Logo

Blumenstrauß

Ident. Nr.: A IV 609

ObjID: obj:962062

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Völker (1889 - 1962),
Künstler*in
Datierung
1930-1937
Weitere Titel
Sammlungstitel: Blumenstrauß
Übersetzung: Bouquet of Flowers
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 73 x 59 cm
Erwerbung
1989 Ankauf von Ruth Horn, Berlin (Ost)

Objektbeschreibung

Der Strauß passt in seiner fröhlichen Farbigkeit zu dem Zweck, den ein rückseitig aufgeklebter, von unbekannter Hand beschrifteter Zettel angibt: Das Bild sei ein „Persönliches Geschenk von K. Völker zu unserer Hochzeit im Mai 1938“. Doch Völker war immer auch ein politisch denkender Künstler. 1961 bekannte er unter anderen gesellschaftlichen Vorzeichen: „Mein Thema ist und bleibt der Mensch“, und zwar „überall in meinen Bildern […] – gleichgültig, was sie gegenständlich darstellen“ (zit. nach Vorwort, in: 1000 Jahre Halle. Hallesche Künstler des VBKD stellen aus, Ausst.-Kat., Halle, 1961, o. S.). Ähnlich hat auch Wilhelm Lachnit in seinem „Blumenstrauß vor Vorhang und Landschaft“ (um 1933, A IV 283) Gesellschaftskritik „durch die Blume“ signalisiert. Die Chrysantheme („Goldpflanze“) weist auf die Sonne, das Licht, auf Erhellung und Aufklärung. Insbesondere die ausgesprochen formenreiche Garten-Chrysantheme ist Kunstblume und Exot par excellence: In Ostasien gezüchtet war sie erst 1862 aus Japan nach Europa gelangt. Die fahle Blüte links mit dem verschatteten Zentrum, die Vase mit den abrupt in tiefstes Schwarz umbrechenden Glanzlichtern, der lodernde Gestus der Blätter sind subtil-bedrohliche Kontrapunkte hierzu. Zudem können die gepflückten Äpfel als Hinweis auf den Sündenfall verstanden werden. Auch die lange Entstehungszeit des Bildes deutet darauf hin, dass die Hochzeit zumindest nicht dessen ausschließlicher Malanlass war. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz

Bauer, Weihwasser nehmend

Bauer, Weihwasser nehmend

Den Türrahmen fast vollständig ausfüllend, mit schweren Pantinen und großem Hut bekleidet, tritt ein Bauer auf dem in dunklen, erdigen Farben gehaltenen Gemälde von Egger-Lienz über die Schwelle einer einfachen Holzstube. Dabei taucht er seine Hand in ein Weihwasserbecken neben der Tür, ein durchaus übliches Ritual der Reinigung in katholischen Privathaushalten zur Entstehungszeit des Bildes. Ebenso wie dieses Spätwerk des Künstlers ist das gesamte Œuvre des Malers, der an der Münchner Akademie der bildenden Künste studiert hatte, von einer religiös gefärbten, realistischen und gleichsam idealisierenden Darstellung der bäuerlichen Alltagswelt geprägt. Die Formensprache ist dabei auf das Wesentliche reduziert. 1909 schrieb der damals im österreichischen Exil lebende Leo Trotzki anlässlich einer Ausstellung der Wiener Secession über Egger-Lienz’ Arbeiten: „Bei Egger gibt es nichts Überflüssiges. Er hält sich keinen Augenblick bei Einzelheiten auf. Die Farben sind ohne Nuancen, die Schatten der Gestalten nur schematisch angedeutet“ (Leo Trotzki, Die Wiener Secession, in: ders., Literatur und Revolution, Essen 1994, S. 478). Der Künstler selbst sagte über sich: „Ich male keine Bauern, sondern ‚Formen‘, so scheint es mir“ (Brief an O. Kunz, 12.5.1924, zit. nach Wilfried Kirschl, Albin Egger-Lienz, Wien 1977, S. 436). Wahrgenommen wird Egger-Lienz’ Werk dennoch vor allem durch das dominierende Sujet des Bauern und einfachen Mannes, das letztlich auch die konservative, teils nationalistische Rezeption seiner Arbeit bestimmt hat. | Maike Steinkamp