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Prozession bei Ascona

Ident. Nr.: B 540

ObjID: obj:962059

1962 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Marianne von Werefkin (1860 - 1938),
Künstler*in
Datierung
um 1924
Weitere Titel
Sammlungstitel: Prozession bei Ascona
Übersetzung: Procession near Ascona
Provenienz
im Besitz der Künstlerin,
1926
Kauf: Hinnerk Scheper und Lou Scheper-Berkenkamp, Berlin,
1926–1957
Lou Scheper-Berkenkamp, Berlin,
1957–1962
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1962–1968
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 46,2 x 42,2 cm
Erwerbung
1962 Ankauf aus der Sammlung Lou-Scheper-Berkenkamp, Berlin (West), durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Als Werefkin 1918 nach Ascona umzog, war dort die große Zeit der Lebensreformer, die im Jahr 1900 begonnen hatte, bereits vorbei. Dennoch umwehte die Region um den Monte Verità, dessen Gebäude zwischenzeitlich als Hotel genutzt wurden, noch immer ihr unkonventioneller Hauch, der weiterhin Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle anzog. 1924, als das Gemälde „Prozession bei Ascona“ vermutlich entstand, gründete Werefkin dort die Künstlergruppe Der Große Bär. Auch moderne Tänzer wurden von der Region um den Monte Verità angezogen. Bereits in den 1910er-Jahren entstand die Sommerschule Rudolf von Labans, in den 1920er-Jahren dann das Tanztheater Charlotte Baras in San Materno. Werefkins Bild konzentriert sich jedoch nicht auf die zugezogene Bohème, sondern auf das dörfliche Leben der Einheimischen und die Bergwelt, welche die Künstlerin seit ihrem Umzug nach Ascona kontinuierlich malte. Es besticht insbesondere durch seine Perspektive, die die Häuser des kleinen Ortes – im Gegensatz zu der Kirche im Vordergrund – und die Menschen winzig aussehen lässt. Die Prozession sowie die umstehenden Gebäude werden in das Gebirge aus Rot-, Braun- und Gelbtönen nahezu hineingesogen, während die Spitze des Berges ganz rechts in goldenes Abendlicht getaucht ist. Werefkin hatte zwar bei dem Maler Ilja Repin eine klassische Kunstausbildung erhalten, doch ihre intensive Auseinandersetzung mit moderner Kunsttheorie, mit Farb- und Lichtgestaltung ließ sie einen neuen Malstil entwickeln, wobei Edvard Munch und Henri de Toulouse-Lautrec zu ihren Vorbildern gehörten. In Ascona verbrachte sie ohne ihren langjährigen Partner, den Maler Alexej von Jawlensky, ihre letzten Lebensjahre. Sie starb dort am 6. Februar 1938. | Anja Pawel

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson