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Akt mit Homerkopf

Ident. Nr.: A IV 28

ObjID: obj:960856

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wilhelm Lachnit (1899 - 1962),
Künstler*in
Datierung
um 1940/1941
Weitere Titel
Sammlungstitel: Akt mit Homerkopf
Übersetzung: Nude with a Bust of Homer
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Max Lachnit, Dresden,
1964
Material / Technik
Öl und Tempera auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 60 x 100 cm
Erwerbung
1964 Ankauf von Max Lachnit, dem Bruder des Künstlers, Dresden

Objektbeschreibung

Das allegorisierende Stillleben steht im Zusammenhang mit dem Angriff Italiens auf Griechenland Ende Oktober 1940. Das Land, in dem die abendländische Kultur zu klassischer Blüte gekommen war – dafür steht die Gipsbüste des Dichters der „Ilias“, Homer –, liegt, personifiziert in der nackten Frauenfigur im Bett, tödlich getroffen unter der Attacke des Faschismus. Natürlich war diese regimekritische und unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur lebensgefährliche Aussage nicht ungeschützt möglich. Sie erscheint hier maskiert unter dem zur Floskel erstarrten bildungsbürgerlichen Allgemeinplatz vom „Ewigschönen“ der Kunst, die das allzu kurze Leben des Einzelnen überdauere („vita brevis, ars longa“). Lachnit hat es gewissermaßen dem Geist der Betrachter:innen überlassen, hinter und unter dem buchstäblich blutleeren Arrangement von gipsweißer Klassikerbüste und marmornem Frauenleib die Glut eines leidenschaftlichen Plädoyers für das „wahre Leben“ der Kunst zu vernehmen und mit eigenen Augen zu sehen: Auf der Ebene der Faktur ist dem Maler eine subtile Verlebendigung der Züge des Dichters gelungen, die ihresgleichen sucht. Im Streiflicht zeichnen sich messerscharf die kummervollen Züge des blinden Sehers ab, und durch die koloristische Behandlung beginnt das kalkige Weiß förmlich zu vibrieren. So zwingt die Machart der Malerei selbst den Betrachter, die Bildungsfloskel beim Wort zu nehmen, wie übrigens auch die beiden allerersten Worte des Epos über den Trojanischen Krieg: „Μῆνιν ἄειδε“ – „Singe den Zorn“! | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

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Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson