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Schnitt mit dem Küchenmesser Dada durch die letzte Weimarer Bierbauch-Kulturepoche Deutschlands

Ident. Nr.: NG 57/61

ObjID: obj:961048

Erworben aus Mitteln der BASF, Ludwigshafen
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hannah Höch (1889 - 1978),
Künstler*in
Datierung
1919
Weitere Titel
Sammlungstitel: Schnitt mit dem Küchenmesser Dada durch die letzte Weimarer Bierbauch-Kulturepoche Deutschlands
Übersetzung: Cut with the Kitchen Knife Dada through the Last Weimar Beer-Belly Cultural Epoch in Germany
Provenienz
im Besitz der Künstlerin,
1961
Galerie Meta Nierendorf, Berlin,
1961
Material / Technik
Papier auf Karton, Collage
Abmessungen
Höhe x Breite: 114 x 90 cm
Erwerbung
1961 Ankauf von der Galerie Meta Nierendorf, Berlin, aus Spendenmitteln der Badischen Anilin- und Sodafabriken (BASF), Ludwigshafen

Objektbeschreibung

Ihren Sommerurlaub des Jahres 1918 verbrachten Höch und ihr Lebensgefährte, der Künstler Raoul Hausmann (vgl. „Die Mücke ist tot“, B 68/5), auf der Ostseeinsel Wollin. In ihrer Unterkunft entdeckten sie ein Militärgedenkblatt, das sie zu eigenen dadaistisch-absurden Bildkompositionen anregte (vgl. Hannah Höch. Aller Anfang ist Dada!, Ausst.-Kat. Berlinische Galerie, 2007, S. 165, Abb. S. 10). Zurück in Berlin schufen sie erste Dada-Fotomontagen. Hausmann habe dabei „bewußt die Anregung gegeben, Neubildungen zu erreichen durch Zerschneiden, Umformen oder Entformen, Weglassen oder Hinzufügen, und damit Formgebung, Farbe, Inhalt völlig zu verfremden“, erinnerte sich Höch später. Ähnliches habe sie auch mit ihrer Großcollage gewollt. „Nur hatte ich es bildmäßig mit vielen Fotos gemacht, die nach Inhalt Gruppen bildend – eine Aussage ergaben“ (zit. nach ebd., S. 165). Dargestellt sind Protagonisten aus Politik, Wissenschaft und Kultur. In der oberen Bildhälfte verbinden sich technischer Fortschritt und kriegerische Politik, vertreten etwa durch Albert Einstein und den letzten deutschen Kaiser, Wilhelm II. Im unteren Teil assoziiert Höch den Dadaismus als Massenbewegung, stets darum bemüht, anerkannte Autoritäten zu tranchieren. Auffallend häufig hat die Künstlerin einen ironischen Geschlechtertausch inszeniert, indem etwa Paul von Hindenburg als Bauchtänzerin und George Grosz als Ballerina auftreten. Es ist eine gründliche Foto-De-Montage, mit der Höch ihrer Zeit begegnet ist. Bereits 1920 fand dieses Epochenbild der Weimarer Republik auf der „Ersten Internationalen Dada-Messe“ in Berlin besondere Beachtung. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson