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Diagonalbiegung

Ident. Nr.: FNG 28/82

ObjID: obj:962172

Schenkung des Künstlers an die Freunde der Nationalgalerie
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Alf Lechner (1925 - 2017),
Künstler*in
Datierung
1981
Weitere Titel
Sammlungstitel: Diagonalbiegung
Übersetzung: Diagonal Curve
Material / Technik
Stahl
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 20 x 200 x 200 cm
Erwerbung
1982 Schenkung des Künstlers an die Freunde der Nationalgalerie (Hommage à Barnett Newman)

Objektbeschreibung

Nach künstlerischen Anfängen als Maler begann der gebürtige Münchner 1948 eine Ausbildung zum Schlosser, die ihn zunächst in Richtung Industrie- und Lichtdesign, sodann zu seinem zentralen künstlerischen Werkstoff führte: Stahl. Mit den Ergebnissen seiner autodidaktischen Experimente, die er anhand genauester Beobachtungen industrieller Produktionsprozesse durchführte, wurde Lechner zu einem der wichtigsten deutschen Stahlplastiker der 1980er-Jahre. Seine Bodenplastik „Diagonale Flächenauflösung 2/1981“ verbindet größtmögliche Einfachheit mit einer präzisen Beobachtung der die Bildhauerei bestimmenden Parameter Maß und Proportion sowie Körper und Raum. Die exakt 20 x 200 x 200 Zentimeter messende Stahlplatte wird durch eine subtile diagonale Biegung ihrer Flächigkeit enthoben und raumgreifend fixiert. Die sanfte Wölbung des Stahls, die die massiven Krafteinwirkungen des Herstellungsprozesses überspielt, lotet Gegensätze wie Stabilität und Labilität, Statik und Dynamik, Ebenmaß und Abweichung oder Einfachheit und Komplexität aus: „In der Einfachheit steckt so viel Kompliziertes, dass man gar nicht einfach genug sein kann. Wirkliche Entdeckungen macht man ja nur in den einfachsten Formen“, so Lechner (in: Armin Zweite, Alf Lechner und sein Skulpturenpark, in: Daniel McLaughlin [Hrsg.], Alf Lechner. Skulpturenpark, Göttingen 2020, S. 224). Dabei unterstützt Lechners Denken und Arbeiten in Serien und Zyklen die Formbeobachtung und Suche nach der zugrundeliegenden theoretischen Reihenlogik. | Yvette Deseyve

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson