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Auschwitz (II)

Ident. Nr.: A IV 640

ObjID: obj:961727

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Horst Zickelbein (1926 - 2024),
Künstler*in
Datierung
1981
Abmessungen
Höhe x Breite: 89 x 100 cm
Erwerbung
1991 Ankauf vom Künstler, Berlin

Objektbeschreibung

Schon während der Shoah hatten Künstler*innen versucht, das Grauen der Verfolgung und Ermordung von Jüdinnen und Juden in ganz Europa durch die Nationalsozialisten darzustellen. Ihre Erfahrungen konnten unterschiedlicher kaum sein. Leo Haas (1901–1983) hatte Auschwitz überlebt, Bedřich Fritta (1906–1944) wurde dort ermordet. Ihre Zeichnungen und Skizzen waren im Angesicht des Völkermordes entstanden. Lea Grundig (1906–1977) schuf ihren drastischen Zyklus „Im Tal des Todes“ in den 1940er-Jahren aus der Perspektive des Exils in Palästina, wohin ihr die Flucht geglückt war. Horst Strempel (1904–1975), später Zickelbeins Lehrer in Berlin-Weißensee, war kein Jude, hatte aber 1941 die französische Lagerhaft erlebt. Seine Eindrücke verarbeitete er nach dem Krieg in seinem monumentalen Gemälde „Nacht über Deutschland“ (A III 257). So unterschiedlich ihre Erfahrungen auch waren, eines hatten diese Künstler*innen gemeinsam: Sie stellten den Holocaust figürlich dar, malten Menschen im Lager, Szenen der Transporte und Todesmärsche, der Arbeit und der Vernichtung. Zickelbein verzichtete darauf, die Geschichte des im Bildtitel genannten Ortes zu erzählen.Err wählte die Abstraktion als Mittel, sich möglicherweise fragend, ob das geht bzw. ob es überhaupt anders gehen kann? In der Bildmitte steht eine weiße Mauer, an der Blut herabläuft. Das Gemälde wirkt entstellt, seine Farben sind bis auf das Rot schmutzig, womit Zickelbein vielleicht Lea Grundigs „Die Erde von Auschwitz“ zitiert (Standort unbekannt), eine dunkle Leinwand, übersät mit Spuren nackter Füße, die von Springerstiefeln zertrampelt worden sind. Am unteren Bildrand fällt die Widmung „All den Herrlichen“ ins Auge. In den 1980er-Jahren schuf Zickelbein eine Reihe von Arbeiten mit dem Titel „Auschwitz“ mit variierenden Widmungen. Der Kunsthistoriker Lothar Lang nannte diese Bilder einmal – ohne direkten Bezug auf „Auschwitz“ – „panische Landschaften“. Das trifft es. | Sven Haase

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson