Logo

Mutter und Kind

Ident. Nr.: A IV 631

ObjID: obj:961316

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wilhelm Lachnit (1899 - 1962),
Künstler*in
Datierung
1921
Weitere Titel
Sammlungstitel: Mutter und Kind
Übersetzung: Mother and Child
Material / Technik
Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 19,5 x 14,5 cm
Erwerbung
1990 Schenkung von Marianne Schumann, Wehlen

Objektbeschreibung

Die kleine Holztafel, eines der wenigen erhaltenen Werke Lachnits der 1920er-Jahre, entstand im ersten Studienjahr des angehenden Künstlers. Nach einer Lehre als Schriftmaler und Lackierer während des Ersten Weltkriegs hatte sich Lachnit in Abendkursen der Dresdner Kunstgewerbeschule weitergebildet und aufgrund seiner herausragenden Begabung eine Freistelle an der dortigen Kunstakademie erhalten. Hier fand er Anschluss an Kommilitonen wie Otto Griebel, Curt Großpietsch, Eugen Hoffmann und Eric Johansson, deren Kunst zu der wenig später unter dem Begriff „Neue Sachlichkeit“ bekannt gewordenen Richtung zählte. Eine führende Rolle spielte der acht Jahre ältere Otto Dix, Meisterschüler an der Akademie, der sich 1919 mit Conrad Felixmüller der Dresdner Sezession Gruppe 1919 anschloss. 1921 malte Dix eine „Frau mit Kind“ (Galerie Neue Meister, Dresden), die unmittelbar zum Vorbild Lachnits wurde. Aber im Gegensatz zur dortigen schonungslosen Sozialkritik hat Lachnit mildere Töne gewählt. Trotz aller Tristesse, der ausgesetzten Position auf der Straße vor der abweisenden Mauer, behauptet sich im Zueinander von Mutter und Kind eine menschliche Wärme. In der abgehärmten Arbeiterfrau bleibt von Ferne der spätmittelalterliche Typus der „schönen Madonna“ spürbar, mit der charakteristischen Seitenneigung des Oberkörpers und dem wissenden, übergroßen Gesicht des Kindes. Eine Kirche ist hart an den äußersten Rand gedrängt, und die Bäume wirken wie tot, aber die Mauer endet kurz vor dem Bildrand, und ein Baum steht, Halt und Hoffnung gebend, kompositorisch in absichtsvoller Fortsetzung der Körperachse des Kindes. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson