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Hockender

Ident. Nr.: B 483

ObjID: obj:961151

1961 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Schmidt-Rottluff (1884 - 1976),
Künstler*in
Datierung
1952
Weitere Titel
Sammlungstitel: Hockender
Übersetzung: Squatting Male Figure
Material / Technik
Naturstein
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 18,7 x 13,4 x 4,7 cm
Erwerbung
1961 Ankauf vom Künstler, Berlin, durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Anfang der 1950er-Jahre verbrachte Schmidt-Rottluff die Sommerwochen in Sierksdorf an der Ostsee. Wie bereits vor dem Krieg in Jershöft nutzte er die Aufenthalte an der See zum Bearbeiten dafür geeigneter Steine, die er an den Stränden auflas und aus denen er später Kleinplastiken schuf („Kopf“, B 485). Die meisten der heute bekannten, gut hundert Arbeiten entstanden 1951 bis 1953 in Sierksdorf. Aus den Steinen formte er Köpfe oder Figuren, vollplastisch oder als Relief, so den eindrucksvollen Rückenakt mit gedrehtem Kopf und erhobenem Arm (Inv.-Nr. B 484). Mitunter fertigte Schmidt-Rottluff Vorzeichnungen für einen konkreten Stein, in dessen Umrisse er die passende Figur einzeichnete. Für die hockende Figur (Inv.-Nr. B 483) hat sich solch eine Zeichnung erhalten, sie gehörte wie der Stein selbst ehemals der Freundin und Förderin Rosa Schapire, die 1953 eine erste Ausstellung dieser Kleinplastiken im englischen Leicester organisierte und ihnen damit Kunstwürde verlieh. Die Gestaltung der Arbeiten folgt dem expressiven Stil von Schmidt-Rottluffs Grafik und Malerei. Sie wirken daher trotz ihrer geringen Dimension oft monumental. Alle drei bearbeiteten Steine der Nationalgalerie wurden 1960 von der Stadt Berlin beim Künstler für die Galerie des 20. Jahrhunderts erworben. Deren Gründer, Adolf Jannasch, hatte 1954 zum 70. Geburtstag des Künstlers eine große Schmidt-Rottluff-Ausstellung in Berlin ausgerichtet, in die er auch viele plastische und kunsthandwerkliche Arbeiten mit einbezog. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson