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Meerfrau

Ident. Nr.: A IV 633

ObjID: obj:961680

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Walter Jacob (1893 - 1964),
Künstler*in
Datierung
1921
Weitere Titel
Sammlungstitel: Meerfrau
Übersetzung: Mermaid
Provenienz
Rudolf Wiltschek, Berlin,
368317
Übereignung: Dresdner Bank, Berlin,
15.8.1935
Kauf: Reichsfinanzministerium und Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung,
15.8.1935
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 80 x 60,5 cm
Erwerbung
1935 vom Preußischen Staat aus den Kunst-Beständen der Dresdner Bank angekauft und an die Staatlichen Museen zu Berlin überwiesen, Vorbesitz Rudolf Wiltschek, Berlin. Als NS-verfolgungsbedingter Entzug identifiziert und nach erfolgloser Erbensuche als Fundmeldung bei Lost Art eingestellt (Lost Art-ID 618172).

Objektbeschreibung

Jacob studierte von 1919 bis 1921 an der Kunstakademie in Dresden als Meisterschüler von Robert Sterl. Das Bild „Meerfrau“, das er in seinem letzten Studienjahr malte, zeigt jedoch in Pinselduktus und Komposition deutlichere Analogien zur expressionistischen Kunstauffassung Oskar Kokoschkas, der seit 1919 ebenfalls eine Professur in Dresden innehatte. Der dem Wasser entsteigende weibliche Akt entstand während eines Aufenthaltes auf der Nordseeinsel Hooge, auf welcher der Künstler die Einsamkeit der Natur suchte. An seinen Freund, den Kunstkritiker und Archivar Walter Grünert, schrieb Jacob kurz nach Fertigstellung des Werkes: „Beim Malen dieses Mädchenleibes dachte ich immer an die Sonne, die Landschaft ist dunkel schwer Zinnober-feuernd. – Ach + wie leise Ahnungen sind diese Sachen alle erst von dem, was in mir lebt = tost = Feuert + was ich noch zu schaffen habe!!! Ich reise mit Katja anfang Mitte Juli hier ab um dann sofort in die Alpen zu verschwinden!!! Bergriesen will ich … malen + diese Bergriesen mit dem Meer verbinden!!! Näher zur Sonne!!!“ (Brief vom Juni 1921, zit. nach Jutta Penndorf, Walter Jacob, 1893–1964. Eine Retrospektive, Ausst.-Kat., Altenburg, 1993, S. 19). | Irina Hiebert Grun

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson