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Versuchung II

Ident. Nr.: A IV 475

ObjID: obj:960694

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Volker Stelzmann (1940 -),
Künstler*in
Datierung
1978
Weitere Titel
Sammlungstitel: Versuchung II
Übersetzung: Temptation II
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1983
Abmessungen
Höhe x Breite: 60,5 x 85 cm
Erwerbung
1983 Ankauf vom Künstler, Leipzig

Objektbeschreibung

Seit den späten 1970er-Jahren schuf Stelzmann zahlreiche Gemälde, deren Titel und Motivik auf biblische Szenen verweisen, die in der Kunst bereits über Jahrhunderte verarbeitet worden sind. Hierzu zählen neben der Versuchung auch Szenen der Passion Christi wie Geißelung, Kreuzabnahme und Grablegung. Einige von ihnen enthalten zwar noch Elemente des überlieferten Motivkanons. In der Hauptsache sind diese Werke aber profanierte Adaptionen, deren Bildpersonal anhand von Kleidung und Frisur der Gegenwart Stelzmanns zuzuordnen ist. Es sind sinnbildliche Umdeutungen des biblischen Stoffs, die die Form verrätselter Figurenkonstellationen annehmen. Die „Versuchung“ der Neuen Nationalgalerie ist die zweite von insgesamt sieben Fassungen (vgl. Volker Stelzmann. 1967–1985. Werkverzeichnis der Gemälde und Grafik, Ausst.-Kat. Oberhausen, Berlin, Frankfurt am Main, 1985, Nr. 161, 208, 239, 257, sowie https://volkerstelzmann.de). Während es sich bei den anderen um figurenreiche und dramatisch bewegte Kompositionen handelt, zeigt „Versuchung II“ drei dicht gedrängt vor einer Wand stehende Männer. Jener auf der linken Seite redet auf den mittleren ein und legt dabei nahezu zärtlich seine Hand an dessen Ohr. Der Mann ganz rechts, mit gezwungenem Lächeln und gelöster Krawatte, macht einen dubiosen Eindruck. Seine Hand umgreift fest die Schulter des Mittleren. Die hier gesprochenen Worte sind nur für dessen Ohren gedacht und scheinen ihn – wie die ihn packende Hand – in Bedrängnis zu bringen. Liegt die Versuchung darin, dem Gesagten nachzugeben? Es drängt sich der Gedanke an einen Werbungs- oder Erpressungsversuch der Staatssicherheit der DDR auf. | Sophie Thorak

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

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Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson