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Der umfunktionierte Student

Ident. Nr.: B 909

ObjID: obj:961667

1968 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hans-Jürgen Diehl (1940 ),
Künstler*in
Datierung
1968
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der umfunktionierte Student
Übersetzung: The Repurposed Student
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 150 x 115 cm
Erwerbung
1968 Ankauf von der Galerie Großgörschen, Berlin (West), durch die das Land Berlin und die Deutsche Gesellschaft für bildende Kunst e. V. aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie Berlin (West)

Objektbeschreibung

Diehl studierte ab 1959 an der Akademie der Bildenden Künste in München, bevor er 1961 an die École nationale supérieure des beaux-arts, Paris, wechselte. 1964 kam er nach Berlin, wo er bis 1966 an der Hochschule für Bildende Künste studierte, Meisterschüler von Hann Trier wurde und 1964 die Selbsthilfegalerie Großgörschen 35 mitbegründete. In Berlin traf er auf ein politisches Klima, das sein Schaffen dieser Jahre prägen sollte. Den Forderungen der sogenannten Studentenrevolte verlieh der Vertreter des Kritischen Realismus in seinen Werken Ausdruck und machte Manipulation und Entmündigung zu zentralen Themen seiner Malerei. „Der umfunktionierte Student“ ist verkabelt. Ein Schlauch verläuft von seinem Ohr zu einem scheinbar einzeln an den linken Bildrand gesetzten Ohr. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die dazugehörige Figur, deren Profil schemenhaft angedeutet ist, während Hemdkragen und Jackett deutlicher ausgearbeitet sind. Durch ein Gerät scheint die mysteriöse zweite Figur dem Studenten direkt in den Kopf zu schauen. Das Kürzel „Pol“ in der oberen rechten Ecke könnte gleichermaßen für „Politik“ wie für „Polizei“ stehen. Ein weiterer Schlauch verbindet den Studenten mit einem Glas, in dem der geschrumpfte Kopf des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke schwimmt. Debatten um die NS-Vergangenheit Lübkes befeuerten die Unruhen im Entstehungsjahr des Gemäldes. Auch bei der Eröffnung der Neuen Nationalgalerie am 15. September 1968 kam es zu verschiedenen Protest- und Flugblattaktionen durch Studierende. | Tizian Holzbach

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz

Bauer, Weihwasser nehmend

Bauer, Weihwasser nehmend

Den Türrahmen fast vollständig ausfüllend, mit schweren Pantinen und großem Hut bekleidet, tritt ein Bauer auf dem in dunklen, erdigen Farben gehaltenen Gemälde von Egger-Lienz über die Schwelle einer einfachen Holzstube. Dabei taucht er seine Hand in ein Weihwasserbecken neben der Tür, ein durchaus übliches Ritual der Reinigung in katholischen Privathaushalten zur Entstehungszeit des Bildes. Ebenso wie dieses Spätwerk des Künstlers ist das gesamte Œuvre des Malers, der an der Münchner Akademie der bildenden Künste studiert hatte, von einer religiös gefärbten, realistischen und gleichsam idealisierenden Darstellung der bäuerlichen Alltagswelt geprägt. Die Formensprache ist dabei auf das Wesentliche reduziert. 1909 schrieb der damals im österreichischen Exil lebende Leo Trotzki anlässlich einer Ausstellung der Wiener Secession über Egger-Lienz’ Arbeiten: „Bei Egger gibt es nichts Überflüssiges. Er hält sich keinen Augenblick bei Einzelheiten auf. Die Farben sind ohne Nuancen, die Schatten der Gestalten nur schematisch angedeutet“ (Leo Trotzki, Die Wiener Secession, in: ders., Literatur und Revolution, Essen 1994, S. 478). Der Künstler selbst sagte über sich: „Ich male keine Bauern, sondern ‚Formen‘, so scheint es mir“ (Brief an O. Kunz, 12.5.1924, zit. nach Wilfried Kirschl, Albin Egger-Lienz, Wien 1977, S. 436). Wahrgenommen wird Egger-Lienz’ Werk dennoch vor allem durch das dominierende Sujet des Bauern und einfachen Mannes, das letztlich auch die konservative, teils nationalistische Rezeption seiner Arbeit bestimmt hat. | Maike Steinkamp