Logo

Diskuswerfer

Ident. Nr.: F.V. 306

ObjID: obj:961923

Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Harald Isenstein (1898 - 1980),
Künstler*in
Datierung
1926
Weitere Titel
Sammlungstitel: Diskuswerfer
Übersetzung: Discobolus
Geografische Bezüge
Provenienz
Reichserziehungsministerium,
1938
Überweisung: Nationalgalerie, Berlin,
1938–2011
Restitution: Bundesrepublik Deutschland,
2011
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: mit Steinplatte: 44 x 27 x 27 cm
Erwerbung
Seit 2011 Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland

Objektbeschreibung

Im Berlin der 1920er-Jahre war Isenstein bekannt und sein Werk in zahlreichen Ausstellungen vertreten. Seine Lehrer waren Peter Christian Breuer, Franz Siegel, Hugo Lederer und Wilhelm Gerstel gewesen, stilistisch wird er mit Wilhelm Lehmbruck und Joachim Karsch in Zusammenhang gebracht. Isenstein porträtierte bekannte Berliner, so zum Beispiel James Simon, Fritz Busch, Albert Einstein, Käthe Kollwitz und Ernst Cassirer. Zudem begeisterte er sich für das Theater und illustrierte literarische Werke. Schon 1933 emigrierte er aufgrund seiner linken Gesinnung und seines jüdischen Glaubens zunächst nach Dänemark, dann nach Schweden. Eine der wenigen Arbeiten, die sich aus der Zeit vor der Emigration erhalten haben, ist der „Diskuswerfer“. Das Motiv des Sportlers und des in Bewegung befindlichen Körpers beschäftigte viele Bildhauer in der Zeit der Weimarer Republik. Isenstein zeigt seinen „Diskuswerfer“ in höchster Spannung und Konzentration, kurz vor dem Wurf, im Moment des Ausholens. Der Blick ist zielgerichtet, Wangen-, Kinn- und Mundpartie sind angespannt. Die Beine wirken seltsam verdreht, der nach vorn geneigte Körper ist nur durch die Zehen mit dem Boden verbunden, als würde er gleich abheben. Das Momenthafte wird durch die Plastizität der Oberfläche unterstrichen. | Johanna Yeats

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson