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Leuna 1921

Ident. Nr.: A IV 241

ObjID: obj:961888

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Willi Sitte (1921 - 2013),
Künstler*in
Datierung
1965/1966
Provenienz
Kauf: VEB Leuna-Werke "Walter Ulbricht",
1966–1970
Abmessungen
Höhe x Breite: 270 x 480 cm
Erwerbung
1970 Übereignung der VEB Leuna-Werke "Walter Ulbricht", in deren Auftrag das Bild entstanden ist

Objektbeschreibung

Das aus vier Tafeln bestehende Monumentalgemälde „Leuna 1921“ – das Pendant zu „Leuna 1969“ (A IV 246) – war eine Auftragsarbeit für den Volkseigenen Betrieb (VEB) Leuna, die größte Chemieanlage der DDR. Das Bild sollte an den im Februar/März 1921 blutig von Polizei und Armee niedergeschlagenen Arbeiteraufstand im Mansfelder Bergbaurevier im Harz erinnern. Sitte erzählt in einander überlappenden bildlichen Erzählsträngen und einer expressiven Farb- und Bildkomposition alle Einzelheiten des Aufstandes, wobei er sich teilweise auf historische Fotos bezieht. Das Gemälde wird von einer zentral angelegten, vorwärtsstrebenden Dreiergruppe bestimmt, hinterfangen von einem blutroten Himmel. Die drei Figuren symbolisieren das Fundament und die Kraft der Arbeiterbewegung, was durch das Antlitz von Karl Marx unterstrichen wird. Links und rechts von dieser übergroßen Gruppe zeigt Sitte die Ursachen und Folgen des Aufstandes. Links oben schwebt über allem der Fabrikbesitzer, der sowohl die Politiker in Schach hält, hier den durch eine Augenbinde „blinden“ sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert, als auch die Militärs und Schutzpolizisten, die die Aufständischen abführen. In anderen Segmenten sieht man die demonstrierenden Arbeiter vor den Fabriktoren, Plakate mit den „falschen“ Versprechen der Sozialdemokratie ebenso wie Gefangene und Tote, die für das Scheitern der Revolte stehen. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

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Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson