Logo

Moon Voyage

Ident. Nr.: NG 46/76

ObjID: obj:961761

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Louise Nevelson (1899 - 1988),
Künstler*in
Datierung
1971
Weitere Titel
Sammlungstitel: Moon Voyage
Mondfahrt
Material / Technik
Bemaltes Holz (9 Teile)
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 227 x 277,5 x 43 cm
Erwerbung
1976 Schenkung New Yorker Kunstfreunde durch The Cosmopolitan Arts Foundation, New York

Objektbeschreibung

Nevelson, die als Kind mit ihrer Familie von Kyjiw in die USA übergesiedelt war, entwickelte ab den 1950er-Jahren ein stringentes Œuvre mit dem Kasten als prägendem Element. Mit ihrer intuitiven Assemblage-Technik arrangierte sie zunächst gefundene, später maßgefertigte Kästen zu architektonischen Kompositionen. In ihren schreinartigen Objekten, vorzugsweise aus Holz, vereinte sie in rhythmisierter Anordnung Fundstücke aus Industrie und Handwerk wie Stuhllehnen, Kleiderbügel, Balustraden, Räder, Rohre oder Treibholz mit geometrischen Grundformen. Durch einen monochromen, matten Anstrich in Schwarz, wahlweise auch in Weiß und selten goldfarben, gab sie den Einzelelementen eine einheitliche Anmutung. Der Gegensatz zwischen den plastischen Formen und dem sie bergenden hohlen Kasten, von Masse und Leere, führt zu einer geheimnisvollen Tiefenwirkung. 1974 erhielt Nevelson, damals bereits international bekannt, als erste Frau eine Einzelausstellung in der Glashalle der Neuen Nationalgalerie. Sie lässt sich keiner Stilrichtung zuordnen, weist ihr Werk doch Einflüsse unterschiedlicher Kulturen und Epochen auf – vom europäischen Dadaismus und Kubismus bis hin zu altamerikanischen Architekturen oder auch den westafrikanischen Dogon-Skulpturen. Nevelson bezeichnete sich selbst als „Architektin des Schattens“. So ist das schwarze Wandrelief „Moon Voyage“ die atmosphärische Visualisierung des Kontrasts von Dunkel und Hell. Vielfach enthielt Nevelsons Themenwahl kosmische Anspielungen. Auch diese neunteilige Arbeit besteht aus Kästen, in denen sie mittels Wiederholung und Spiegelung archetypische Elemente wie Kreis und Dreieck zusammen mit dem Alltag entlehnten Formen anordnete. Nevelsons komplexe Formfindungen sind auch inspiriert aus urbanen Strukturen, insbesondere von „downtown“ New York, wo sie lebte und arbeitete. Neben der architektonischen Analogie verweisen sie auf Wachstum und Verfall, evolutionäre Prozesse und Zeitlichkeit. | Uta Caspary

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson