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Junge Russin

Ident. Nr.: B III 252

ObjID: obj:960017

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Georg Kolbe (1877 - 1947),
Künstler*in
Datierung
1924 (Guss 1924 oder 1925)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Junge Russin
Übersetzung: Young Russian
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 36 x 13,5 x 19 cm (inkl. Sockel)

Objektbeschreibung

Das Bildnis der jungen Frau war 1924 in der Berliner Akademie der Künste in einem speziellen Kolbe-Raum als verkäuflich ausgestellt. Den damaligen Titel, „Kopf Sascha J.“, änderte der Künstler später in „Junge Russin“. In derselben Ausstellung wurde eine lebensgroße „Kniende“ von 1924 gezeigt, deren Kopf dem Porträt auffallend gleicht (je eine Figur und ein Porträtkopf befinden sich im Georg Kolbe Museum, Berlin). Es liegt nahe, dass „Sascha J.“ bei Kolbe Modell gewesen war. Damit verbanden sich hier die beiden Hauptthemen des Bildhauers: die weibliche Aktfigur und das Bildnis. Dass Kolbe von dem aparten Gesicht der jungen Russin fasziniert war, belegt auch ein Exemplar des Bronzekopfes in seiner eigenen Sammlung. 1925 wurde eine zweite Bronze in der Berliner Gießerei Noack hergestellt, die im selben Jahr in Leipzig und in Dresden ausgestellt war. Ein dritter Guss entstand 1927 für die Museen der Stadt Freiburg. Das Exemplar der Nationalgalerie ist entweder die erste oder die zweite Bronze. Wo sich dieses Stück zwischen 1925 und 1986 befand, ist unbekannt. | Ursel Berger

Letzte Aktualisierung: 19.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Häuser am Wasser

Häuser am Wasser

Vor allem als Dichter und Schöpfer der Kunstfigur „Kuttel Daddeldu“ bekannt geworden, zeichnete und malte der Autodidakt Ringelnatz bereits seit seiner Jugend. Die frühesten als künstlerisch zu verstehenden Werke datieren von 1905 und damit einige Jahre vor den ersten schriftstellerischen Veröffentlichungen. Ab 1922 wandte sich Ringelnatz verstärkt der Malerei zu, 1923 stellte er in der Galerie Flechtheim in Berlin aus. „Häuser am Wasser“ gehört zu einer Motivserie über die Küste und die raue See, die den Übergang von Zivilisation zu ungebändigter Natur wiedergibt: zwei Pole, zwischen denen der Seemann Ringelnatz zu Beginn der 1900er-Jahre und im Ersten Weltkrieg sich häufig bewegt hatte. Analog zu seinem dichterischen Werk legte sich der Künstler auch in der Malerei stilistisch nicht fest: Zeitlich eng aufeinanderfolgend wechseln grafisch scharf gefasste Arbeiten und solche mit naiven, surrealen oder fantastischen Anklängen. Gemein ist den Werken mehrheitlich ein kleines Format. Im vorliegenden Fall steht dies in Spannung zur Komposition, die mit ihrer leichten Aufsicht und dem steilen, tiefen Horizont Größe suggeriert. Das Bild gelangte als Teil des Nachlasses der Bildhauerin Renée Sintenis in die Sammlung. Mit ihr hatte Ringelnatz eine innige Freundschaft verbunden. 1931 war sein Werk „11 Uhr nachts“ (WVZ Möbus/Westhoff 2000, 66) von der Nationalgalerie angekauft worden, 1937 wurde es als „entartet“ beschlagnahmt. Hildebrand Gurlitt erwarb es 1941 im Tausch vom Propagandaministerium. Dass es danach im Familienbesitz verblieb, offenbarte sich erst 2012 im Rahmen des „Schwabinger Kunstfundes“. | Katharina Wippermann

Selbstbildnis

Selbstbildnis

In diesem Hauptwerk scheint sich der Künstler an einer Lebenswende selbst zu befragen. 1927 war Ehmsen – mit Frans Masereel und Emil Nolde – in Berlin eine erste Ausstellung ausgerichtet worden. Im selben Jahr vollendete er seinen Grafikzyklus zu Gerhart Hauptmanns „Der Narr in Christo Emmanuel Quint“. Verkäufe aus Berliner Ausstellungen erlaubten ihm 1928 eine Studienreise durch Südfrankreich. 1929 zog Ehmsen nach Berlin und trennte sich von seiner Frau Hermine. Das Selbstbildnis an der Staffelei basiert auf Zeichnungen aus Südfrankreich (unter anderem Kupferstichkabinett, Berlin). Der Standort ist der Boulevard Aristide Briand im Jachthafen von Cassis. Die Komposition paraphrasiert in vollständiger inhaltlicher und formaler Umkehrung die „Geiselerschießung“ (A IV 487): Statt des geschlossenen Innenhofes im oberen Bildviertel sieht man das offene Meer; nicht darunter, sondern darüber, auf weißen Marmorstufen, den Boulevard. Angler sitzen am Fuß der Mole. Das Kolorit strahlt im klaren Klang der Trikolore: Blau-Weiß-Rot. Runde und scharfkantige Akzente balancieren in perfekt austariertem Gleichgewicht. Der keck unter der Leinwand durchgestreckte Fuß hat eine bedeutungsvolle Parallele in der Zeichnung „Nach dem Einschlag der Granate“ von 1914 (Abb. in: Heinrich Ehmsen, Ausst.-Kat. Museum der bildenden Künste Leipzig, 1964, Nr. 18). Es scheint, als fungiere er für Ehmsen als Chiffre des Lebenswillens: 1914 hatte der Fuß aus dem Schützengraben geragt, so wie auf derselben Zeichnung der Leichenfuß den Sarg durchstößt. Hier ragt er hoffnungsfroh aus dem Bildjenseits ins Diesseits des realen Lebens. | Kyllikki Zacharias

Adam II (Eva)

Adam II (Eva)

In den 1980er-Jahren schuf Peuker mehrere Gemälde zu den alttestamentlichen Figuren Adam und Eva. Auch wenn im Titel dieses Werkes „Eva“ lediglich in Klammern beigefügt ist, nimmt sie die rechte Bildhälfte vollständig ein, ihr rechter Arm reicht sogar darüber hinaus. Nackt, mit einer goldenen Halskette geschmückt, die an eine Schlange erinnert, steht sie im Bildvordergrund. In ihrer Hand hält sie einen grünen Apfel hoch, den sie mit prüfendem Blick ansieht. Eva wird durch ihr leuchtend helles Inkarnat und ihre Positionierung zur primären Bildakteurin, die aus der Dunkelheit – der Hintergrund verläuft in dunklem, teils monochromem Schwarz –hervorsticht. Während sie sich in einer aktiven Körperhaltung befindet, steht der nackte Adam, den Kopf leicht seitlich zum Boden geneigt, regungslos in der linken Bildhälfte. Seine passive Rolle wird dadurch unterstrichen, dass er – obgleich im Titel zuerst genannt – als verschattete Rückenfigur ins Bild gesetzt ist und beinahe im Schwarz der Umgebung aufgeht. Das Gemälde ist als Gegenstück zu „Adam I (Adam)“ (1981/1982) aufzufassen, in dem der Stammvater die aktive Rolle innehat, während die Gestalt der Eva das Gesicht hinter ihren Armen verbirgt. Einen Hinweis darauf, dass es Peuker weniger um den biblischen Mythos geht als um Fragen nach dem Verhältnis der Geschlechter zueinander, liefert die Figur der Eva, die im Gemälde „Adam II (Eva)“ die Gesichtszüge von Peukers erster Ehefrau Annette (vgl. „Bildnis Annette“, 1970/1971, A IV 514; und 1980/1981) trägt. | Michaela Mai

Frauen in der Kirche

Frauen in der Kirche

Ein Foto von „Frauen in der Kirche“ (Muche-Nachlass, Bauhaus-Archiv, Berlin) hat der Künstler auf 1935 datiert und mit der Anmerkung versehen: „Thematik Zuflucht Kirche. Ostermorgen“. Dieser Hinweis verbindet zwei gewichtige Themen: Glaube und die Bedrohungen der NS-Zeit. Muche war bereits im Laufe seiner religiösen Auseinandersetzung mit der Mazdaznan-Lehre und dem Katholizismus Anfang der 1920er-Jahre zu Letzterem konvertiert. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde er als Professor in Breslau entlassen und zog zunächst zurück nach Berlin. Die Kirche erscheint in seinem Bild als Ort, an dem Menschen, die in ihrem Glauben von der Beschneidung künstlerischer und persönlicher Freiheiten nicht berührbar sind, eine Zuflucht finden. Was für den Künstler möglicherweise selbst ein Schutzraum war, veranschaulicht er an den vier Gestalten im Kircheninneren. Drei Frauen stehen in andächtiger Haltung in einem Moment individueller Besinnung. Die vierte Figur durchquert mit einer Art Fackel die Szene. Sie erscheint hell und bunt im Licht und mutet mit ihrer Aureole fast wie ein Engel an. Durch das Fenster oben links sieht man einen düsteren Himmel. Das zunächst unverfänglich wirkende Motiv ermöglicht zusammen mit Muches Anmerkung einen Einblick in sein Leben während der NS-Zeit. Weitgehend zurückgezogen widmete er sich der Freskenmalerei und der Lehre. Zwar erhielt er kein Arbeitsverbot, aber Bilder von ihm wurden 1937 als „entartete Kunst“ beschlagnahmt. Später schrieb er: Das „Gewissen wurde zur einzigen Gewißheit unserer Existenz“ (Georg Muche, Blickpunkt. Sturm, Dada, Bauhaus, Gegenwart, München 1961, S. 119). | Emily Joyce Evans

Dünenlandschaft

Dünenlandschaft

Viegener war, abgesehen von einer Ausbildung zum Dekorationsmaler, Autodidakt. Anregungen erfuhr der in Soest Herangewachsene durch die Arbeiten von Christian Rohlfs, im Laufe der Zeit folgte er auch dem Vorbild vieler anderer Künstler. Nach einer expressiven, farbstarken Werkphase vollzog Viegener Ende 1922 einen durchgreifenden Stilwandel hin zu Gestaltungsweisen der Neuen Sachlichkeit. Der Eigenbrötler Viegener hat seine westfälische Heimatregion selten verlassen. „Reisen bedeuten ihm etwas Vorübergehendes, Zufälliges. Ein früher Aufenthalt in der Schweiz, eine mittwegige Fahrt ins Riesengebirge, die späte Erfüllung der Meersehnsucht dringen nicht so tief ins Blut, daß sie bedeutsame Bildspuren hinterlassen“, schrieb der das Werk über Jahre publizistisch begleitende Schriftsteller Hans Franck (Hans Franck, Leben und Werk Eberhard Viegeners, in: Das Bild, 2. Jg. [1935], H. 5, S. 275). Die „Dünenlandschaft“ ist Frucht der spät unternommenen Reise auf die Insel Sylt. Der Maler hat ihre breit hingelagerten Formen in fast monochromer Farbigkeit eingefangen, akzentuiert nur von zarten Gräsern und Buschwerk. An Hans Franck schrieb Viegener Ende 1930 über seine neueren Werke: „Diese Bilder liegen allerdings in einer grauen Skala, die mir notwendig erscheint, um später zu einer neuen Farbigkeit zu kommen, aber nichts desto trotz haben auch diese grauen Bilder eine verhaltene Farbigkeit“ (Brief vom 4.11.1930, in: Von Barlach bis Viegener. Die Kunstsammlung des Dichters Hans Franck, Ausst.-Kat., Schwerin, 1998, S. 138). | Angelika Wesenberg