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Junger Kutscher

Ident. Nr.: A IV 374

ObjID: obj:961715

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Fritz Tröger (1894 - 1978),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1930
Weitere Titel
Sammlungstitel: Junger Kutscher
Übersetzung: Young Coachman
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1978
Nachlass/Vermächtnis: Nachlass des Künstlers (Gertrud Tröger, Dresden),
1978–1979
Material / Technik
Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 74,5 x 53 cm
Erwerbung
1979 Ankauf aus dem Nachlass von der Schwester des Künstlers, Dresden

Objektbeschreibung

Straßenbahnschaffner, Tischler, Maschinenschreiber – der einfache werktätige Mensch war seit 1928 ein wiederkehrendes Motiv bei Tröger. Ab den späten 1940er-Jahren kamen (Industrie-)Landschaften hinzu. Auch Otto Griebel, Wilhelm Dodel, Curt Querner und andere Dresdner Maler der Neuen Sachlichkeit widmeten sich in den 1920er- und 1930er-Jahren den hart arbeitenden und beständig um ihre Existenz ringenden Menschen. Doch während sich in deren Darstellungen die Entbehrungen des Alltags in den Gesichtern ablesen lassen (vgl. etwa Querners „Kohlenträger Nitsche“, A IV 473), sind Trögers Bildnisse frei von Sozialkritik. Meist hat er die von ihm Porträtierten in einem Moment des Innehaltens, beim Nachdenken oder Tagträumen wiedergegeben – so auch den jungen Kutscher, der zurückgelehnt und lächelnd in den Himmel blickt. Ein Foto dieses Werkes sandte Tröger zusammen mit drei weiteren an den Direktor der Nationalgalerie, Eberhard Hanfstaengl (SMB-ZA, V/Slg. Künstler, Tröger, Fritz, Fotomappe). Im dazugehörigen Brief äußerte er sich besorgt über „die Welle nichtssagender Erzeugnisse, die als Kunst ausgegeben werden“ (Brief vom 30.10.1934, SMB-ZA, V/AS 1470). Dies mag auch Ausdruck einer persönlichen Misere gewesen sein. Noch im Juni 1932 hatte Tröger als Mitglied der Dresdner Sezession 1932 die Freiheit der Kunst gefordert, doch bereits im Jahr darauf präsentierte er sich als Anhänger des neuen politischen Systems. Zwar konnte er bis Kriegsende weitgehend ungehindert arbeiten und ausstellen, in größeren Kunstausstellungen waren seine stilisierten Werke jedoch nicht mehr zu sehen. | Franziska Lietzmann

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Badende

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Die Statue scheint 1909 für einen mehrfigurigen Brunnen konzipiert worden zu sein, was den Titel „Badende“ erklärt. Um 1910 wurde jedoch nur eine einzelne Bronzefigur hergestellt, die an der Fassade eines 1910/1911 errichteten Miets- und Geschäftshauses in der Hardenbergstraße 1 in Berlin-Charlottenburg ihre Aufstellung fand. Der Eigentümer dieses „Haus am Knie“ genannten Gebäudes und damit auch der Figur war der Architekt und Immobilienunternehmer Arthur Vogdt. Die Fassade hatte der junge Bruno Taut entworfen. Die Statue stand auf einem hohen Sockel am Eingang des Hauses; ihre auffallende Drehung war auf diesen Standort abgestimmt. Wegen eines Schreibens des Bildhauers Richard Scheibe wurde die Figur früher auf 1904/1905 datiert; das trifft jedoch genauso wenig zu wie die Datierung um 1906 (Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914, Ausst.-Kat. Skulpturengalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin, 1990, Nr. 124). Die Angabe „um 1910“ dagegen entspricht der Bauzeit des Hauses. Damals schuf Kolbe auch eine große Frauenstatue nach dem Modell der späteren Bildhauerin Renée Sintenis (Georg Kolbe, 1877–1947, Ausst.-Kat. Georg Kolbe Museum, Berlin, 1997, Abb. S. 27). Wegen der Proportionen, der aufgerichteten Haltung und des herben Gesichts dürfte die „Badende“ nach demselben Modell entstanden sein. Im Zweiten Weltkrieg wurde das „Haus am Knie“ zerstört. Die Statue gelangte in den Besitz von Kurt Reutti, der zahlreiche Kunstwerke aus Berliner Kriegsruinen rettete. 1957 war die Bronze eine der ersten Erwerbungen für die Nationalgalerie (West). | Ursel Berger

Mädchen aus Xanten

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Der Düsseldorfer Bildhauer Zimmermann schuf Plastiken für den öffentlichen Raum und für Kirchen. Er hatte an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Alexander Zschokke studiert; kurzzeitig lebte er in Berlin (1932/1933) und Kassel (1936). Während der NS-Zeit war er beruflich erfolgreich. Das „Mädchen aus Xanten“ schuf er wohl im Auftrag der Xantener Dombauhütte. Es existierte eine Fassung aus Ton, deren Verbleib unbekannt ist. Die Bronze befand sich bereits 1937, im Jahr ihrer Entstehung, im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin. Damit changierte die Wahrnehmung der Figur: zwischen der Lesart in einem religiösen Zusammenhang und der als ideologisch geprägte, politisch sanktionierte Darstellung, die offenbar geeignet erschien, ein nationalsozialistisches weibliches Ideal zu repräsentieren. Das „Mädchen“, das eher nach einer herangereiften jungen Frau aussieht, steht solide in Lebensgröße da, die Form ist einfach und glatt. Unter der eng anliegenden Kleidung zeichnen sich die weiblichen Konturen deutlich ab, ohne Erotik auszustrahlen; die Gestalt ist kräftig, aber nicht muskulös, der Kopf mit einem Tuch bedeckt. Das Werk war wohl nie in Berlin öffentlich ausgestellt; nach 1945 geriet es, höchstwahrscheinlich aufgrund seines Besitzes durch eine NS-belastete Institution, in völlige Vergessenheit. In den 1970er-Jahren wurde es im Keller des Pergamonmuseums in einer Holzkiste gefunden und 1980 der Nationalgalerie (Ost) übergeben. | Emily Joyce Evans