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Feldgrau schafft Dividende

Ident. Nr.: A IV 119

ObjID: obj:962025

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Alice Lex-Nerlinger (1893 - 1975),
Künstler*in
Datierung
1931-1961
Weitere Titel
Sammlungstitel: Feldgrau schafft Dividende
Übersetzung: Field Grey Creates Dividends
Provenienz
im Besitz der Künstlerin,
1967
Material / Technik
Kaseintempera auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 70 x 101 cm
Erwerbung
1967 Ankauf von der Künstlerin aus Mitteln des Kulturfonds der DDR

Objektbeschreibung

Durch den Ersten Weltkrieg entwickelte sich Lex-Nerlinger zur überzeugten Pazifistin und Kapitalismuskritikerin. In den 1920er-Jahren war sie Mitglied der Gruppe Die Abstrakten, distanzierte sich jedoch von formalistischen Debatten. Rückblickend schrieb sie: „Während in diesen Kreisen die Menschen absurde Ideen hervorbrachten, löste in Deutschland ein Streik den anderen ab […]. Unter diesen Umständen war es mir unmöglich […], abstrakte Bilder zu malen, es kam mir unsinnig vor“ (zit. nach Alice Lex-Nerlinger. Fotomonteurin und Malerin, Ausst.-Kat., Berlin, 2016, S. 102 f.). 1928 trat sie der Assoziation revolutionärer bildender Künstler (ASSO) und der Kommunistischen Partei bei. Das Gemälde „Feldgrau schafft Dividende“ entstand in den Jahren, in denen sich ihre Kunst mit ihrem politischen Engagement deckte. Ein toter Soldat hat sich in einer Stacheldrahtbarriere verstrickt, sein deformiertes Gesicht ist hinter Helm und Gasmaske sichtbar. Aus einer Fabrik im Hintergrund fährt eine Kolonne aus Panzern und Kriegsgerät direkt in sein Herz; sein Blut färbt die Fabrik rot. Das monochrome Grau und die collagenhafte Anordnung unterstreichen Entfremdung und Tristesse. Titel und Motiv klagen Industrielle und Staatsmänner an, die durch Waffenproduktion und Kriegspolitik Vorteile für sich selbst erwirtschafteten. Als das Bild im Frühjahr 1932 auf der „Großen Berliner Kunstausstellung“ in der Abteilung „Krieg“ zu sehen war, geriet es ins Visier der nationalsozialistischen Hetzpresse. Das Werk der Nationalgalerie ist eine Replik der Arbeit von 1931; vermutlich hat Lex-Nerlinger das Original 1933 aus Angst vor der SA selbst zerstört. | Christina Thomson

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson