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Die Jagd

Ident. Nr.: A III 467

ObjID: obj:960250

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Oskar Kokoschka (1886 - 1980),
Künstler*in
Datierung
1918
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Jagd
Übersetzung: The Hunt
Provenienz
Kunstsalon Paul Cassirer, Berlin,
23.9.1918
Kunsthandlung Gustav Nebehay, Wien,
1920
Kunsthalle Bremen,
1921–1927
Tausch: Georg Caspari, München,
1927–1930
Nachlass/Vermächtnis: Anna Caspari, München,
1930 - um 1933
Übereignung: Bankhaus Hardy & Co., München,
368024
Übereignung: Dresdner Bank, Filiale München,
15.8.1935
Kauf: Reichsfinanzministerium und Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung,
15.8.1935
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 100 x 150,5 cm
Erwerbung
1935 vom Preußischen Staat aus den Kunst-Beständen der Dresdner Bank angekauft und an die Staatlichen Museen zu Berlin überwiesen, Vorbesitz Annie Caspari, München

Objektbeschreibung

Seit Dezember 1916 hielt sich Kokoschka in Dr. Teuschers Sanatorium im Kurort Weißer Hirsch bei Dresden auf, um die Folgen seiner zweiten Kriegsverletzung auszukurieren. Schon im August 1915 hatte er in der Westukraine einen Kopfschuss und einen Bajonettstich in die Brust erhalten, ein Jahr später war er in die Sprengung einer Brücke am Isonzo geraten, bei der das Gleichgewichtsorgan im Ohr verletzt wurde. Entstanden ist das Bild vermutlich nach Kokoschkas Rückkehr aus Stockholm, wo der Ohrenspezialist und Nobelpreisträger Professor Robert Bárány im Auftrag des österreichischen Staates Kokoschkas Schwindelanfälle untersucht und ihm die Kriegsuntauglichkeit attestiert hatte. Das Grün der Bäume deutet eher auf den Herbst 1917 als auf das Frühjahr 1918 hin. Es blieb die einzige Jagddarstellung des Künstlers, der sich immer mit der Kreatur identifizierte und mehrfach regelrechte Porträts von Tieren gemalt hat. Die Parforcejagd mit Reitern und Hunden – ein gejagtes Wild ist nicht zu sehen – kann Kokoschka als „Zaungast“ in der Dresdner Heide nördlich der Stadt beobachtet haben. Das schwindelnd bewegte Bild ist ein Gleichnis auf seine Situation als Entkommener der wilden „Jagd“ des Krieges. Auch der mythische Zusammenhang von Jagd und Liebesqual ist nicht von der Hand zu weisen angesichts der Tatsache, dass Kokoschkas zweifache freiwillige Meldung zum Fronteinsatz die verzweifelte Reaktion auf das unglückliche Liebesverhältnis zu Alma Mahler war (vgl. „Mann mit Puppe“, B 1058). | Oliver Seifert

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson