemmer, der „Idealist der Form“ (ebd.), suchte nach Symbolwerten, er wollte das Formelhafte herausstellen. So wird der Oberkörper zum Trapez, das Bild aus Diagonalen und Geraden konstruiert und zugleich der organisch beschwingten Form wie beispielsweise der geschweiften Stuhllehne gegenübergestellt. Die androgyne, metaphysische Figur in der Helligkeit ihrer Darstellung und den „ganz lichten Lasuren“ (Oskar Schlemmer. Tagebücher, München 1985, S. 260) ist das Resultat umfänglicher figurativer Studien, Zeichnungen und Lithografien der 1920er-Jahre. Entstanden in engem Zusammenhang mit den Wandbildern (1934 zerstört) für den Brunnenraum im Museum Folkwang in Essen stellt die Einzelfigur einen Kontrapunkt zu den mehrfigurigen Kompositionen dar. Schlemmer vollendete das Gemälde am 12. Februar 1930 in seinem Atelier an der Kunstakademie in Breslau, an der er seit Kurzem als Professor tätig war. 1931 wurde es in Zürich und München ausgestellt, 1932 dann von der Stadt Breslau angekauft und wenig später als „entartete Kunst“ beschlagnahmt. Danach geriet es an den Kunsthändler Bernhard A. Böhmer. Nach dessen Freitod wenige Tage vor dem Ende des Krieges 1945 gelangte das Werk zunächst nach Rostock, bevor es 1949 der Nationalgalerie (Ost) übergeben wurde. | Johanna Yeats

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson