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Großer Schreitender

Ident. Nr.: B 12

ObjID: obj:961328

1949 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Ernesto de Fiori (1884 - 1945),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1921
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Großer Schreitender
Übersetzung: Tall Striding Figure
Geografische Bezüge
faktischer Entstehungsort: Berlin
Provenienz
Kauf: Regierungsrat Staub, Storkow-Beeskow/Pieskow,
1926/27 - 1949
Kunstversteigerer Horst A. Rittershofer, Berlin,
ab 1949
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1949–1968
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 210 x 63 x 84 cm
Erwerbung
1949 Ankauf von dem Kunstversteigerer Horst A. Rittershofer, Berlin, durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Erhaben und würdevoll scheint sich der „Große Schreitende“ auf ein Ziel zuzubewegen und strahlt dabei eine innere Ruhe aus. Die Maße sind mächtig: Mehr als zwei Meter misst die Bronze, doch sie wirkt nicht klobig. Im Entstehungsjahr präsentierte sie der Bildhauer auf der „Großen Berliner Kunstausstellung“. Das Publikum war hingerissen. Die zeitgenössische Kritik lobte die Ganzheitlichkeit der Figur, deren vollkommene Erscheinung nicht nur einzelne Passagen, sondern den gesamten Körper auszeichne, und sprach von großer Kunst. De Fiori müsse den Vergleich mit Auguste Rodin nicht scheuen, mit dem „Großen Schreitenden“ übertreffe er dessen Gehfiguren sogar, so begeistert war der Kunsthistoriker Wilken von Alten, dass er Parallelen zur Antike zog: „Voll höchster Aktivität und individuellsten Lebens“ sei das Werk, dem man erlauben würde, es „auf schöngeformter Hügelkuppe unter die blaue Wölbung hellenistischen Himmels zu stellen“ (Wilken von Alten, Ernesto de Fiori, in: Der Cicerone, 15. Jg. [1923], H. 1, S. 20). Das erste Werkverzeichnis zu de Fiori listet 1926 drei Exemplare des „Großen Schreitenden“ auf (WVZ Diehl 1926, 23). Der Abguss der Nationalgalerie stammt aus dem Besitz des Pieskower Regierungsrates Staub, in dessen Garten die Skulptur von 1926 bis 1949 stand. Wie sein kleinerer Kompagnon, der „Schreitende“ (B 35), wurde auch diese Gehfigur von Direktor Adolf Jannasch für die West-Berliner „Galerie des 20. Jahrhunderts“ angekauft. | Sven Haase

Letzte Aktualisierung: 18.09.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Straße

Straße

Im Frühjahr 1930 schloss Heldt sein Studium ab. Anschließend besuchte er Paris und begegnete dort auch dem Maler Maurice Utrillo. Er liebte dessen Bilder stiller, melancholischer Straßen auf dem Montmartre oder in den Vororten von Paris, wie man auch in einem seiner poetischen Texte lesen kann. Den Beginn des eigenen Werkes in der Berliner Tradition des 19. Jahrhunderts aber bedauerte er nicht. An den Studienfreund Hans Kuhn schrieb er noch 1951: „Wir gingen vom Braun aus, und das gab ein gutes Fundament zur Entwicklung des Kolorits. Ohne Kolorit gibt es keine Befreiung der Farbe. Die große Erschütterung brachten van Gogh, Utrillo, Rousseau; das machte den Weg frei zur Ausbildung einer Sensibilität, die demjenigen, der eine solche Entwicklung nicht erlebt hat, jenseits des Malerischen zu liegen scheint“ (zit. nach WVZ Schmied/Seel 1976, S. 21). Nach seiner Paris-Reise findet sich bei Heldt für kurze Zeit, wie bei dieser Straßensicht, viel Rosa nach dem Vorbild Utrillos. Jenem entspricht aber die wie mit dem Lineal gebaute Komposition keineswegs. Das Gemälde „Straße“ besitzt nichts Anekdotisches: Personen, Laternen, Beschriftungen fehlen. Wir sehen eine Mauer, einen Baum und drei kubische Häuser mit leeren Giebelflächen, Fenster und Türen als schwarze Rechtecke. Das Kolorit ist auf wenige helle Farben reduziert, die einzelnen Flächen aber sind sorgfältig in mehreren Farbschichten aufgebaut. So entstanden malerische Hauswände, wie Heldt sie an den Bildern Utrillos bewunderte. | Angelika Wesenberg

Selbstporträt

Selbstporträt

Zeitlebens porträtierte sich Händler selbst, wobei er sich immer in seiner Profession darstellte – wenn nicht direkt in seinem Atelier, dann stets mit Attributen, die ihn als Maler ausweisen. In „Selbstporträt“ (1978) verortet sich der Künstler in seinem karg und eng wirkenden Arbeitsraum als Bruststück in Dreiviertelansicht im Mittelpunkt des Bildes – umgeben von Objekten, die auf seine Tätigkeit verweisen: Links im Vordergrund erblickt man die im Anschnitt dargestellte Rückseite einer auf den Keilrahmen gespannten Leinwand, aus der rechten unteren Bildecke hereinkommend zwei aufeinanderliegende Farbkästen mit Tuben auf einem Tisch. An der Wand im Hintergrund hängen drei Bilder, die auf Händlers bevorzugte Genres hindeuten: Links im Hochformat ein weiblicher Akt, rechts ein Stillleben im Querformat, darunter ein Kopfstück. Der Maler selbst scheint der Leinwand vor ihm zugewandt, doch sein Blick geht an ihr vorbei zu den Betrachtenden. Charakteristisch ist nicht nur die vorwiegend auf Grau-, Braun- und Ockertönen basierende Farbpalette, sondern auch der Blick aus dem Bild: Die fortwährende Selbstbefragung, die Händler in seinen Selbstbildnissen anstellt, findet stets im Angesicht seines Gegenübers – seiner Zeit und Zeitgenoss*innen – statt. Dabei ist ein unscheinbares Detail, das auch in Gruppenbildern wiederkehrt, die brennende Lampe, die in diesem Gemälde als Symbol für das Sehen im Sinne von (Selbst-)Erkenntnis steht. | Michaela Mai

Schreitende Frau mit Krug

Schreitende Frau mit Krug

Mit ihrer Hinwendung zu einem naturalistischeren Stil entwickelte Steger auch einen neuen Frauentyp. Dieser ist weniger bewegt und expressiv als ihre früheren Figuren und von einer herben, zeitlosen Schönheit. Ihre kleinformatige „Schreitende Frau mit Krug“ wird von einem durchsichtig wirkenden Tuch in ihrer Nacktheit eher umspielt als verdeckt. Den Kopf hält sie geneigt, im verklärt nach oben gewandten Antlitz sind die Augen geschlossen. Trotz der angedeuteten Schrittbewegung wirkt die Figur statuarisch. Der Blickpunkt liegt auf dem markant modellierten Gesicht und dem Krug, den die Frau auf der rechten Schulter trägt. Krugträgerinnen waren seit der Antike und später vor allem im Klassizismus ein gängiges Bildmotiv und Symbol der Reinheit. Als Bildhauerin hatte sich Steger schon früh und als eine der wenigen Frauen in der Kunstwelt der Weimarer Republik etabliert. An ihr prallte das Vorurteil ab, dass Frauen zu schwach seien, Materialien wie Holz und Stein zu bearbeiten. Sie wurde als Talent gefeiert, welches sich einer geschlechtsspezifischen Zuordnung entziehe und „nur noch der künstlerisch empfindende, erlebende und arbeitende Mensch“ sei (Zwei Bildnerinnen über ihr Schaffen, in: Koralle, 4. Jg. [1936], H. 5, S. 156). Mit burschikosem Kurzhaarschnitt und stets in Männerkleidung auftretend entzog sich Steger auch optisch den herrschenden Normen von Weiblichkeit. Sie trat für die Rechte von Frauen ein, kämpfte 1919 für deren Zulassung an den Kunstakademien und reaktivierte 1927 den Verein der Berliner Künstlerinnen, an dessen Unterrichtsanstalt sie von 1929 bis 1942 die Klasse für Bildhauerei leitete. | Maike Steinkamp