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Kanal im Winter

Ident. Nr.: A II 1011

ObjID: obj:961604

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Erich Heckel (1883 - 1970),
Künstler*in
Datierung
1913
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kanal im Winter
Übersetzung: Canal in Winter
Provenienz
Heinrich Simon, Frankfurt am Main,
389232
Marie Luise und Dr. Friedrich Stock, Berlin,
1946
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 70 x 80 cm
Erwerbung
1946 Vermächtnis Marie Luise und Dr. Friedrich Stock, Berlin

Objektbeschreibung

Im Herbst 1911 verlagerte Heckel seinen Lebensmittelpunkt von Dresden nach Berlin, parallel zu seinen Kollegen der Brücke. Sie erhofften sich einen offeneren Geist für ihre künstlerisch neuartigen Werke, bessere Verkaufsmöglichkeiten, aber auch Anregungen und Inspiration durch das geschäftige Ausstellungswesen und die lebendige Szene der Avantgarde in Kunst und Literatur. Da der Expressionismus der Brücke den Ausdruck des Lebensgefühls und der emotionalen Wahrnehmung anstrebte, war es nur konsequent, dass sich in der Metropole die Farbwelt verdüsterte. Als hätte sich der Schmutz der Großstadt über die Werke gelegt, erscheinen die Arbeiten Heckels nun verdunkelt, die Farben mit Schwarz vermischt. Eine besondere Werkgruppe bilden die 1913 entstandenen Landschaften, die von einem hintersinnigen Geist durchweht sind. Die Stadtlandschaft Berlins kommt bei Heckel kaum vor, stattdessen suchte er die Natur der ländlichen Umgebung oder, wie hier, der Parks. In den Wasserspiegelungen äußert sich sein Bedürfnis, das Unfassbare und Metaphysische bildnerisch zu greifen. Dieses neue Interesse Heckels hing womöglich auch mit der sich seit 1912 entwickelnden Freundschaft zu Lyonel Feininger und Franz Marc zusammen. Letzterer schrieb an Wassily Kandinsky über Heckels Werke: „Der Sinn seiner Bilder scheint mir irgendwo ganz weit hinten im Bild zu liegen“ (Brief vom 10.1.1912, in: Klaus Lankheit [Hrsg.], Wassily Kandinsky, Franz Marc. Briefwechsel, München/Zürich 1983, S. 110). | Janina Dahlmanns

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson