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Flandern (Wohin in dieser Welt?)

Ident. Nr.: NG 11/12

ObjID: obj:962142

Erworben mit Unterstützung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie, der Bundesrepublik Deutschland und der Kulturstiftung der Länder
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Franz Radziwill (1895 - 1983),
Künstler*in
Datierung
1940-1950
Weitere Titel
Sammlungstitel: Flandern (Wohin in dieser Welt?)
Übersetzung: Flanders (Where to in this World?)
Provenienz
Leihe: im Besitz des Künstlers,
1973
Privatbesitz (Franz Radziwill Gesellschaft e. V., Varel/Dangast),
1973–2012
Leihe: Nationalgalerie, Berlin,
1968–2012
Abmessungen
Höhe x Breite: 119 x 170 cm
Erwerbung
2012 Ankauf mit der Unterstützung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie, der Bundesrepublik Deutschland und der Kulturstiftung der Länder

Objektbeschreibung

Den Überfall Deutschlands auf Belgien erlebte Radziwill im Mai 1940 als Kriegsberichterstatter eines Panzerbataillons mit. In seinem Haus in Dangast entstand anschließend die erste Fassung des Bildes mit der zunächst fast idyllisch wirkenden Tiefebene des flandrischen Belgien und dem Höhenzug des Kemmel. Allerdings waren im Vordergrund bereits Grabkreuze mit Soldatenhelmen und eine Ruine zu sehen. Ein Fliegerangriff veranlasst Menschen und Tiere zur Flucht, worauf der ursprüngliche Titel, „Wohin in dieser Welt?“, anspielt. In Reaktion auf die geschichtlichen Ereignisse in Deutschland überarbeitete Radziwill das Gemälde 1940–1950. Er fügte rechts zwei Bomber vom Typ Junkers 87 hinzu, links zwei Flugzeuge, die wohl den US-amerikanischen Begleitbomber Lockheed P-38 „Lightning“ meinen. Ein Riss durchzieht Himmel und Erde, cherubimartige Wesen gleiten wie Fallschirmspringer herab, ein blasser Sonnenball und ein florales Ornament schweben über der Szene. Damit vollzog Radziwill den Schritt vom magischen Realismus zu einem apokalyptisch-surrealen Symbolismus. Der Stilwandel hatte auch biografische Hintergründe. Denn zerrissen, wie der Himmel auf seinem Gemälde erscheint, war auch Radziwills Karriere: Bis 1931 noch Mitglied der politisch links stehenden Novembergruppe, trat er 1933 in die NSDAP ein und wurde 1935 Propagandaleiter der Ortsgruppe Dangast. 1937 wurde er in der Ausstellung „Entartete Kunst“ angeprangert, 1939 kaufte das Luftgaukommando München einige seiner Werke, 1941 wurden seine Bilder in der „Großen Gau-Ausstellung Weser-Ems“ in Oldenburg abgehängt. Im Entnazifizierungsverfahren 1949 wurde Radziwill als „entlastet“ eingestuft. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson